Fulda. Fuldas Bischof Heinz Josef Algermissen ist erstmals mit Ärzten der Region zu einem Gedan-kenaustausch im Bonifatiushaus, dem Bildungshaus der Diözese, zusammengetroffen. Den etwa 60 Medizinerinnen und Medizinern dankte der Oberhirte für ihren Dienst. Das Thema des Gesprächsabends lautete „Palliativmedizin als Alternative zur aktiven Sterbehilfe und zum assistierten Suizid“. „Die Premiere ist gelungen“, schreibt die Fuldaer Zeitung in ihrer Ausgabe vom vergangenen Freitag. Eine solche Zusammenkunft mit Ärzten soll künftig jedes Jahr zu einem bestimmten Thema stattfinden.
Bischof Algermissen unterstrich, daß nur Gott der Herr über Leben und Tod sei. Gott habe den Menschen nach seinem Bild geschaffen, und daraus resultiere dessen unbedingte Würde. „Sie gilt zu jeder Zeit – egal, wie krank oder behindert ein Mensch ist“, sagte der Bischof. Der Katechismus bezeichne die aktive Sterbehilfe als Mord. „Die Kirchen werden immer gegen eine Legalisierung solcher Sterbehilfe kämpfen“, so Algermissen und prangerte Regelungen in Holland, Belgien und der Schweiz an.
Er würdigte die Hospizbewegung, besonders den heimischen „Da-Sein“-Hospizdienst der Malteser sowie die stationären Einrichtungen in Fulda und Hanau: „Aus dieser Bewegung wissen wir, daß der Wunsch nach aktiver Sterbehilfe in dem Maße abnimmt, wie Zuwendung und Beistand für Schwerstkranke zunehmen.“ Todeswünsche seien ein verzweifelter Appell von Menschen, in der letzten Phase nicht allein gelassen zu werden. Dabei habe auch die Palliativmedizin große Bedeutung: „Es geht um gute Begleitung im Sterben, nicht um Hilfe zum Sterben“, erklärte Algermissen.
Den medizinischen Fachvortrag zur Thematik des Abends hielt Dr. Rainer Schäfer, Chefarzt am Würzburger Julius-Spital und zugleich Lehrbeauftragter für Palliativmedizin an der dortigen Universität. Er betonte, daß alle Ärzte Formulierungen wie „Man kann nichts mehr für Sie tun“ oder „Die Krankheit ist austherapiert“ aus ihrem Sprachgebrauch streichen sollten. „Ganz wichtig ist die medizinische Betreuung bis zum letzten Atemzug“, so der Referent. Dafür müsse das Therapieziel entsprechend geändert werden, und zwar möglichst mit dem Patienten.
Dabei stehe vor allem die Schmerzbekämpfung im Mittelpunkt, damit auch spirituelle Bedürfnisse des Sterbenden und für ihn noch Ungeklärtes zu ihrem Recht kämen. In der Palliativmedizin gehe es bei den verantwortlichen Teams weniger um „High-Tech“ als um „High-Touch“, sprich persönliche Zuwendung und gelingende Kommunikation. „Die High-Touch-Medizin braucht Menschen, nicht Geräte“, erklärte Schäfer bei aller Wertschätzung für die Intensivmedizin.
Moraltheologe Professor Dr. Peter Schallenberg betonte, daß aus christlicher Sicht die Liebe zentrale Voraussetzung für ein gutes, gelingendes Leben sei. Gott sei die Liebe und jeder Mensch liebenswürdig. Die liebende Zuwendung mache dem Menschen deutlich: „Es ist unbedingt nötig, daß Du da bist.“ Das gelte in jeder Phase des Lebens. Mitveranstalter des Abends war das Bonifatiushaus. Dessen Direktor Gunter Geiger freute sich über die große Resonanz aus der Ärzteschaft und würdigte das Engagement von Bischof Algermissen für den umfassenden Schutz des Lebens.
In der regen Diskussion wurde unter anderem moniert, daß in Holland die aktive Sterbehilfe bei psychisch schwer Erkrankten und bei Behinderten auch schon ohne Einwilligung angewandt worden sei. Ein Gesprächsteilnehmer sprach von 900 solcher Fälle. Vor der „Verniedlichung der aktiven Sterbehilfe“ wurde eindringlich gewarnt. Ein Arzt teilte mit, daß sich in Osthessen inzwischen eine Akademie für Suizidprävention gegründet hat. Große Einsamkeit und das Gefühl, nicht gebraucht zu werden, wurden als häufiger Grund für Lebensmüdigkeit genannt. Hier müsse man als Mitmensch nach Kräften gegensteuern. Nach Angaben eines Mediziners haben es gläubige Menschen leichter, sich mit dem sicheren Tod abzufinden, was die Wichtigkeit der Glaubensverbreitung unterstreiche.