Am 7. September diesen Jahres jährt sich zum 100. Mal der Todestag von Moritz Goldschmidt – ein geeigneter Anlass, wieder einmal an diesen Botaniker und sein Werk zu erinnern.
Als Sohn eines jüdischen Lehrers wurde er am 12. Oktober 1863 in Bischhausen bei Eschwege in Nordhessen geboren. Wie sein Vater, der als Lehrer in Völkerhausen bei Vacha tätig war, wurde Moritz Goldschmidt ebenfalls in diesem Beruf ausgebildet. Nach bestandener Prüfung und Probezeit an der jüdischen Schule in Geisa, erhielt er 1885 hier dann auch eine feste Anstellung. Während dieser Zeit lernte Goldschmidt den Geisaer Apotheker Adalbert Geheeb (1842-1909) kennen, der damals deutschlandweit zu den führenden Laubmoosforschern gehörte und Goldschmidt in die Botanik einführte.
Neben seiner Tätigkeit als Lehrer verschrieb sich Moritz Goldschmidt ganz der Botanik. Er pflegte Kontakt zu zahlreichen Pflanzenkennern und Berufsbotanikern. Zudem war er Mitglied in einer Reihe von botanischen Gesellschaften sowie im Rhönklub und im Verein für Naturkunde zu Fulda, dem Vorgängerverein des heutigen Vereins für Naturkunde Osthessen. Mit großer Hingabe, Geduld und Gewissenhaftigkeit widmete er sich der Erforschung der Rhöner Pflanzenwelt. Die dabei erzielten Ergebnisse dokumentierte er in seinem Hauptwerk „Flora des Rhöngebirges“, das von 1902 bis 1915 erschien.
Die darin enthaltenen Angaben zu den einzelnen Pflanzensippen sind sehr ausführlich und zeugen von einer großen Beobachtungsgabe und herausragender Kenntnis der Flora der Rhön. Das genannte Werk ist bis heute die einzige umfassende Darstellung zur Flora der Gesamtrhön, blieb aber leider unvollendet. Seine schriftlichen Zusammenstellungen hat er stets durch umfangreiche Sammlungen belegt. Insgesamt umfasst das Goldschmidtsche Herbarium 20.000 Belege in 300 Mappen. Als größte Einzelsammlung wird es heute im Herbarium Senckenbergianum des Senckenberg-Museums in Frankfurt aufbewahrt.
Durch seine intensive Sammeltätigkeit sowie seine präzisen wissenschaftlichen Abhandlungen hatte Moritz Goldschmidt die Rhön in den Blickpunkt der biologischen Forschung gerückt. So ist es nicht verwunderlich, dass Goldschmidt in Anerkennung seiner außerordentlichen Verdienste der Titel „Botaniker der Rhön“ verliehen wurde. Nur wenige Jahre nach seinem Tod ehrte der Rhönklub diesen Mann mit einer Gedenktafel, die 1922 auf dem Rockenstuhl bei Geisa platziert, allerdings bereits 1933 von den Nationalsozialisten zerstört wurde.
Da der Rockenstuhl aufgrund der Situation an der ehemaligen innerdeutschen Grenze über viele Jahrzehnte im nur schwer zugänglichen Sperrgebiet lag, war es zunächst nicht möglich, hier wieder eine Erinnerungstafel anzubringen. So wurde 1971 am Neuwartser Küppelchen bei Tann ein neuer Gedenkstein aufgestellt, mit Blick auf den Rockenstuhl und ins Geisaer Land. Darüber hinaus wurde 1990 – gleich nach der Grenzöffnung – die einst zerstörte Gedenkplatte am Rockenstuhl erneuert und durch eine zweite Tafel zum Gedenken an Goldschmidts Förderer Adalbert Geheeb ergänzt.