„Acht Kilobyte Hauptspeicher!“ Walter Breitung wiederholt die Zahl mit einem Schmunzeln, so ungemein winzig mutet sie im heutigen IT-Zeitalter an, in der Festplatten mit Terabyte-Kapazitäten zur Normalität gehören.
In den siebziger Jahren war von Computertechnologie in der Kreisverwaltung noch weit und breit nichts zu sehen. Eine Buchhaltungsmaschine mit Magnetkarten und besagtem acht Kilobyte großen Hauptspeicher war das einzige Gerät, das die Arbeit ein wenig vereinfachte. Anfang der achtziger Jahre erfolgte die Anbindung an das kommunale Gebietsrechenzentrum, „das war für viele Jahre aber auch die einzige Entwicklung im IT-Bereich“, erinnert sich Breitung, der damals noch in der Finanzabteilung des Kreishauses tätig war.
Der ehemalige Erste Kreisbeigeordnete und spätere Fuldaer Oberbürgermeister Gerhard Möller habe schließlich die Tore für die Anfänge der Elektronischen Datenverarbeitung geöffnet. „Die Finanzplanung war extrem kompliziert“, blickt Breitung zurück. Der erste PC diente deshalb dazu, mit Hilfe eines einfachen Programms den Haushaltsplan zu berechnen. Mehr als eine Stunde benötigte der Rechner dafür – ausgestattet mit einer 30 Megabyte großen Festplatte stellte diese immer noch freie Ressourcen zur Verfügung. Zum Vergleich: Ein einziges Foto im RAW-Format einer digitalen Spiegelreflexkamera würde heute ausreichen, um das damalige Speichervolumen zu erschöpfen.
Im Laufe der Zeit wurden die Ansprüche größer. Erstes Etappenziel: 33 PC-Arbeitsplätze sollten eingerichtet werden. „Das war eine gewaltige Herausforderung“, so Breitung, der bis zu seiner Pensionierung vor wenigen Tagen als Leiter der IT-Abteilung in alle wichtigen Entscheidungen involviert war. Aus 33 Geräten, die an ein Unix-System eingebunden waren, wurden noch im selben Jahr 128, wenig später kletterte die Zahl auf 256.
„1989/90 begann damit bei uns eine neue Zeitrechnung“, erzählt Breitung. Die Deponie in Kalbach beispielsweise erhielt einen eigenen Unix-Rechner für die Frakturierung der Müllanlieferungen. Aufgrund der immer komplexeren und vielfältigeren Aufgaben entstand nach und nach eine eigene EDV-Abteilung in der Kreisverwaltung. Im Landratsamt wurden in den Folgejahren weitere Server installiert. „Die Entwicklung war fortan rasend“, so Breitung. Den Bedienkomfort für die Mitarbeiter steigerten erste Windows-Rechner mit dem Betriebssystem Windows 3.0, das im Mai 1990 veröffentlicht wurde.
Mittlerweile kümmern sich zwölf Kollegen ausschließlich um die IT. Allein für den Pädagogikbereich in den Schulen des Landkreises kommen rund 3.500 Computer zum Einsatz, dazu werkeln etwa 400 Rechner in der Schul- und rund 900 PCs in der Kreisverwaltung, auf denen mehr als 100 Fachapplikationen laufen. Umstellungen auf das Jahr 2000 oder auf den Euro verliefen ohne Probleme. Als „faszinierend“ und „tolle Innovation“ bezeichnet Walter Breitung die Einführung des Internets. Plötzlich habe sich ein zusätzliches Fenster in die Welt geöffnet.
Von elementarer Bedeutung ist dem Petersberger zufolge heute der Datenschutz. Die Vorgaben seien strikt, das EU-Recht verbiete vieles im Umgang mit persönlichen Daten. Ein Großteil der Akten ist mittlerweile digitalisiert. Das gesamte Sozialamt etwa arbeitet ohne Papier. Aktuell findet eine vollständige Digitalisierung der Ausländerbehörde statt.
„Natürlich bleiben auch wir nicht vor Spam und Cyberangriffen verschont“, geht Breitung auf die Gefahren durch externe Angreifer ein. Allerdings habe es bisher keine größeren Ausfälle gegeben. Für maximale Sicherheit laufen im Landratsamt mehrere Virenscanner verschiedener Hersteller, die vielfach jeden Tag aktualisiert würden. Im Notfall können Daten wieder auf die Minute genau rekonstruiert werden. Backups werden gleichzeitig an verschiedenen Orten erstellt. Zudem setzen die Experten zusätzlich auf eine klassische Bandsicherung. Auf den einzelnen Rechnern werden keine Daten mehr gesammelt.
„Daten sind unser wichtigstes Gut. Hardware können wir jederzeit neu kaufen, Daten nicht“, erklärt Breitung die oberste Maxime. Mitarbeiter, die von zu Hause aus arbeiten, dürfen keine Papierakten aus der Verwaltung mitnehmen. Sie genießen die Vorteile der elektronischen Akte. Auch die Schulleitungen schätzen inzwischen die gute Vernetzung. Vertretungspläne können sie beispielsweise ganz bequem vom Schreibtisch in den eigenen vier Wänden aus aktualisieren, ohne erst den Weg in die Schule antreten zu müssen. Das spart enorm viel Zeit.
Im Ernstfall kann der Serverraum durch Batterien und Notstromsysteme ohne Strom betrieben werden. Der Katastrophenschutz gehört schließlich zur Kreisverwaltung dazu. In Bedrohungslagen muss deshalb sichergestellt sein, dass der Krisenstab arbeiten kann und Zugriff auf elementare Daten besteht. Als wichtige Zukunftsthemen sieht Breitung den immer beliebter werdenden Trend „Smart Home“, also die Möglichkeit, Geräte des Alltags – wie zum Beispiel Heizungen – zu vernetzen und so auch aus der Ferne zu steuern, sowie die vollständige Digitalisierung der Papierakten.
Mit 65 Jahren hat sich Walter Breitung in den Ruhestand verabschiedet. Dabei galt für ihn stets die Vorgabe: „IT ist Teamarbeit und nicht die Sache eines einzelnen.“ Ganz egal, ob die Rechner mit acht Kilobyte oder mit acht Terabyte ausgestattet sind.