Fulda „Hätte ein Schultag besser beginnen können?“ – Diese Frage richtete Deutschlehrerin Ingrid Klüber-Dietz an die über 100 Schülerinnen und Schüler der Richard-Müller-Schule, die gerade eine Stunde voller poetischer Wucht erlebt hatten, bei der auch der Spaß nicht zu kurz gekommen war.
Lars Ruppel war da. Der preisgekrönte Slampoet stattete der Schule im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Leseland Hessen“, die in der Region von der Stadt Fulda in Verbindung mit der Hochschul-, Landes- und Stadtbibliothek sowie dem Staatlichen Schulamt organisiert wird, einen begeisternden Besuch ab.
Nach der Begrüßung durch Schulleiterin Claudia Hümmler-Hille und Organisatorin Jutta Sporer stellte Ingrid Klüber-Dietz den Gast und seine Arbeit vor: Ein Poetry Slam ist ein literarischer Vortragswettbewerb, bei dem selbst geschriebene Texte innerhalb einer bestimmten Zeit einem Publikum vorgetragen werden, das anschließend den Sieger kürt. Von herkömmlicher Poesie unterscheiden sich die Texte darin, dass sie ausdrücklich für die Bühne geschrieben sind und durch eine Performance des Künstlers inszeniert werden.
Und diese beherrscht der – nach eigenen Aussagen – „Vollzeitslammer“ Lars Ruppel vortrefflich. Er zündete ein unterhaltsames Feuerwerk der Poesie: rhythmische Verse mit originellen Reimen, in ungewöhnliche Bilder gepackte Prosa mit überraschenden Pointen – das war Wortkunst vom Feinsten.
Lars Ruppel sieht auf Alltägliches und Nebensächliches, zum Beispiel den „Platzwart in der Kreisliga Süd“ oder auf die Raupe, die sich in einen Holzwurm verliebt. Er erschafft skurril liebenswerte Gestalten wie „Holger, die Waldfee“ oder „Volker Racho“. Er sieht hin und verpackt das Gesehene in Texte, die witzig-originell sind und doch auch einen scharfsinnigen und entlarvenden Blick auf unsere Gesellschaft und Zivilisation richten.
Dazu versteht er es glänzend seine Zuhörer/-innen einzubeziehen. Nie bleibt die Lesung statisch, gerät vielmehr zu einem interaktiven „Happening“. Warum er Gedichte macht? Nun, er kann wirklich nichts anderes, sagt er selbst. Hoffentlich bleibt das noch lange so. Die Richard-Müller-Schule würde ihn gerne wieder begrüßen. (Stefan Theiner)

