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Ein abgelegenes Moor mit einzigartiger Flora und Fauna

Das Naturschutzgebiet „Großes Moor bei Großenmoor“ liegt im Norden des Landkreises Fulda in der Gemeinde Burghaun, etwa acht Kilometer nordwestlich von Hünfeld. Es wurde 1973 unter Schutz gestellt und hat heute eine Größe von knapp 24 Hektar.

Nach der letzten Eiszeit vor rund 12.500 Jahren begann sich dieses Moor in einer Senke zu entwickeln, die durch die Auslaugung von im Untergrund befindlichen Zechsteinsalzen entstanden war. Durch stetige Ablagerung von Torf und Mudde bildete sich zunächst ein Niedermoor. Später kam es zur Entwicklung eines Hochmoores, das über Jahrtausende existierte, durch das weitere Absinken des Gebiets und dem damit einhergehenden Wiederanschluss an das Grundwasser dann aber wieder verschwand.

1830 wurde das genannte Moor erstmals urkundlich erwähnt, als es vom Kurfürstentum Hessen erworben wurde, um Torf für Heizzwecke sowie später zur Einstreu für die umliegenden landwirtschaftlichen Betriebe abzubauen. Trotz der über mehr als 50 Jahre andauernden Eingriffe in den Moorkörper in Form von Entwässerung und Torfabbau weist das Gebiet noch eine ganze Reihe seltener und hochgradig gefährdeter Pflanzengesellschaften auf. Auch ist das Spektrum der vorhandenen Gesellschaften aufgrund unterschiedlicher Standortverhältnisse und Bewirtschaftungsintensitäten vergleichsweise groß, obwohl das betreffende Gebiet nur eine geringe Flächenausdehnung aufweist.

So ist vor allem im Westen und Norden im Anschluss an einen geschlossenen Moorbirkenbestand eine typische Moorvegetation auf nahezu baumfreien Arealen anzutreffen. Diese an eine extreme Nährstoffarmut angepasste Vegetation findet sich ferner in allen anderen baumfreien oder nur mit vereinzelten Gehölzen bestandenen Standorten. Dabei kommen am Westrand des Birkenwalds auf grundwasserfernen Bereichen bisweilen hochmoorartige Pflanzengesellschaften mit charakteristischen Torfmoosen sowie Moosbeere, Sonnentau, Rosmarinheide und Wollgras vor.

An diese nährstoffärmsten Teilflächen grenzt gürtelförmig ein Vegetationskomplex an, der wegen seiner geringfügig besseren Nährstoffversorgung bereits als Zwischenmoor anzusehen ist. An die Zwischen- und Niedermoorgesellschaften schließen sich verschiedene Einheiten von Großseggenriedern an, die hauptsächlich durch das Vorkommen von Rohrkolben und Teichschachtelhalm gekennzeichnet sind. Bei dieser Vegetationsabfolge ist tendenziell zu beobachten, dass Arten ausgesprochen nährstoffarmer Standorte immer mehr zurücktreten, während anspruchsvoller Arten vermehrt gefördert werden.

In den Randbereichen schließlich haben sich Feuchtwiesen-Brachegesellschaften ausgebildet. Zu dem ebenfalls vorkommenden Wirtschaftsgrünland zählen Feucht- und Frischwiesen. Während die Feuchtwiesenbestände jedoch nur recht kleinflächig ausgeprägt sind, nehmen die Frischwiesen größere Bereiche ein. Die für gemähtes Grünland in tiefen bis mittleren Lagen typische Glatthaferwiese ist lediglich am Nordrand des Gebiets zu finden. Alle übrigen gemähten Flächen sind der Goldhaferwiese zuzuordnen, die die typische Grünlandgesellschaft submontaner Lagen darstellt.

Insgesamt ist das Naturschutzgebiet als ein einzigartiger Biotopkomplex anzusehen, bei dem insbesondere der zentrale Moorbereich mit seinem wertvollen hochmoorähnlichen Areal und den umgebenden Zwischen- und Niedermoorzonen einer Reihe von seltenen und schutzwürdigen Pflanzenarten und Vegetationseinheiten einen angemessenen Lebensraum bietet. Dieser aus floristischer und vegetationskundlicher Sicht besondere Biotop ist aber auch im Hinblick auf die Fauna, zum Beispiel für Amphibien, Reptilien und verschiedene Vogelarten sowie vermutlich auch für eine Vielzahl von Wirbellosen, von großer Bedeutung.

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