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Ungewöhnlicher Jugendhilfefall: Greifvögel üben beruhigende Wirkung aus

601-Jugendhilfefall1„Heute ist Florian ein glücklicher Junge, der Freude am Leben hat und für sich eine Zukunftsperspektive sieht“, sagt Christian Münzenberg, Sozialpädagoge beim Fachdienstdienst Jugend, Familie, Sport, Ehrenamt der Kreisverwaltung. Das war nicht immer so. Denn der 15-jährige aus einer südlichen Kreisgemeinde leidet unter dem Tourette-Syndrom.

Dabei handelt es sich um eine neuropsychische Erkrankung, die bislang als unheilbar gilt und durch Tics charakterisiert ist. Tics sind unwillkürliche, rasche Bewegungen, die immer wieder auftreten können. So schneiden die Patienten beim Auftreten der Tics beispielsweise Grimassen oder geben Laute von sich. Damit können massive Aufmerksamkeitsstörungen sowie Leistungsabfälle und in der Folge häufig Schulprobleme einhergehen. Solche Probleme waren es auch, die Florian, der ein netter und aufgeweckter Junge ist, vor mittlerweile fünf Jahren in Berührung mit der Jugendhilfe des Landkreises Fulda brachten.

601-Jugendhilfefall3Seither wird er beim Sozialen Dienst des Kreisjugendamts von Christian Münzenberg – „einer meiner ersten Klienten und einer mit den größten Entwicklungssprüngen“ – betreut. Da das familiäre Umfeld intakt ist und Florian keine Erziehungsdefizite aufweist, stand von Anfang an die Frage der angemessenen Beschulung im Vordergrund. Nach verschiedenen Zwischenstationen mit einer zeitweiligen Unterbringung in teil- und vollstationären Einrichtungen wird Florian jetzt zu Hause online unterrichtet und besucht begleitend eine pädagogische Tagesgruppe in Neuhof. Vor einiger Zeit  lernten seine Eltern den Falkner Michael Schanze kennen.

Dies erwies sich als absoluter Glücksfall. Florian und Michael Schanze, der die Greifvogelwarte in Michelsrombach betreibt und sich unentgeltlich um den Jungen kümmert, fanden sofort einen Draht zueinander. Seither hat sich der Kontakt zwischen den beiden weiter intensiviert. Mittlerweile geht der Jugendliche dem Falkner als Praktikant zum Beispiel bei Greifvogelvorführungen in Schulen oder Kindertagesstätten zur Hand, hält zu Hause selbst einen Mäusebussard und bereitet sich auf den Falknerschein vor. Auch der Berufswunsch nach dem angestrebten „grünen Abitur“ ist klar: Er will in die Fußstapfen seines Vorbilds treten.

Christian Münzenberg nimmt starke Veränderung zum Positiven an Florian wahr, der schon immer sehr naturverbunden war und auch bereits an einer Kletterfreizeit des Landkreises teilgenommen hat. „Ich habe ihn noch nie so ruhig erlebt, wie wenn er einen Greifvogel auf dem Arm hält. Und die Tics sind beinahe ganz verschwunden.“ Offensichtlich stelle in diesem speziellen Fall die tiergestützte Therapie mit Greifvögeln eine sinnvolle Ergänzung zu anderen Behandlungsformen dar, betont Münzenberg, der sich freut, dass die Falknerei Florian nicht nur in seiner Krankheit hilft, sondern vielleicht auch einen Einstieg ins Berufsleben ermöglicht.

Den Eltern von Florian ist es ein Bedürfnis, all denjenigen zu danken, die mit großem Engagement, steter Hilfsbereitschaft und Offenheit auch gegenüber neuen Wegen dazu beitragen, den Jungen in seiner Entwicklung weiter voranzubringen. Ihr Dank gilt besonders Christan Münzenberg, Michael Schanze und den Betreuern der Kletterfreizeit.

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