Kleinlüder. Mit einer Heiligen Messe in der Wallfahrtskirche Kleinheiligkreuz gedachte die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) Diözesanverband Fulda dem ehemaligen Schriftleiter der bundesweiten Westdeutschen Arbeiterzeitung Nikolaus Groß. Am 23. Januar 2010 war dieser von den Nationalsozialisten in Berlin-Plötzensee ermordet worden. Für seinen Mut, trotz der Todesgefahr für seinen Glauben einzustehen sprach Papst Johannes Paul II. ihn am 7. Oktober 2001 selig.
Den Gottesdienst zelebrierte KAB Diözesanpräses Pfarrer Christian Sack aus Bad Hersfeld. In seiner Predigt ging er auf die wichtigsten Lebens-Stationen von Nikolaus Groß ein. Als Arbeiter im Blechwalzwerk und mit seiner Tätigkeit als Kohlenhauer im Bergbau machte er wichtige Erfahrungen, die ihn schnell dazu brachten, sich im christlichen Gewerkverein für Arbeiterfragen zu engagieren.
So stieß er im Rahmen seines gewerkschaftlichen Engagements zur KAB und wurde Schriftleiter der deutschlandweit verbreiteten „Westdeutschen Arbeiterzeitung“ die trotz Umbenennung in „Ketteler Wacht“ als KAB Zeitung später von den Nationalsozialisten verboten wurde. Seine gelebte christliche Überzeugung brachte ihn unter dem Unrechtsregime schnell mit Menschen des Widerstands zusammen und er publizierte ungeachtet der Gefahr für seine Frau und sieben Kinder christliches Gedankengut gegen die Nazis.
Als Zugehöriger zum „Kölner Kreis“ verhaftete ihn die Gestapo 1944 und verbrachte ihn über das Konzentrationslager Ravensbrück nach Berlin wo ihm vor dem Volksgerichtshof unter Leitung von Roland Freisler der Prozess gemacht wurde. Verurteilt zum Tode wurde er am 23. Januar 1945 in Plötzensee bestialisch ermordet.
KAB Diözesanpräses Sack stellte den zahlreichen Gottesdienstbesuchern Nikolaus Groß neben anderen christlich-sozial engagierten Menschen wie Bernhard Letterhaus, Otto Müller, Gottfried Könzgen, Joseph Joos, Hans Adlhoch und Rupert Mayer, als Vorbild in Bekennermut vor. „Um wie viel leichter ist es heute, sich für christliche Werte und Gerechtigkeit zu engagieren, niemand muss irgendwelche Nachteile befürchten und dennoch fällt es uns heute so schwer zu Überzeugungen zu stehen“ regte Sack zum Nachdenken an.
Allein seinem Gewissen verpflichtet habe Groß einen ähnlichen Bekennermut gezeigt wie Thomas Morus und Nikolaus von der Flue. Er sprach die Hoffnung aus, dass sich viele Menschen in der KAB, die sich als Kirche in der Arbeiterbewegung und als politische Bewegung sieht, engagieren und das Ziel einer gerechteren Gesellschaftsordnung verfolgen.
„Wie unsere Vorfahren auch, dürfen wir uns dabei nicht nur in einem engen geschlossenen Kreis bewegen, sondern wir sind aufgerufen mit vielen gleichgesinnten Menschen den Austausch zu pflegen und gemeinsam unsere Ziele zu verfolgen“ rief Sack zur Kontaktaufnahme und Zusammenarbeit mit Gewerkschaften und anderen Organisationen auf.