Written by 14:01 Alle Nachrichten, Kirche

„Trotz aller Not von Trost erfüllt…“ (2 Kor 7, 4) von Bischof Heinz Josef Algermissen

Fulda. „Es ist nicht schön, alt zu werden.“ Das hört man oft. Darin drücken sich harte Erfahrungen aus: Gebrechen nehmen zu, die Rente ist gering, Einsamkeit wächst. Für viele ist das Alter eine Last, vor allem, wenn sie es mit den Möglichkeiten jüngerer Jahre vergleichen.

Der Apostel Paulus empfindet seltsam anders. Auch er ist im Seniorenalter, mit ungewisser Zukunft eingesperrt, hat unsägliche körperliche Strapazen hinter sich, die er stets spürt. Und empfindet dennoch Trost und tiefe Freude: „Gepriesen sei der Gott und Vater Jesu Christi, unseres Herrn, der Vater des Erbarmens und der Gott allen Trostes. Er tröstet uns in all unserer Not, damit auch wir die Kraft haben, alle zu trösten, die in Not sind, durch den Trost, mit dem auch wir von Gott getröstet werden. Wie uns nämlich die Leiden Christi überreich zuteil geworden sind, so wird uns durch Christus auch überreicher Trost zuteil“ (2 Kor 1, 3-5).

Was ist sein Geheimnis? Er ist nicht fixiert darauf, was er alles nicht mehr hat, sondern schaut auf das Positive, das er sich vor Augen hält: Seine ganze Lebensleistung, auf die er stolz sein darf, die erfüllte Pflicht und vor allem die tiefe Geborgenheit in Gott, die ihm niemand nehmen kann. Paulus schaut nicht traurig nach hinten, sondern zuversichtlich nach vorn, über den Tod hinaus. Das Leben ist nicht vorbei. Da wartet noch etwas Aufregendes: das ewige Hochzeitsfest bei Gott.

Der unvergessene Papst Johannes Paul II. hat am 1. Oktober 1999 einen Brief an die alten Menschen geschrieben. Selbst bereits hoch betagt weiß er, wovon er spricht. Im Licht all der pessimistischen Äußerungen über Alter und Älterwerden erinnert er an die hoffnungsvolle Aussicht, die von der Offenbarung insgesamt und besonders vom Evangelium ausgeht: „Gott ist kein Gott von Toten, sondern von Lebenden (Lk 20, 38). Der Apostel Paulus bezeugt, daß der Gott, der die Toten lebendig macht (vgl. Röm 4, 17), auch unseren sterblichen Leib lebendig machen wird (vgl. ebd., 8, 11). Und Jesus sagt von sich selbst: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben… (Joh 11, 25f). In Christus wird der Tod als dramatische und bestürzende Realität freigekauft und gewandelt, um das Gesicht eines ‚Bruders’ anzunehmen, der uns in die Arme des Vaters führt“ (Johannes Paul II., Brief an die alten Menschen, Nr. 15).
Der Brief endet in einem Gebet: „Wenn wir nach langer Suche dir, o Herr des Lebens, begegnen, werden wir jeden echten Wert wieder finden, den wir hier auf Erden erfahren haben. Auch werden wir all jene wieder treffen, die uns vorausgegangen sind im Zeichen des Glaubens und der Hoffnung“ (Nr. 18).

Visited 1 times, 1 visit(s) today
Close