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Bionade bietet interessierten Landwirten Kooperation

Fulda. Zu einer Informationsveranstaltung über den Anbau von Holunder in Zusammenarbeit mit Bionade hatte der Kreisbauernverband und das Biosphärenreservat Rhön nach Margretenhaun eingeladen. Dr. Beier, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes, begrüßte den Referenten Michael Garvs von der Bionade GmbH in Ostheim. Dr. Beier führte in seinem Grußwort aus, dass viele heimische Landwirte in Anbetracht der aktuellen Krise nach Alternativen suchten. Eine solche Alternative könnte auch der Anbau von Beeren, Kräuter oder Quitten sein.

Michael Garvs, der bei Bionade für die Rohstoffbeschaffung zuständig ist, ging zunächst auf die Entwicklung und Geschichte von Bionade ein und zeichnete den Weg des erstmalig weltweit gebrauten alkoholfreien Erfrischungsgetränks von der Marktnische zum Trendsetter auf. Unendliche Versuche waren nötig, bis es gelang, Zucker zu Glykolsäure und nicht zu Alkohol zu vergären. Kein Wunder, dass die Herstellung patentiert ist und ein streng geschütztes Firmengeheimnis darstellt. Das magenfreundliche und isotonische Getränk stehe, so Garvs, für ein neues Lebensgefühl.

Da auf aggressive Säuren verzichtet werde, sei es für Kinder und Jugendliche eine gesunde Alternative. Seit 2002 erfolgt die Umstellung auf Biorohstoffe. Bionade will es nicht bei den Anforderungen der Öko-Verordnung belassen, sondern setzt zusätzlich auf Regionalität. Ähnlich wie die Holunderbionade sollen weitere Sorten, produziert aus heimischen Früchten, folgen. Für die Verantwortlichen von Bionade hat die ökologische Ausrichtung mit einer starken Hinwendung zu mehr Regionalität zahlreiche Vorteile. So entfallen lange Wege, der Einsatz von Gentechnik kann ausgeschlossen werden, das Grundwasser wird nicht gefährdet, Ressourcen werden gesichert und die Authenti-zität des Produktes bleibt gewahrt.

Seit 2005 arbeitet Bionade mit heimischen Landwirten zusammen. Seither wächst die An-baufläche für Holunder. Der aktuelle Bedarf liegt laut Michael Garvs bei einer Anbaufläche von 250 Hektar. Tatsächlich sind derzeit 75 Hektar in der Region angelegt, von denen bis-lang 30 Prozent im Ertrag stehen. Zu 100 Prozent versorgt sich Bionade inzwischen mit Biobraugerste aus der Region, immerhin ein Bedarf von 350 Tonnen, welcher in der örtlichen Mälzerei verarbeitet wird. Zusätzlich werden jährlich 5.000 Tonnen Biozucker verarbeitet. Um die Kräuterlimonade auf heimische Produkte umzustellen, laufen derzeit Anbauversuche in der Bayerischen Rhön.

Auch finden Anbauversuche mit Quitten statt. Garvs legt Wert darauf, dass es dabei immer um die Produktion nach Biostandard gehe. Nach seiner Auffassung habe gerade die Modellregion Biosphärenreservat Rhön die Entstehung und den Erfolg von Bionade begünstigt. Bionade wolle nunmehr ihren Beitrag dazu leisten, die Rhön als ökologische Modellregion weiter zu entwickeln. Für die heimischen Landwirte könnte insbesondere der Anbau von Holunder, aber auch von Quitten, von Interesse sein. Beim Holunder stellt sich nach drei bis vier Jahren der erste Vollertrag ein. Um die Landwirte abzusichern, biete Bionade Zehn-Jahres-Verträge bei einer fünfjährigen Preisbindung und einem Kilopreis, der deutlich über dem Marktpreis liege.

Der Holunderertrag pro Hektar liegt durchschnittlich bei sechs Tonnen, wobei der Ertrag extrem vom fachgerechten Baumschnitt abhängt. Die Vertragslandwirte von Bionade bauen die Holundersorten Haschberg und Sambro an. Die Kosten je Pflanze liegen bei 4,50 bis 5,50 Euro, wobei pro Hektar etwa 400 bis 500 Pflanzen ausgebracht werden. Der Pflegeaufwand wird inklusive Ernte mit 400 Stunden pro Hektar kalkuliert. Für ein Kilo Bioholunder-Beeren zahlt Bionade derzeit 1,05 Euro. Die Verarbeitung des Holunders wird von der Firma Elm aus Flieden übernommen. Die Holunderbäume werden bis zu 20 Jahre alt. Neben den Beeren kann auch die Holunderblüte geerntet und verarbeitet werden.

Garvs macht deutlich, dass er gerne mit Landwirten aus der Hessischen Rhön zusammen arbeiten möchte und ihm sehr daran gelegen sei, mit einem hiesigen Pionierbetrieb erste Schritte zu gehen. Um den heimischen Landwirten den Bioanbau näher zu bringen, werden Bauernverband und Biosphärenreservat in 2010 eine Exkursion ins fränkische Ostheim an-bieten.

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