{"id":9989,"date":"2008-06-20T00:35:13","date_gmt":"2008-06-19T22:35:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=9989"},"modified":"2008-06-19T22:12:01","modified_gmt":"2008-06-19T20:12:01","slug":"personalkonzepte-fuer-den-demographischen-wandel-diskussionsrunde-an-der-hochschule","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=9989","title":{"rendered":"Personalkonzepte f\u00fcr den demographischen Wandel &#8211; Diskussionsrunde an der Hochschule"},"content":{"rendered":"<p><strong>Fulda.<\/strong> Aufzuhalten ist die Entwicklung nicht mehr, das steht fest. Unsere Gesellschaft altert. Sp\u00e4testens ab 2020 werden die Unternehmen in Deutschland die demografische Entwicklung deutlich sp\u00fcren. Belegschaften, die gr\u00f6\u00dftenteils aus Mitarbeitern zwischen 45 und 65 bestehen &#8211; heute noch die Ausnahme &#8211; werden dann an der Tagesordnung sein, auch in der Region. <!--more--><\/p>\n<p>Wie Unternehmen damit umgehen k\u00f6nnen, welche Handlungsfelder zu betrachten sind, war Thema einer Veranstaltung, zu der die Hochschule Fulda in der vergangenen Woche Vertreter aus regionalen Unternehmen und Institutionen eingeladen hatte. Dass sie damit den Nerv getroffen hat, zeigte die \u00fcberaus gute Resonanz auf das Angebot. Oberb\u00fcrgermeister Gerhard M\u00f6ller, der die Teilnehmer begr\u00fc\u00dfte, lie\u00df keinen Zweifel daran, dass auch die Stadtverwaltung sich mit diesem Thema auseinandersetzt.<\/p>\n<p>Muss eine alternde Belegschaft \u00fcberhaupt als personalpolitisches Problem betrachtet werden, fragte Prof. Dr. Dagmar Prei\u00dfing, die am Fachbereich Wirtschaft lehrt und die Veranstaltung initiierte. Vermindert eine alternde Belegschaft die Wettbewerbsf\u00e4higkeit? Eine wissenschaftlich haltbare einheitliche Klassifikation von alt gebe es jedenfalls nicht. Und dann lenkte sie den Blick auf das, was Unternehmen laut einer Umfrage der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitsgeberverb\u00e4nde von ihren Mitarbeitern erwarteten. Erfahrungswissen, Loyalit\u00e4t, Urteilsverm\u00f6gen, Arbeitsmoral st\u00fcnden auf der Liste der wichtigsten Eignungs- und Leistungsfaktoren ganz oben. \u201eAlles Merkmale, die gerade \u00e4ltere Arbeitnehmer aufweisen\u201c, so Prei\u00dfing.<\/p>\n<p>Nur 37 Prozent der \u00fcber 55-J\u00e4hrigen sind in Deutschland in Unternehmen besch\u00e4ftigt. In Schweden sind es 68 Prozent. Zugleich ist das Land das innovationskr\u00e4ftigste in Europa. F\u00fcr Prei\u00dfing nicht verwunderlich. \u201eInnovationskraft h\u00e4ngt mit Erfahrungswissen zusammen\u201c, sagte sie und forderte:\u201eWir m\u00fcssen von einem Defizitmodell hin zu einem Kompetenzmodell kommen und heutiges Karrieredenken durch eine neue Kultur abl\u00f6sen. Aufgabenwechsel m\u00fcssen f\u00fcr \u00c4ltere ohne Gesichtsverlust m\u00f6glich sein und der Wert eines Mitarbeiters sollte sich aus seiner Funktion, nicht seiner Hierarchiestufe ergeben.\u201c<\/p>\n<p>Dass solch ein Ansatz tats\u00e4chlich funktionieren kann, zeigte Otmar Fahrion, Inhaber der Fahrion Engeneering GmbH Kornwestheim, die weltweit und branchen\u00fcbergreifend Produktionsanlagen baut. Das Unternehmen, das in der Region Stuttgart Probleme hatte, Mitarbeiter zu finden, \u00e4nderte seine Personalstrategie. Es fokussierte sich auf die Altergruppe zwischen 45 bis 65 Jahren. 5.000 Bewerbungen gingen ein, darunter 200 Top-Qualifizierte. Heute sind nur 8 Prozent der Mitarbeiter unter 40 Jahren. Alle haben unbefristete Vertr\u00e4ge. Sie arbeiten in altersvermischten, interdisziplin\u00e4ren Teams. Projektleiter sind immer die Erfahrenen.<\/p>\n<p>Statt der \u00fcblichen Karrieren, die nicht selten mit gravierenden gesundheitlichen Probleme enden, setzt Fahrion auf so genannte Bogenkarrieren. Das hei\u00dft, \u201eLeistungen und Bez\u00fcge sind bei uns an die individuellen Lebenssituationen angepasst\u201c. Und auch die Wirtschaftlichkeit des Modells belegte Fahrion: \u201eEinen jungen Ingenieur m\u00fcssen wir 12 bis 15 Jahre ausbilden, bis er selbstst\u00e4ndig eine Fabrik planen kann. Bei Mitarbeitern \u00fcber 50 sind es nur zwei bis drei Jahre.<\/p>\n<p>Wie sich \u00e4ltere Arbeitnehmer im Unternehmen halten lassen, stellte Karl-Heinz Brand vor, in der Tegut-Gesch\u00e4ftsleitung zust\u00e4ndig f\u00fcr das Ressort Mensch und Arbeit. \u201eZwischen 40 und 50 orientieren sich Menschen noch einmal neu. Genau diese Phase wollen wir nutzen\u201c, beschieb er das Konzept von Tegut. Dabei geht es nicht nur darum, die Mitarbeiter im Unternehmen zu halten und mit ihnen ihr Wissen. \u201eWir wollen die Besch\u00e4ftigungsf\u00e4higkeit nachhaltig sicher, und zwar bis zum Ruhestand\u201c, betonte Brand.<\/p>\n<p>Tegut bietet dazu Seminare an, die die Arbeitssituation verbessern sollen: von R\u00fcckengesundheit \u00fcber Menschenkenntnis und F\u00fchrung bis hin zur EDV.\u00c2\u00a0 F\u00fcr die Wissensweitergabe setzt das Unternehmen auf so genannte Lernpartnerschaften. Die J\u00fcngeren lernen von den Erfahrenen. Deshalb sind auch hier die Teams gemischt. Besonders gut kamen die Ma\u00dfnahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements an: ein Arbeitsplatzcoaching durch Mediziner sowie eine Gef\u00e4\u00df-Check-Aktion.<\/p>\n<p>Die Praxisbeispiele \u00fcberzeugten. Doch die Veranstaltung hat auch eines deutlich gemacht: Den K\u00f6nigsweg gibt es nicht. Es ist die Aufgabe eines jeden Unternehmens, seine Handlungsfelder zu identifizieren und gezielt Ma\u00dfnahmen zu entwickeln. Die Hochschule Fulda wird deshalb das Thema in regelm\u00e4\u00dfigen Veranstaltungen vertiefen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Fulda. Aufzuhalten ist die Entwicklung nicht mehr, das steht fest. Unsere Gesellschaft altert. Sp\u00e4testens ab 2020 werden die Unternehmen in Deutschland die demografische Entwicklung deutlich sp\u00fcren. 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