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Der Arbeitsmarkt im April Guter Start ins zweite Quartal

Der hessische Arbeitsmarkt zeigte sich im April unverändert stabil. Das zweite Quartal startete dynamisch und robust. Die Arbeitslosenzahlen und –quoten liegen konstant unter den Vorjahreswerten. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung und die Arbeitskräftenachfrage befinden sich weiterhin in einem Aufwärtstrend.

Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen, sieht den hessischen Arbeitsmarkt auch für das zweite Quartal 2017 gut aufgestellt.

„Die Arbeitslosenquote ist die niedrigste in einem April seit 26 Jahren. Die Arbeitskräftenachfrage ist konstant hoch und die Betriebe melden den Agenturen für Arbeit durchgängig neue Vakanzen. Das hat über die Monate zu einem Bestand von derzeit über 50.000 offenen Stellen geführt. Vor allem die etwa 9.000 Helferstellen bieten auch Langzeitarbeitslosen gute Einstiegsmöglichkeiten, zudem sind knapp 70 Prozent aller gemeldeten Stellen außerhalb der Zeitarbeit. Dies signalisiert die Bereitschaft der Betriebe, sich längerfristig zu binden und auf diesem Weg Fachkräfteengpässen vorzubeugen“, so Martin.

Aktuell sind etwa 50.600 Stellen bei den hessischen Agenturen und Jobcentern zur Besetzung gemeldet, ein Zuwachs von fast 2.700 Stellen oder 5,6 Prozent zum Vorjahr. Folgende Branchen stehen dabei an der Spitze: Forschung und Entwicklung (+113 Stellen = 152,7%); Verwaltung und Führung von Unternehmen (+692 Stellen = +34,1%), Information und Kommunikation (+225 Stellen = +39,1%), Gebäudebetreuung, Garten- und Landschaftsbau (+345 Stellen = +29,8%), Baugewerbe (+328 Stellen = +14,5%).
Der monatliche Zugang lag mit 14.302 um 591 (+4,3 Prozent) über dem Vorjahresergebnis.

„Der Mythos, bei den Agenturen gebe es ausschließlich Zeitarbeits- und Helferjobs ist damit klar widerlegt“, ergänzt Martin.

Im Bestand der Agenturen für Arbeit befanden sich im Monat April rund 32.600 Stellen für Fachkräfte, 9.000 Helferstellen sowie rund 4.200 Vakanzen für Spezialisten und etwa 4.700 Stellen für Experten.

Arbeitslosigkeit in Hessen: Entwicklung im April

Im April waren 168.683 Frauen und Männer in Hessen arbeitslos. Das waren 3.151 (-1,8 Prozent) weniger als im März und 7.323 (-4,2 Prozent) weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote sank um 0,1 Prozentpunkte auf 5,1 Prozent. Im Vorjahresmonat lag die Quote noch bei 5,4 Prozent. Saisonbereinigt ergab sich zum Vormonat eine Veränderung um 1.000, zum Vorjahr ging die Zahl um 7.000 zurück.

Vom Rückgang der Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vormonat konnten wiederholt alle betrachteten Personengruppen profitieren. Den stärksten Rückgang verzeichnete die Gruppe der Jugendlichen unter 25 Jahren -3,8 Prozent gefolgt von den Männern: -2,8 Prozent. Weitere Personengruppen 50 Jahre und älter: -1,8 Prozent; Langzeitarbeitslose:
-1,6 Prozent; Frauen: -0,6 Prozent; Ausländer: – 0,6 Prozent.

Zum Vorjahresmonat unverändert blieb der Anstieg der Ausländer (+5,1 Prozent) und der arbeitslosen Jugendlichen (+2,5 Prozent) bestehen. Alle anderen Personengruppen zeigen rückläufige Arbeitslosenzahlen: Langzeitarbeitslose -8,0 Prozent; Ältere: -6,8 Prozent; Frauen: -5,2 Prozent; Männer: -3,3 Prozent.

Die Unterbeschäftigung, die auch Personen in entlastenden arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen und in kurzfristiger Arbeitsunfähigkeit mitzählt, belief sich im April auf 234.250 Personen. Das waren 3.747 (+1,6 Prozent) mehr als vor einem Jahr. Die Differenz zur Arbeitslosenentwicklung erklärt sich insbesondere durch deutlich gestiegene Förderaktivitäten der Agenturen und Jobcenter, nicht zuletzt aufgrund der erheblichen Investitionen beispielsweise in Sprach- und Orientierungskurse für Menschen mit Fluchthintergrund.

