Written by 9:36 Alle Nachrichten

Behinderte und nichtbehinderte Sportler gemeinsam am Start

Eine Neuerung bieten die Wildwasserabfahrtsrennen des Kanu-Clubs-Fulda am 18. und 19. März auf der oberen Fulda. Erstmals findet im Rahmen der traditionsreichen Veranstaltung ein Wettbewerb für Kanuten mit geistiger Behinderung statt. Sie müssen eine etwas entschärfte Strecke bewältigen, die aber länger als die normale Sprintdistanz ist. Gemeinsam mit den behinderten Sportlern werden Freizeit-und Wanderkanuten am Start sein. Der Kanu-Klub Fulda möchte durch dieses Angebot nach Aussage seines Ersten Vorsitzenden Dr. Nobert Gescher einen Beitrag zur gelebten Inklusion leisten.

Schon seit über zehn Jahren gibt es eine Gruppe von zirka zwanzig behinderten Menschen, die regelmäßig beim Kanu-Club-Fulda trainieren und Mitglied im Verein sind. Bei der überwiegenden Mehrzahl handelt es sich um Bewohner von Einrichtungen der Lebensgemeinschaft Sassen/Richthof im benachbarten Vogelsbergkreis. Einige kommen auch von Antonius – Netzwerk Mensch. Zudem gehört ein Schüler der Pestalozzischule zu der kontinuierlich wachsenden Gruppe, die von Johannes Halbig und Mose Trogina betreut wird. Die mittlerweile drei Übungsleiter stellt der Kanu-Club. Trainiert wird während der Wintermonate im Sportbad Ziehers und in der Turnhalle von Antonius – Netzwerk Mensch. Nach Ostern findet das Training dann wieder im Freien statt.

Die Übungsstunden dienen vor allem der Vorbereitung auf die Teilnahme an den „Special Olympics“-Wettbewerben, die in den verschiedenen Sportarten – darunter auch Kanu – auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene ausgetragen werden. (Für Athleten mit körperlicher Behinderung gibt es die vielleicht bekannteren „Paraolympics“.) Sportliches Aushängeschild der Fuldaer Gruppe ist der 29-jährige Andre Walter, der auf dem Richthof lebt und bei den letzten Weltspielen für Menschen mit geistiger Behinderung 2016 in Los Angeles mit einem deutschen Mannschaftskollegen die Silbermedaille im Zweierkajak errungen hat. Für diese und weitere herausragende Leistungen wurde er bei der letzten Sportlerehrung der Stadt Fulda als Sportler des Jahres ausgezeichnet.

Andre Walter schätzt am Kanusport vor allem die besondere Nähe zum Wasser und das intensive Naturerlebnis. Seit zwei Jahren hat er mit dem 16-jährigen Jonas Plogstedt, der ebenfalls im Richthof zu Hause ist, einen nichtbehinderten „Unified“-Partner. Wegen einer Rückenverletzung muss er bis Mai pausieren, so dass er auch nicht am „Special Olympics“ in Fulda teilnehmen kann. Hingegen werden seine Trainingskollegen Martin Grinda, der als einziger die Eskimo-Rolle beherrscht, Tobias Weiland, Helmut Bäuml, Martin Wiegand, Eduard Pfeifle, Rene Walter und Diana Feifs an den Start gehen. Beim Kanu-Club hofft man, dass noch weitere Aktive – ob mit Handicp oder ohne – diesem Beispiel folgen und so das Jedermann-Rennen zu einem Inklusions-Event werden lassen.

Visited 2 times, 1 visit(s) today
Close