Fulda. Die Zahl der Existenzgründungen im Handwerk in der Region Fulda stagniert und hat sich bei ca. 150 eingependelt, wobei ein nicht unerheblicher Anteil davon Betriebsübernahmen sind. Der vorübergehende Boom auf die seit 2004 nicht mehr zulassungspflichtigen Berufe wie z.B. Fliesen-, Parkett- oder Estrichleger hat sich wieder gelegt. Obwohl nur noch in 41 von insgesamt 151 Handwerksberufen der Meisterbrief oder eine vergleichbar Qualifikation als Voraussetzung für die Selbständigkeit erforderlich ist, erfolgt etwa die Hälfte der Existenzgründungen im Handwerk in den zulassungspflichtigen Berufen.
Und selbst in den Berufen ohne Meisterpflicht verfügt immer noch ein Großteil der Existenzgründer freiwillig über den Meisterbrief. Dies bestätigt nach Meinung der Kreishandwerkerschaft das hohe Ansehen dieser Qualifikation bei einer breiten Bevölkerungsmehrheit. Viele selbständige Handwerker sehen deshalb auch ohne gesetzliche Pflicht den Meisterbrief als eine notwendige Voraussetzung für ihre Selbständigkeit an.
Untersuchungen zeigen, dass bei Existenzgründungen mit Meisterbrief fünf Jahre später noch 80% der Betriebe am Markt sind, bei den meisterfreien Gewerken sind es dagegen nur noch 65%. Hier fehlt es dann offensichtlich doch häufiger an der erforderlichen Qualifikation, wie sie durch die Meisterprüfung gewährleistet wird. Und häufig werden in den Berufen ohne Meisterpflicht auch Betriebe gegründet, die auf Dauer keine Vollexistenz ermöglichen. Von den insgesamt 2000 Handwerkbetrieben und etwa 300 handwerksähnlichen Betrieben in der Region Fulda gehen jährlich deutlich weniger als 1 Prozent in die Insolvenz, ein Wert, der erfreulich niedrig ist.
Alles in allem stellt sich also die Lage im Handwerk auch aus Sicht der Existenzgründungen als außerordentlich robust dar. Wer sich im Handwerk selbstständig macht, geht ein signifikant niedrigeres Risiko ein, zu scheitern. Dennoch sieht die Kreishandwerkerschaft Fulda für die Zukunft einen wachsenden Bedarf an Existenzgründerberatung. Denn eine steigende Zahl an betriebswirtschaftlich gesunden Handwerksbetrieben steht in den nächsten Jahren zur Übernahme an, weil es keine Nachfolger gibt. Hier geht es um mehr als eben mal Existenzgründer und Betrieb zusammen zu bringen und vielleicht mal schnell einen Business-Plan zu erstellen. Hier geht es um Bestandssicherung und um den Erhalt von Arbeitsplätzen. Dies kann nur eine dauerhafte betriebswirtschaftliche Begleitung leisten, die einem jungen Meister, der den Weg in die Selbständigkeit gewählt hat, eine langfristige wirtschaftliche Sicherheit bietet. Und hier geht es natürlich auch um die kompetente Beratung desjenigen, der seinen Betrieb abgeben möchte.
Ein weiteres Problem sieht die Kreishandwerkerschaft in der zunehmenden Aushöhlung des Meistertitels als Qualitätsmerkmal. Die Zahl der Neugründungen in den zulassungspflichtigen Handwerksberufen, die mittels Ausnahmegenehmigung ohne Meistertitel stattfindet, nimmt ständig zu. Der Meistertitel erleidet damit einen schleichenden Imageverlust, die ursprünglich synonyme Verwendung der Begriffe „Handwerksbetrieb“ und „Meisterbetrieb“ wird immer mehr ausgehöhlt und wird langfristig aus dem Alltagsgebrauch verschwinden. Die Gefahr besteht, dass in der Folge die Ausbildungsquote im Handwerk sinken wird. Denn viele Gründer ohne Qualifikation haben weder die Fähigkeit noch die Berechtigung oder gar das Interesse an einer Ausbildung von Lehrlingen. Damit ist ein Verlust an Humankapital zu befürchten, was auch Auswirkungen auf die Innovationsfähigkeit der Betriebe haben dürfte.