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Architektenwettbewerb für „Grünes Klassenzimmer“ abgeschlossen

Oberelsbach. Der Architektenwettbewerb zum Bau eines „Grünen Klassenzimmers“ in Oberelsbach, also einer Umweltbildungsstätte für das Biosphärenreservat Rhön, ist abgeschlossen. Sieger ist das Büro Kammerer Architektur, Stadtplanung, Gestaltung aus Stuttgart. Die Gemeinde Oberelsbach wird vermutlich noch in dieser Woche die Bietergespräche mit allen vier geehrten Architekten führen. „Die Zeit drängt, denn wir müssen am 1. Januar 2012 eröffnen“, sagte Bürgermeisterin Birgit Erb.

Fotos und Text: Carsten Kallenbach

091117_Wettbewerb1091117_Wettbewerb2Der Neubau eines „grünen Klassenzimmers“ an der Stelle, wo sich derzeit noch die alte Schule von Oberelsbach befindet, ist ein zentrales Projekt im Rahmen der Umweltbildung des Biosphärenreservats Rhön. Bauträger wird die Kommune Oberelsbach sein; das Geld (rund fünf Millionen Euro) stammt aus dem so genannten „Konjunkturpaket II“ der Bundesregierung und wird über den Freistaat Bayern ausgereicht. Das „Grüne Klassenzimmer“ soll als Schulungs-, Versorgungs- und Übernachtungskomplex in erster Linie Schulklassen mit der Kulturlandschaft Rhön und dem Biosphärenreservat Rhön bekannt machen. Wie der Landrat des Rhön-Grabfeld-Kreises und Vorsitzender des Vereins Naturpark & Biosphärenreservat Bayerische Rhön e.V. betonte, sei das „Grüne Klassenzimmer“ nicht einfach nur ein Gebäude, sondern vielmehr eine Idee und eine Philosophie.

Dem Realisierungswettbewerb ging ein Teilnehmerwettbewerb voraus. Fast 190 Architekturbüros aus ganz Europa meldeten ihr Interesse an, an diesem Wettbewerb teilzunehmen. Von den 15 Wettbewerbsplätzen, auf die sich der Markt Oberelsbach vorab festgelegt hatte, gingen fünf an gesetzte Büros von anerkannt hohem Ruf, die zehn übrigen Teilnehmer wurden aus den 190 Bewerbungen zugelost. Die letztlich 14 eingereichten Entwürfe der Architekten waren in Oberelsbach als Ausstellung zu sehen. Zahlreiche Bürger nutzten die Möglichkeit, sich die Entwürfe und Modelle zu betrachten.

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Den mit 3 000 Euro dotierten 4. Preis gewann das Büro Neumann Architekten in Werder/Vogtland. Der Entwurf sieht verschiedene Gebäudeteile mit Satteldach, Flach- und Gründach vor. Die Anordnung der Teilgebäude erfolgt in Form eines Hofmotivs, weil es so fest definierte und geschützte Teilbereiche gibt. Bestandteile sind unter anderem ein Holzbau mit Fassadenbegrünung und eine Natursteinfassade. Der 3. Preis geht an das Büro Löhle Neubauer Architekten in Augsburg und ist mit 6 000 Euro dotiert. Zur öffentlichen Vorstellung in Oberelsbach war jedoch kein Vertreter des Architekturbüros anwesend.

Stefan Neumahr, Freier Architekt aus Sindelfingen, konnte den 2. Preis des Architektenwettbewerbs und somit 9 000 Euro mit nach Hause nehmen. Sein Vorschlag ist ein markanter Baukörper in Form eines Rundlings, der sich nach allen Seiten öffnet und damit die Landschaft erlebbar macht. Vom oberen Geschoss sei die Aussicht auf den Markt Oberelsbach und das „Land der offenen Fernen“ von überall her garantiert. Jedes Zimmer soll einen eigenen Außenbereich bekommen. Der Sockel des Rundbaus soll aus Stein bestehen; das obere Geschoss in Massivholzbauweise errichtet werden. Alle öffentlichen Bereiche sollen mit viel Glas gestaltet werden, erläuterte der Architekt.

Der 1. Preis beim Architektenwettbewerb um das „Grüne Klassenzimmer“ ist mit 12 000 Euro dotiert. Für Ralf Kammerer, Architekt aus Stuttgart, hatte sich das Preisgericht „nach langer, aber fairer Streitkultur einstimmig entschieden“, wie Thomas Habermann mitteilte. Kammerer setzt auf ein Gebäude, das im unteren Bereich durchgängig ist und im oberen Bereich fünf kleine „Wohnkuben“ besitzt. Es ist nach seinen Worten ein „Zwischending zwischen einem normalen Gebäude und dem, was es in der Natur gibt“. Es hat gebrochene Linien und Formen. „Die einzelnen Gebäudeteile integrieren sich in die dörfliche Struktur, aber sie sollen natürlich auch Fragen aufwerfen. Das macht auch Sinn bei einem Gebäude, das Lernen zum Inhalt hat“, meinte der Architekt. Im Außenbereich plant er ein „Forum Grünes Klassenzimmer“ in Form eines kleinen Amphitheaters. Den einen geforderten Aspekt des Wettbewerbs, nämlich Nachhaltigkeit, interpretiert Kammerer wie folgt: „Bei dieser Kleinteiligkeit können wir versuchen, lokale mittelständische Betriebe aus der Umgebung in den Bauprozess einzubeziehen. Wir brauchen hier keinen Großauftragnehmer aus München mit Subunternehmen aus Polen oder Portugal.“

