Fulda. Eine Ära im Fuldaer Geschichtsverein ist zu Ende gegangen. Nach 38 Jahren Vorstandsarbeit, darunter mehr als 20 Jahre als erster Vorsitzender, hat Fuldas langjähriger Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Hamberger sein Amt abgegeben. Einen Nachfolger hatte Hamberger auch vorgeschlagen: Zum neuen Vorsitzenden wählten die Mitglieder Fuldas Verwaltungschef Gerhard Möller.
In ihren Ämtern bestätigt wurden die übrigen Vorstandspositionen, unter anderem wird Christian Dehnhard weiter als Schatzmeister fungieren. Wesentliche Neuerung:Â Der Leiter des Stadtarchivs, Dr. Thomas Heiler, übernimmt künftig die Geschäftsführung des Vereins. Michaela Schmidt steht ihm zur Seite. Anlaufstelle für stadtgeschichtlich Interessierte ist damit in doppelter Hinsicht das Stadtarchiv im Palais Butlar.
Geschichtsbewusstsein mitgestaltet
In seiner Antrittsrede würdigte der neue Geschichtsvereins- vorsitzende die „außerordentlichen Verdienste Dr. Hambergers als Repräsentant des Geschichtsvereins, der maßgeblich die Präsenz und Vertiefung fuldischen Geschichtsbewusstseins mitgestaltet habe.“ Unschätzbar seien seine Verdienste für die Herausgabe der zweibändigen Stadtgeschichte. Dieses „Jahrhundertwerk“ wäre ohne die unablässige Aktivität Dr. Hambergers nicht denkbar, betonte Möller.
Idee, Inhalt, Organisation und Finanzierung seien aufs Engste mit dem Namen von Fuldas früherem Stadtoberhaupt verbunden. Hamberger habe das große Experten-Team des Vorstands immer wieder motiviert. Der Verein habe unter seiner Ägide einen stetigen Mitgliederzuwachs bis heute zu verzeichnen. Deshalb stehe der Verein heute auf einem soliden Fundament.
Auf Vorschlag des neuen Vorsitzenden wurde sein Vorgänger einmütig zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Als Zeichen der Anerkennung überreichte Möller ein seltenes Faksimile-Exemplar des berühmten Werks von Rabanus Maurus „De laudibus sanctae crucis“ (Kreuzeslob) an Wolfgang Hamberger, der das Geschenk sichtlich bewegt entgegen nahm.
Geeigneter Nachfolger
Hamberger dankte den Mitgliedern und dem langjährigen Vorstandsteam für die engagierte Mitarbeit über so viele Jahre. In seinem Rückblick erinnerte er an die bewegende Ausstellung des einzigartigen Stückes von Rabanus Maurus aus dem Fundus des Vatikans in der Landesbibliothek anlässlich des Stadtjubiläums 1994. Äußerst zufrieden zeigte sich Hamberger über die Mitgliederentwicklung im Geschichtsverein seit 1990, die von 370 auf aktuell 539 gestiegen ist und über die Herausgabe der beiden Bände zur Fuldaer Stadtgeschichte in guter Zusammenarbeit mit dem Verlag Parzeller.
Bei einer Auflage von jeweils 2.500 Exemplaren waren am 11. März 2010 verkauft: Band I (Ende 2009 erschienen): 1. 711 Exemplare, Band II (Ende 2008): 2.105 Exemplare, ein ganz außergewöhnlich gutes Ergebnis, denn das Werk hat viele Fuldaer Familien erreicht, und es hat auch in Fachkreisen Anerkennung gefunden.
Dass bereits der Großteil der Bände an Interessierte verkauft werden konnte, spricht aus Hambergers Sicht für die Qualität des Werks. Wichtige Grundlage zur Realisierung des ehrgeizigen Projekts, dessen Anfänge bis in seine Zeit als Fuldaer Oberbürgermeister zurückreichen, sei eine solide Finanzierung gewesen. Ausführlich ging der scheidende Geschichtsvereinsvorsitzende auf seine Entscheidung, den Stabwechsel jetzt zu vollziehen, ein.
“Er sei außerordentlich dankbar”, so Wolfgang Hamberger, “dass OB Möller sich bereit erklärt habe, das Amt zu übernehmen, weil damit die Kontinuität in der guten Zusammenarbeit zwischen Stadt und FGV garantiert werde und weil Gerhard Möller für die Aufgabe bestens geeignet sei, nachdem er sein historisches Interesse nicht erst entdecken müsse, nachdem er es oft genug schon bewiesen habe.” (mb)