Am Freitag werden in den hessischen Schulen – also auch im Fuldaer Land – die Halbjahreszeugnisse ausgegeben. Für die Schülerinnen und Schüler der 4. Schuljahre sind diese zugleich auch Ausgangspunkt für die Beratungen der Eltern zum weiteren Bildungsgang ihrer Kinder am Ende des laufenden Schuljahres.
Christel Müller, Regionalverbandsvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung Hessen, und Schulleiterin einer Grundschule im Fuldaer Land, warnte davor, in eine „Übertritts-Hysterie“ zu verfallen: „Die Eltern wollen für ihr Kind das Beste und weil der Königsweg aus ihrer Sicht häufig der erfolgreiche Besuch eines Gymnasiums ist, wird der Rat der Grundschule nur allzu gern missachtet.“
Müller, die zugleich stellvertretende Landesvorsitzende des VBE ist, wies darauf hin, dass im Fuldaer Land alle Schulformen vertreten seien, selbst Hauptschulen, Gesamtschulen und Förderstufen seien noch im Angebot, sodass es keinen Anlass dafür gebe, Schülerinnen und Schüler zu überfordern. Dies gelte besonders für Spätentwickler.
„Hessens Schulen sind in keiner Form eine Einbahnstraße oder gar eine Sackgasse“, so Müller, weiter, „alle Abschlüsse, einschließlich des Abiturs, sind bei entsprechender Leistung über alle Schulformen erreichbar. Zudem ist – anders als z.B. in Bayern – ja der Übertritt in die Sekundarstufe I letztlich allein von der Elternentscheidung abhängig.“ Für diese Entscheidung sei ja Zeit bis Anfang März.
„Nehmen Sie die Beratung durch die Grundschule ernst“, riet Müller den Eltern, „die Grundschullehrkräfte kennen ihre Kinder sehr gut. Im Gespräch lassen sich meist Stärken und Schwächen einvernehmlich klarlegen, sodass eine verantwortliche Entscheidung möglich ist. Kindeswohl geht vor Familienprestige!“
Eltern fürchteten allerdings, dass die Gefahr der Arbeitslosigkeit steige, je niedriger der Schulabschluss ist. Mütter und Väter sollten trotzdem innehalten und sich vor Augen führen, dass heute schon die Zahl der Kinder steige, die wegen einer Überforderung ständige Nachhilfe bräuchten und teilweise sogar therapiebedürftig seien, warnte Müller.
Kinder seien das Wertvollste, was Eltern und eine Gesellschaft hätten. Der Nachwuchs von heute werde wahrscheinlich bis zum 70. Lebensjahr arbeiten müssen.
„Warum also die Hektik schon ganz am Anfang der Schulkarriere?“ fragte Christel Müller. „Mein erster Appell an alle Eltern lautet, Lern- und Arbeitsprozesse ihrer Kinder zu entschleunigen, wie es z.B. im Gymnasium beim Trend zum neunjährigen Gymnasium wieder stattfindet.
Eltern sollten sich immer fragen, wo hört meine Unterstützung auf und wo fängt sinnloser Druck an.“