Fulda. Der Landkreis Fulda will die Kundenorientierung im Zulassungs- und Führerscheinwesen weiter ausbauen. Aus diesem Grund zieht die Straßenverkehrsbehörde in einen Neubau um, der in direkter Nachbarschaft zum geplanten Servicecenter des TÜV Hessen in der Kreuzbergstraße errichtet wird und verkehrstechnisch sehr günstig gelegen ist. Bislang war die Straßenverkehrsbehörde in einem aus den dreißiger Jahren stammenden Gebäude am Gerloser Weg gegenüber dem Herz-Jesu-Krankenhaus untergebracht.
Die Kooperation zwischen dem Landkreis Fulda und dem TÜV Hessen hat hessenweit Modellcharakter. Landrat Bernd Woide und Erster Kreisbeigeordneter Dr. Heiko Wingenfeld erläuterten bei einer Pressekonferenz im Kreishaus die Überlegungen, die zur Neustrukturierung der Straßenverkehrsbehörde geführt haben, und stellten gemeinsam mit Dr. Wolfgang Gehrke und Uwe Schilling vom TÜV Hessen die aktuellen Planungen vor. Oberbürgermeister Gerhard Möller nahm aus Sicht der Stadt Fulda Stellung zu den Bauvorhaben.
Moderner Zweckbau
Die weitere Nutzung des Gebäudes am Gerloser Weg durch die Straßenverkehrsbehörde ist nicht sinnvoll, da die räumlichen Verhältnisse sehr beengt sind und den Anforderungen eines modernen Dienstleistungsunternehmens im Hinblick auf Servicequalität und Kundenfreundlichkeit nicht mehr genügen. Darüber hinaus entwickelt sich die Straßenverkehrsbehörde am bisherigen Standort zum städtebaulichen Fremdkörper. In unmittelbarer Nähe zum Krankenhaus sollen dort Gesundheitseinrichtungen und ein Seniorenheim entstehen.
Der Landkreis möchte die Immobilie jetzt veräußern, wobei Landrat Woide eine weitere Nutzung für Zwecke der Gesundheitsversorgung eindeutig bevorzugen würde. Für geschätzte Kosten von rund 3,3 Millionen Euro soll auf dem ehemaligen Speditionsgelände in der Kreuzbergstraße mit optimaler Anbindung an die B 27, das bislang von einem Paketdienst angemietet war, die neue Straßenverkehrsbehörde errichtet werden. Die Planungen sehen einen modernen und gleichermaßen schlichten wie funktionalen Zweckbau vor.
Mit den Abrissarbeiten des Gebäudes in der Kreuzbergstraße soll nach Möglichkeit noch in diesem Jahr begonnen werden, der Umzug der Straßenverkehrsbehörde ist dann für Ende 2010/Anfang 2011 geplant. Ins Obergeschoss wird die Verkehrsbehörde einziehen, Zulassungs- und Führerscheinstelle werden in zwei Großraumbüros im Erdgeschoss untergebracht. Eine Infotheke und ein großer Wartebereich werden sich direkt beim zentralen Eingang befinden, wodurch die Kundenorientierung deutlich verbessert wird.
Synergieeffekte nutzen
Auch der TÜV, dessen technisch veraltete Prüfstelle bislang in der Leipziger Straße angesiedelt ist, wird umziehen und direkt neben der Kreisverkehrsbehörde einen modernen Servicecenter errichten. Rund zwei Millionen Euro will sich der TÜV Hessen sein neues Domizil in Fulda kosten lassen. Von dem insgesamt 10.000 Quadratmeter großen Areal erwirbt der Landkreis etwa 4.000 Quadratmeter, für den TÜV stehen rund 3.500 Quadratmeter zur Verfügung und auf dem Rest erweitert die Firma Ford Sorg ihr Betriebsgelände.
Straßenverkehrsbehörde und TÜV können durch die räumliche Nähe künftig besser zusammenarbeiten und versprechen sich hiervon Synergieeffekte im Hinblick auf Bürgerfreundlichkeit und Wirtschaftlichkeit zum Beispiel durch die gemeinsame Nutzung von Parkplätzen, Zufahrtswegen oder Versorgungseinrichtungen. Es wird in Zukunft nicht mehr notwendig sein, in Fahrzeugangelegenheiten verschiedene Standorte aufzusuchen. Auch ist die gute Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Vorteil für Führerschein-Neulinge.
Visitenkarte für Landkreis
Landrat Woide bezeichnete gerade die Zulassungsstelle als „Visitenkarte für den Landkreis“, weil es hier regelmäßige Kontakte mit der Bevölkerung gebe. Gemeinsam mit dem TÜV werde ein Verkehrsdienstleistungszentrum geschaffen, das wegen der Bündelungsfunktion der Straßenverkehrsbehörde für spezielle Fahrzeugzulassungen im gesamten nordhessi-schen Raum über die Region hinaus wirke. Nach den Worten von Geschäftsführer Dr. Gehrke entstehe ein „richtiges Autozentrum“ mit vielen Vorteilen für die Bürger.
Oberbürgermeister Möller betonte, dass mit dem Umzug der Straßenverkehrsbehörde eine städtebauliche Aufwertung am bisherigen Standort verbunden sei. Auch würden die vorgesehenen Investitionen in der Kreuzbergstraße den Stellenwert des Oberzentrums Fulda weiter erhöhen. Erster Kreisbeigeordneter Dr. Wingenfeld sprach von einer zukunftsgerichteten Infrastrukturentscheidung, die ganz neue Möglichkeiten „im Bereich des online-Geschäfts“ ebenso wie bei der Übernahme zusätzlicher überregionaler Aufgaben eröffne.