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Städtischer Konzertchor Winfridia bringt türkisches „Yunus Emre“-Oratorium zur Aufführung

Kontemplative Klangwogen und euphorischer Freudentaumel: Belohnt von minutenlagen Standing Ovations hat der Städtische Konzertchor Winfridia am vergangenen Sonntagabend sein Frühjahrskonzert im vollbesetzten Festsaal der Fuldaer Orangerie gegeben. Das musikalische Programm sah die Aufführung von Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie („Ode an die Freude“) sowie des „Yunus Emre-Oratoryosu“ Ahmed A. Sayguns vor. Beiden ist die Botschaft gemein: Die Kraft der Liebe, die alle Menschen miteinander verbindet, ist stärker als Unterschiede in Kultur oder Religion.

Gesangliche Brillanz
Ausdrucksstark interpretierten die Gesangssolisten des Konzertabends, Christina Rümann (Sopran), Anna Haase (Mezzosopran), Kerem Kürkcüoglu (Tenor) und Hinrich Horn (Bassbariton), die solistischen Passagen. Technisch überaus versiert und temperamentvoll in der Ausgestaltung führten sie das Publikum in Beethovens Sinfonie zum krönenden Ausruf „Alle Menschen werden Brüder“. In Sayguns Oratorium wurde die gesamte Bandbreite ihres gesanglichen Könnens hörbar, insbesondere in den treffend behutsam rezitierten Gebetspassagen.

Hinreißende Klangwelten
Dem künstlerischen Leiter der Winfridia, Dirigent und Chorleiter Carsten Rupp, gelang es, Chorgesang, Orchesterbegleitung (Thüringen Philharmonie Gotha) und Solisten gleichermaßen zur Geltung kommen zu lassen und als Klangkörper im Zusammenspiel zu halten. Im wechselvollen Ablauf des in Originalsprache aufgeführten Yunus Emre-Oratoriums baute sich unter der dynamischen Führung Rupps eine Klangwoge auf, die – unterbrochen von Sprecheinlagen und durchmischt von musikalischen Akzentverschiebungen – raumeinnehmend und mitreißend war.

Statement für Völkerverständigung und Menschlichkeit
Politisch wolle der Konzertabend nicht sein, betonte der Erste Vorsitzende der Winfridia, Maximilian Traut, zu Beginn des Programms. Allerdings setze er bewusst ein Zeichen gegen jede Form selbstbesessener Machtbestrebungen und für Menschlichkeit. Der türkische Generalkonsul in Frankfurt, Burak Kararti, verwies in seinem in Englisch gehaltenen Grußwort auf die verbindende Kraft der Musik, die über unterschiedliche Kulturen und Glaubenssysteme hinweg wirke. Sozialdemokratin Birgit Kömpel (MdB) trug ein Grußwort des Staatssekretärs für Europa im Auswärtigen Amt, Michael Roth, vor, das angesichts der aktuellen politischen Lage in der Türkei Demokratie, Rechtstaatlichkeit und Medienfreiheit anmahnte.

Interessierter Austausch, gemeinsamer Genuss
Der Wunsch, unterschiedliche Menschen zusammenzuführen, war nicht nur generelles Anliegen des Konzertabends, sondern wurde vor Ort auch direkt in die Tat umgesetzt. Alle Aktiven, Solisten, Chorsängerinnen und -sänger sowie Freunde und Förderer der Winfridia, waren im Anschluss an die Aufführung zum Empfang für die Ehrengäste geladen. Begleitet von türkischen kulinarischen Spezialitäten bestand reichlich Raum zum Austausch über die jüngsten Konzerteindrücke sowie die künstlerische Botschaft des Abends: Uns Menschen verbindet mehr, als uns trennt!

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