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Wie kann das Wahlrecht ausgeübt werden, wenn man nicht richtig lesen kann?

Fulda. Weil sie nicht richtig lesen und schreiben können, werden bei der Bundestagswahl bis zu vier Millionen Menschen in Deutschland Schwierigkeiten damit haben, ihren Stimmzettel auszufüllen. Bei einer dreiviertel Million Wählerinnen und Wählern könnte die Lesekompetenz sogar so mangelhaft sein, dass sie ohne fremde Hilfe überhaupt nicht wählen können. Dies sind Schätzungen des Deutschen Volkshochschul-Verbandes (DVV).

„Man stelle sich vor: Die Einwohner einer Großstadt können nicht wählen, weil sie nicht wissen, wie sie es anstellen sollen!“, bringt es DVV-Präsidentin Prof. Rita Süssmuth auf den Punkt. „Wählen ist aber ein fundamentales Bürgerrecht. Der DVV bietet Hilfe an.

www.ich-will-waehlen-gehen.de zeigt vertonte Übungen, damit man lernen kann, wie das Wählen funktioniert

Der Deutsche Volkshochschul-Verband hat vertonte Übungen entwickelt, mit denen Betroffene vollkommen anonym das Wählen lernen können. Unter www.ich-will-waehlen-gehen.de wird ihnen erklärt, wie sie Briefwahlunterlagen beantragen und den Stimmzettel ausfüllen können. Sie erfahren aber auch, wie der Bundestag arbeitet und welche Einflussmöglichkeiten Bürgerinnen und Bürger haben, wenn sie sich an der Wahl beteiligen. Der Bundeswahlleiter unterstützt das DVV-Projekt ausdrücklich und hat die Übungen geprüft.

Die Volkshochschulen vor Ort stehen Wählerinnen und Wählern mit mangelnder Lesekompetenz ebenfalls zur Seite: Menschen, die in ihrem persönlichen Umfeld niemanden haben, der ihnen hilft, Briefwahlunterlagen zu beantragen, können sich vertrauensvoll an ihre VHS wenden. „Dort erhalten sie unbürokratisch, schnell und natürlich kostenlos Unterstützung.

Auch in den Alphabetisierungskursen bereiten wir die Lernenden auf die Wahl vor“, erläutert der DVV-Vorsitzende Dr. Ernst Dieter Rossmann. „Diese Aktion zeigt: Die Volkshochschulen haben den Anspruch, jedem Menschen eine zweite oder auch dritte Chance einzuräumen. Sie bringen Analphabeten nicht ‚nur’ Lesen, Schreiben und Rechnen bei, sondern sie helfen ihnen, sich auch politisch in die Gesellschaft zu integrieren.“ Weitere große Anstrengungen seien nötig, um diese Misere in den Griff zu bekommen, betont auch DVV-Präsidentin Süssmuth: „Ziel der nächsten Bundesregierung muss es sein, die Zahl der Analphabeten deutlich zu reduzieren. Entsprechende Aufklärungskampagnen und die vielen zusätzlich gebrauchten VHS-Kurse sind unverzichtbar und brauchen finanzielle Unterstützung“, sagt sie und appelliert an die Mitglieder des Bundestages, die Problematik so ernst zu nehmen wie die Ergebnisse der PISA-Studie: „Ein gutes Zeichen wäre es zum Beispiel, eine Anhörung von Betroffenen und Experten im Deutschen Bundestag durchzuführen, damit die Politik dieser Problematik bürgernahe Aufmerksamkeit zeigt.“

Der Deutsche Volkshochschul-Verband ist die bildungs- und verbandspolitische Vertretung der Volkshochschulen und der VHS-Landesverbände auf Bundes- und europäischer Ebene. Hinter ihm stehen die rund 1000 Volkshochschulen in Deutschland.

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