Written by 0:47 Alle Nachrichten, Politik & Wirtschaft

Bürgerschaftliches Engagement in Bürgerstiftung bündeln

Alsfeld. Bürgerschaftliches Engagement gewinnt für die Entwicklung ländlicher Räume immer mehr an Bedeutung. Könnte es die Wirksamkeit erhöhen, wenn dieses Engagement in einer Bürgerstiftung gebündelt würde? Diese Frage haben Fachleute des Regionalmanagements vor wenigen Tagen in Alsfeld im Hotel Pfefferhöhe untersucht.(Foto: Dr. Burkhard Küstermann bei seinem Vortrag zum Thema Bürgerstiftungen in Alsfeld.)

Etwa 50 Teilnehmer aus den Bereichen Verwaltung, Unternehmen, Banken, Kultur, Kommunalpolitik, Wissenschaft und Soziales aus ganz Hessen loteten Grundlagen, Erfahrungen, Möglichkeiten und Grenzen aus. Für Thomas Schaumberg, Vorsitzender des Vereins der hessischen Regionalforen, steht fest: “Es gibt sicher keine allein selig machende Lösung. Aber es ist spannend zu bewerten, welche neuen Perspektiven der Finanzierung und der Aktivierung bürgerschaftlichen Engagements es geben kann, wenn man die Form einer Bürgerstiftung wählt.” (Foto: Auf dem Podium in der Pfefferhöhe in Alsfeld (von links): Anne-Marie Truniger, Verein für Regionalentwicklung Werra-Meißner und gleichzeitig Vertreterin der Bürgerstiftung Werra-Meißner, Dr. Thomas Schulze, Bürgermeister der Stadt Diepholz, Klaus Schüttler vom Hessischen Ministerium für Umwelt, ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Dr. Burkhard Küstermann und Gudrun Lang, imkontext)

Die veranstaltenden 24 hessischen Regionalforen und das Beratungsbüro “imkontext” aus Fulda hatten als Motto gewählt: “Gemeinsam mehr erreichen – Bürgerstiftungen im ländlichen Raum”. In Referaten und Diskussionen wurden vor allem die rechtlich möglichen und finanziell sinnvollen Rahmenbedingungen ausgeleuchtet sowie Erfahrungen aus verschiedenen Städten und Regionen dargestellt. Doch nicht nur das – es ging auch um die Frage, wie sich denn die ehrenamtlich tätigen Akteure in der Arbeit und in den Entscheidungen einer möglichen Stiftung wiederfinden. Orientierung bietet das vom Bundesverband Deutscher Stiftungen an Bürgerstiftungen vergebene Gütesiegel. Es lehnt beispielsweise die Dominanz durch einzelne Stifter, Parteien, Verwaltung oder Unternehmen ab und versteht die Arbeit durch Transparenz und Beteiligung geprägt.

Die Teilnehmer des Kongresses in Alsfeld konnten sich einen guten Überblick darüber verschaffen, welche vielfältigen Modelle landauf landab “unterwegs” sind. In großen Städten sind Bürgerstiftungen seit etwa zehn Jahren Teil einer nachhaltigen Projektkultur. In ländlichen Regionen beginnt man zunehmend, sich auch mit diesen Möglichkeiten zu beschäftigen. Das Ziel: dauerhaft und finanziell abgesichert eine Institution “zur Hand” zu haben, die dem “Gemeinwohl” verlässlich dient und die mit den bereits vereinbarten Zielen der Regionalentwicklung – die ja in den ländlichen Region ohnehin ehrenamtliche Ansätze verfolgt (Stichwort: LEADER) – weitestgehend verzahnt agiert.

So muss aus Sicht von Dr. Burkhard Küstermann gewährleistet sein, dass neben den aufzubauenden finanziellen Potenzialen auch das zuverlässige Mobilisieren und Einbeziehen der Ideen der Akteure Grundlage der Stiftungsarbeit ist. Der Kommunalrechtler Küstermann ist Leiter der Initiative Bürgerstiftungen im Bundesverband Deutscher Stiftungen in Berlin. Küstermann gilt deutschlandweit als einer “der” Experten, wenn es um das Thema Bürgerstiftungen geht.

Gudrun Lang, imkontext, warf in ihrem Vortrag einen Blick auf “Synergien und Koexistenzen aber auch Konkurrenzen” zwischen Bürgerstiftungen und der Regionalentwicklung. Kann man mit einer Bürgerstiftung Bürgerinnen und Bürgern mit Vermögen, die etwas “Gutes tun” wollen, etwas “bieten”, was ihren Vorstellungen entspricht? Auch darüber wurde in Alsfeld beraten. Nach Meinung von Gudrun Lang gebe es, genauso wie bei der Wertschöpfung im regionalen Wirtschaftsprozess, durchaus auch ein Potenzial für Vermögen, die dem Gemeinwohl vor Ort gewidmet werden und damit als “Ressource in der Region” erhalten bleiben könnten.

In einer Diskussion widmete man sich der Frage, ob denn nicht am besten die “Lokale Aktionsgruppe”, also diejenigen Akteure, die ohnedies schon Regionalentwicklung betreiben, Initiator einer möglichen Bürgerstiftung sein sollten. Ergebnis der Debatte: Eine Bürgerstiftung kann nur auf der Grundlage einer regionalen Identität aufgebaut werden. Ebenso grundlegend für den Aufbau und die erfolgreiche Arbeit ist aber auch in finanzieller wie auch personeller Sicht die Frage nach der “kritischen Masse” zu stellen.

Um eine Bürgerstiftung auch für die Zukunft handlungsfähig zu gestalten, sollte der Stiftungszweck nicht zu knapp gefasst werden. Und nicht zuletzt: Die Aktionsgruppe kann die Gründerin sein – sie muss aber alle anderen bürgerschaftlich Engagierten “einladen und mitnehmen”. Zur Konkretisierung des Themas ist für voraussichtlich Ende des Jahres ein Workshop “Gründung einer Bürgerstiftung” geplant, zu dem sich Interessierte bei der Vogelsberg Consult unter Telefon 06631 / 9616-0 anmelden können.

Nähere Informationen: www.die-deutschen-buergerstiftungen.de und www.stiftungen.org

Visited 1 times, 1 visit(s) today
Close