Zehn Rettungswachen, vier Notarztstandorte, eine Leitstelle – so lautet die Kurzformel der hiesigen Rettungsdienststruktur. Tatsächlich verbirgt sich hinter den nüchternen Zahlen und den verschiedenen Einrichtungen ein komplexes Gebilde aus Zahnrädern, die wie geschmiert ineinandergreifen müssen. Denn wenn Menschen im Notfall auf medizinische Hilfe angewiesen sind, zählt oft jede Minute.
Als Rettungsdienstträger ist der Landkreis Fulda dafür verantwortlich, dass die Notfallversorgung nicht nur flächendeckend sichergestellt wird, sondern auch innerhalb einer vorgegeben Frist erfolgt: In neun von zehn Notfällen sollen ein Rettungswagen in der Regel innerhalb von zehn Minuten und ein Notarzt innerhalb von 15 Minuten am Einsatzort sein. Verankert sind die Fristen im hessischen Rettungsdienstgesetz. Dass dieses Gesetz und dessen Durchführungsverordnung umgesetzt werden, dafür sorgt der Landkreis mit seinem Fachdienst Gefahrenabwehr. Im vergangenen Jahr wurde die 90-Prozent-Zielmarke bei den vorgeschriebenen Hilfsfristen im Landkreis Fulda nur ganz knapp verfehlt.
„Unser Erreichungsgrad lag in 2016 bei 87 Prozent, das ist schon gut“, sagt Fachdienstleiter Frank Reith, der sich täglich mit der Leitstellen-Statistik des Vortags auseinandersetzt und den daraus abzuleitenden Handlungsbedarf in zukünftige Planungen einfließen lässt. „Wir schauen uns genau an, ob und wie schnell ein Rettungswagen zur Einsatzstelle ausrückt. Wir berücksichtigen die Bevölkerungsdichte in einem bestimmten Umkreis, und wir prüfen, zu welchem Zeitpunkt die meisten Einsätze stattfinden. Da der Landkreis für die Planung der Rettungswachen, die Ausstattung der Fahrzeuge sowie für die Fort- und Weiterbildung im Rettungsdienst zuständig ist, liefern statistische Auswertungen, die über einen längeren Zeitraum betrachtet werden, unter anderem die Grundlage für Standortentscheidungen“, so Reith.
Rettungswachen befinden sich in Fulda-Neuenberg, am Klinikum Fulda, in Petersberg, Großenlüder-Kleinlüder, Neuhof, Gersfeld, Tann-Lahrbach, Hünfeld, Eiterfeld-Leibolz und Hofbieber. Notarztstandorte sind am Klinikum Fulda, an der Feuerwache St. Florian in Fulda, an der Helios-Klinik in Hünfeld sowie in Hilders-Dietges. Die Leitstelle Fulda ist bei der Feuerwache An St. Florian in Fulda angesiedelt. Dort gehen alle Notrufe ein, die unter der Telefonnummer 112 abgesetzt werden, und hier wird auch entschieden, wer alarmiert wird und welches Rettungsmittel zum Einsatz kommt. „Dafür gibt es vier verschiedene Einsatzstichworte. Der Buchstabe K bedeutet qualifizierter Krankentransport, R 0 heißt Notfalleinsatz ohne und R 2 steht für Notfalleinsatz mit Notarztsystem, denn bei diesem Einsatz geht es um eine akut lebensbedrohliche Situation“, erklärt Frank Reith.
Die an den Rettungswachen stationierten Mehrzweckfahrzeuge können laut Reith sowohl für Krankentransporte als auch für Notfalleinsätze genutzt werden. Besetzt sind sie üblicherweise mit einem Rettungssanitäter und einem Rettungsassistenten oder Notfallsanitäter. Das Notarzteinsatzfahrzeug wird neben einem Notarzt durch eine qualifizierte Person aus dem Rettungsdienst besetzt. Erbracht werden die rettungsdienstlichen Leistungen im Landkreis vom DRK Fulda, dem DRK Hünfeld sowie dem Malteser Hilfsdienst, der Feuerwehr der Stadt Fulda sowie dem Klinikum Fulda und dem ADAC für die Luftrettung. Als Rettungsdienstträger beauftragt der Landkreis die Leistungserbringer, deren Finanzierung erfolgt über die Kostenträger.
Die Zahl der Einsätze ist nach Angaben von Frank Reith in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Waren es in 2014 noch insgesamt 33.690 Einsätze, so hat sich die Zahl in 2015 auf 34.951 erhöht. Im letzten Jahr wurden 36.078 Einsätze registriert. Die Ursache sieht der Fachdienstleiter nicht nur im demografischen Wandel oder in strukturellen Herausforderungen, sondern vor allem in einem veränderten Patientenverhalten. Die Patienten, so Reith, würden den Rettungsdienst schlichtweg immer häufiger auch bei Bagatellverletzungen rufen, anstatt den klassischen Weg zum Hausarzt zu nehmen oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst zu kontaktieren.

