Im Sommer letzten Jahres ist die Beratungsstelle der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) nach 23 Jahren am Standort Alsfeld nach Fulda umgezogen. Im Zentrum Vital befindet sich eine von insgesamt vier DMSG-Beratungsstellen in ganz Hessen. Die Leiterin der Beratungsstelle, Diplom-Sozialarbeiterin Kerstin Springob, berichtet im Folgenden von den Erfahrungen am neuen Standort, den Leistungen der Beratungsstelle und den häufigsten Fragen, die bei der Diagnose „Multiple Sklerose“ auftauchen.
Wie sind die ersten Monate am neuen Standort verlaufen?
K. Springob: Die Beratungsstelle wird gut angenommen. Es kommen weitaus mehr Menschen zu uns, als dies in Alsfeld der Fall war. Wir sind sehr froh und dankbar, dass wir die neuen Räume mit Unterstützung des Landkreises Fulda gefunden haben und beziehen konnten.
Warum sind Sie umgezogen?
K. Springob: Unser Einzugsgebiet ist sehr groß. Wir sind für Betroffene im Landkreis und in der Stadt Fulda sowie in den Landkreisen Hersfeld-Rotenburg, Vogelsberg, Werra-Meißner, Waldeck-Frankenberg, Schwalm-Eder, Marburg-Biedenkopf und Lahn-Dill da. Die Beratungsstelle in Alsfeld war mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht gut erreichbar. In Fulda ist der Bahnhof nicht weit entfernt, die Bushaltestelle befindet sich quasi vor der Haustür, und wer mit dem Auto kommt und einen Rollstuhl benutzen muss, kann direkt mit dem Aufzug zur Beratungsstelle gelangen.
Bieten Sie auch Hausbesuche an? 
K. Springob: Ja, denn es gibt auch Personen, die schwerstpflegebedürftig und immobil sind. Diesen bieten wir Hausbesuche im gesamten Einzugsgebiet an. Und dienstags bieten wir zwischen 10 und 12 Uhr eine telefonische Beratung an.
Muss man Mitglied der DMSG sein, um beraten werden zu können? 
K. Springob: Wir haben ungefähr 780 Mitglieder, die wir beraten und betreuen. Es wenden sich aber auch Personen an uns, die nicht Mitglied in unserem Verein sind – auch diese werden von uns zunächst beraten. Allerdings ist auf längere Sicht eine Mitgliedschaft erwünscht. Unsere Arbeit finanziert sich über den Mitgliedsbeitrag, der bei 48 Euro im Jahr liegt, aber hauptsächlich über Spenden. Ohne die Unterstützung von Unternehmen, Einzelpersonen und auch Kleinspendern könnten wir diese Arbeit nicht durchführen.
Welche Leistungen erbringt die Beratungsstelle? 
K. Springob: Wir klären über das Krankheitsbild Multiple Sklerose und mögliche Therapieformen auf – verweisen in diesen Punkten aber auch immer auf den behandelnden Arzt. Darüber hinaus führen wir viele psychosoziale Beratungsgespräche und geben Hilfestellung bei sozialrechtlichen Fragen wie beispielsweise Widerspruchsverfahren. Wir beraten dabei immer im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe.
Können Sie das genauer erklären?
K. Springob: Sehr häufig geht es in den Beratungsgesprächen um das Annehmen der Diagnose, die Krankheitsverarbeitung oder auch um familiäre Aspekte. Eine chronische Erkrankung, insbesondere wenn sie zukunftsungewiss ist oder einen schwerwiegenden Verlauf nimmt, greift auch immer in das Familiensystem ein.
Was sind häufige Fragen? 
K. Springob: In den Familien besteht häufig eine gewisse Ungewissheit, wie man mit dem betroffenen Angehörigen umgehen soll. Es gibt viele MS-Patienten, denen man die Krankheit überhaupt nicht ansieht. Es sind häufig die sogenannten unsichtbaren Symptome der MS wie zum Beispiel das Fatigue-Syndrom – die starke Ermüdbarkeit –, die den Betroffenen das Leben sehr schwer machen. Für viele Angehörige, Arbeitgeber oder Arbeitskollegen sind einige Symptome der Krankheit überhaupt nicht nachvollziehbar. Daher leisten wir auch viel Aufklärungsarbeit.
Kontakt 
Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft, Landesverband Hessen e.V.
Beratungsstelle Fulda, Gerloser Weg 20, 36039 Fulda
Telefon (0661)9689300, E-Mail fulda@dmsg-hessen.de, www.dmsg-hessen.de