Um die neue Umweltbildungsstätte für das Biosphärenreservat Rhön sei lange gerungen und diskutiert worden – das betonten zur Preisverleihung alle Redner. „Es war ein beschwerlicher Weg über viele Instanzen“, sagte beispielsweise die Bürgermeisterin des Markt Oberelsbach, Brigitte Erb. Nun sei mit dem Ende des Architektenwettbewerbs ein großer Meilenstein bei der Umsetzung der Idee gelungen. In Zukunft, betonte sie, sollen in Oberelsbach Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen der Umgang mit der Natur und das Leben im Einklang mit der Natur gelehrt werden. „Die Idee des Grünen Klassenzimmers ist nicht nur gut und richtig, sondern für die Menschen in der Region besonders wichtig.“ Erb bedankte sich bei all denen für ihre Initiative und Hilfe, die von Anfang an gemeinsam das Projekt unterstützt hatten. Dabei nannte sie in erster Linie den Landrat des Rhön-Grabfeld-Kreises Thomas Habermann, den Leiter der bayerischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön Michael Geier, den Regierungspräsidenten von Unterfranken Dr. Paul Beinhofer, den Bereichsleiter Umwelt bei der Regierung von Unterfranken Bertram Eidel, den Geschäftsführer des Vereins Naturpark & Biosphärenreservat Bayerische Rhön e.V. Klaus Spitzl, den Referatsleiter Landschaftsplanung, Natura 2000 und Schutzgebietssysteme beim Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit Franz Bichlmeier und den CSU-Landtagsabgeordneten Dr. Bernd Weiß. Nicht zuletzt stehe auch Bayerns Umweltminister Dr. Markus Söder persönlich hinter dem Projekt im Biosphärenreservat Rhön.

Umweltbildung für Kinder und Jugendliche müsse in Zukunft Priorität haben, unterstrich Habermann. „Es geht dabei um die Fragen, woher bekommen wir unsere Energie, wie gehen wir mit unserer Umwelt um, wie lösen wir unser demografisches Problem, wie sollen wir uns in Zukunft ernähren und wie können wir uns möglichst lange gesund erhalten, weil wir ja immer älter werden“, nannte er Beispiele. Der Freistaat Bayern habe sich als erstes deutsches Bundesland die Umweltbildung auf die Fahnen geschrieben. Die Umweltbildung in den Nationalparken, wo es darum geht, die Natur Natur sein zu lassen, sei wichtig. „Aber die Umweltbildung dort, wo der Mensch lebt und sich seinen Kulturraum schafft, ist genauso wichtig. Der Mensch in seinem Kulturraum – das ist die Übersetzung von Biosphärenreservat“, meinte der Landrat. Daher sei es auch die erklärte Absicht gewesen, das „Grüne Klassenzimmer“ im besiedelten Raum anzusiedeln und nicht außerhalb.

Die Idee der Umweltbildungsstätte sei durch den Rhön-Besuch der Mitglieder des Umweltausschusses im bayerischen Landtag 2007 ein entscheidendes Stück vorangekommen. „Es genügt nicht, immer nur zu erzählen, wie toll unsere Kulturlandschaft ist. Die Menschen, die Entscheidungen treffen, müssen sie sehen und erleben“, erklärte Habermann. Letztlich habe Bayerns Umweltminister Markus Söder seinen Segen zum „Grünen Klassenzimmer“ in Oberelsbach nach einem Gespräch im Landratsamt Rhön-Grabfeld im März dieses Jahres erteilt.

Die Entscheidung, einen Architektenwettbewerb für das „Grüne Klassenzimmer“ auszurufen, sei eine gute Idee gewesen, sagte CSU-Landtagsabgeordneter Dr. Bernd Weiß. Damit habe man Kreativität und eine Vielzahl von Ideen einbinden können. „Solch ein Wettbewerb ist eine Chance, aus den guten Ideen diejenigen auszuwählen, die am meisten etwas für die Zielsetzung des ,Grünen Klassenzimmers‘, das Biosphärenreservat Rhön und den Markt Oberelsbach bringen“, betonte Franz Bichlmeier. Mit dem Bau der Umweltbildungsstätte erfolge keine neue Flächenversiegelung, sondern eine flächenschonende bauliche Entwicklung, weil es nicht außerhalb der Siedlungsstruktur geschehe. „Das ,Grüne Klassenzimmer‘ soll ein Erfolg für Oberelsbach, das Biosphärenreservat Rhön und die ganze Region werden. Um das zu erreichen, werden wir seitens des Freistaates Bayern unseren Beitrag leisten“, kündigte Bichlmeier an.

Bertram Eidel nannte die Preisverleihung zum Abschluss des Architektenwettbewerbs einen „besonderen Tag für den Markt Oberelsbach“. Das „Grüne Klassenzimmer“ selbst bezeichnete er als „Leuchtturm-Projekt“. „Der Markt Oberelsbach ist der Bauträger, der Verein Naturpark & Biosphärenreservat Bayerische Rhön e.V. wird es mit Leben erfüllen und dabei die beiden Schullandheime Bauersberg und Thüringer Hütte mit einbeziehen. Allein dieses Zusammenwirken ist ein Novum bei der Umweltbildung“, sagte Eidel. Gleichzeitig überreichte er den Förderbescheid des Freistaats Bayern an Birgit Erb.

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