Entwicklung in den Rechtskreisen: Belebung des Arbeitsmarktes betrifft derzeit insbesondere SGB III-Empfänger

Im März sank die Zahl der arbeitslosen Menschen im Rechtskreis SGB III (Arbeitslosenversicherung) nochmals und lag bei 55.955. Das sind -4,2 Prozent weniger im Vergleich zum Vormonat und +4,4 Prozent mehr im Vergleich zum Vorjahr. 33,2 Prozent aller Arbeitslosen in Hessen entfielen somit auf den Rechtskreis SGB III, 66,8 Prozent aller Arbeitslosen wurden dem Rechtskreis SGB II (Grundsicherung) zugerechnet.
Die Zahl der Menschen, die Leistungen aus der Grundsicherung erhielten, sank im März lediglich um -0,6 Prozent auf insgesamt 112.728 und somit auf -7,9 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Von der noch anhaltenden Frühjahrsbelebung des hessischen Arbeitsmarktes konnten Arbeitslosengeld II – Empfänger (Grundsicherung) wenig profitieren.

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung: Wachstum leicht besser als im Bund

Der hochgerechnete, vorläufige Wert der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung lag für den Monat Februar 2017 bei 2.499.700. Mit einem Anstieg um 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr liegt Hessen somit leicht über dem Bund und Westdeutschland mit einem Anstieg von 2,3 Prozent. Den größten prozentualen Anstieg gab es im Februar in den Wirtschaftszweigen Baugewerbe, Arbeitnehmerüberlassung, Heime und Sozialwesen sowie Information und Kommunikation. Die meisten Beschäftigten gab es in Hessen in den Wirtschaftszweigen Verarbeitendes Gewerbe (447.800), Handel (341.700) sowie dem Bereich Immobilien, freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen (221.800).

Regionen: Fulda kehrt zurück auf 3,0 Prozent

Der April ließ die Arbeitslosenquote im Landkreis Fulda wieder auf die 3,0 Prozent-Marke zurückfallen. Die Stadt Offenbach blieb die Kommune mit der höchsten Arbeitslosenquote (10,0 Prozent).
Die Arbeitslosenquoten der Regierungsbezirke Kassel, Gießen und Darmstadt verteilen sich folgendermaßen: Kassel 4,9 Prozent, Gießen 5,0 Prozent, Darmstadt 5,2 Prozent.
Im Vergleich der 26 Kreise und kreisfreien Städte stieg die Arbeitslosigkeit zum Vorjahr in sechs Kreisen an, am stärksten im Kreis Darmstadt-Dieburg (+9,2 Prozent). Den prozentual stärksten Rückgang gab es mit 10,4 Prozent im Kreis Groß-Gerau.

Flüchtlinge: 8,4 Prozent aller Arbeitslosen haben einen Fluchthintergrund

Mittlerweile haben 14.144 Arbeitslose in Hessen einen Fluchthintergrund (europäische und nichteuropäische Asylzugangsländer). 12.685 davon kamen aus den nichteuropäischen Asylzugangsländern Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien.

Rund 4.200 Menschen mit einem Fluchthintergrund aus europäischen und nichteuropäischen Asylzugangsländern nahmen im Januar an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen teil.

Zum Stichtag 30.09.2016 lag die Gesamtzahl der Beschäftigten in Hessen aus den außereuropäischen Asyl-Zugangsländern bei 20.240, ein Anstieg um 25,7 Prozent zum Vorjahr.

Ausbildungsmarkt: Über die Hälfte der Stellen noch nicht besetzt

Bis jetzt meldeten die hessischen Betriebe 444 Lehrstellen (+1,5 Prozent) mehr als im Vorjahreszeitraum und somit 31.053. Gleichzeitig stieg die Zahl der unbesetzten Lehrstellen um 325 (+1,8 Prozent) auf 17.908. Die Zahl der Bewerber stieg im Vergleich zum Vorjahr um 1.353 (+4,1 Prozent) auf 33.965 deutlich an. Als unversorgt zählten zum Stichtag 18.068 Bewerber und Bewerberinnen. Das waren lediglich 17 (+0,1 Prozent) mehr als im Vorjahr.

„Wie die Zahlen zeigen, kommen Bewerber/innen und Ausbildungsbetriebe immer schwerer zusammen. Bis jetzt ist über die Hälfte der gemeldeten Lehrstellen noch unbesetzt. Die Gründe hierfür können unterschiedlich sein. Oftmals liegt es an der fehlenden Mobilität und der unzureichenden beiderseitigen Flexibilität in Bezug auf Wunschberuf und Wunschbewerber. Gleichzeitig gilt es, geflüchteten Jugendlichen und ausbildenden Betrieben eine größere Sicherheit zu geben: Eine Abschiebung während sowie unmittelbar vor der Ausbildung muss vermieden werden. Eine bundesweit einheitliche Handhabung der 3 plus 2-Regelung wäre ein erster Schritt und im Interesse der oft verunsicherten Betriebe“, so Frank Martin.

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