{"id":99432,"date":"2012-06-14T00:10:26","date_gmt":"2012-06-14T00:10:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=99432"},"modified":"2012-06-14T05:52:11","modified_gmt":"2012-06-14T05:52:11","slug":"traditioneller-priestertag-im-kolpinghaus-kardinal-kasper-sprach-vor-rund-200-geistlichen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=99432","title":{"rendered":"Traditioneller Priestertag im Kolpinghaus \u2013 Kardinal Kasper sprach vor rund 200 Geistlichen"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/IMG_7697.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-99433\" title=\"IMG_7697\" src=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/IMG_7697-265x176.jpg\" alt=\"\" width=\"265\" height=\"176\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/IMG_7697-265x176.jpg 265w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/IMG_7697.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a>Fulda\/Hanau\/Kassel\/Marburg <\/strong>(bpf). \u201eDie Kirche als Versammlung lebt wesentlich von der Sammlung ihrer Priester auf Jesus Christus hin. Wenn sie mit Christus keine pers\u00f6nliche Verbundenheit pflegen, verschwindet ihre Identit\u00e4t.\u201c Dies betonte Bischof Heinz Josef Algermissen am Mittwoch beim traditionellen Priestertag der Di\u00f6zese in Fulda. In einem feierlichen Gottesdienst im Dom, an dem rund 200 Welt- und Ordensgeistliche teilnahmen, rief der Bischof in Erinnerung, dass die Menschen sich jahrtausendelang G\u00f6tter gemacht h\u00e4tten. Durch den eindeutigen Satz Jesu Christi \u201eIch bin der Weg, die Wahrheit und das Leben\u201c wurde all dies beiseitegeschoben. \u201eGott ist nicht mehr der verborgene Gott. Er zeigt sein Antlitz. Er ist in einem Menschen, in einem ganz bestimmten Menschen, in Jesus aus Galil\u00e4a, sichtbar und greifbar geworden.\u201c Das unabl\u00e4ssige Ringen der Menschheit um das Bild des wahren Gottes sei damit beendet, hob Algermissen hervor. \u201eIn Jesus ist die endg\u00fcltige Wahrheit \u00fcber Gott erschienen.\u201c Wer von nun an Gott finden wolle, k\u00f6nne nur noch auf Jesus schauen, so der Fuldaer Oberhirte.<!--more--><\/p>\n<p>Mit gro\u00dfer Dringlichkeit ergebe sich laut Bischof Algermissen die Frage, wer das Bild von Jesus vor willk\u00fcrlicher Interpretation der Menschen sch\u00fctze. Man k\u00f6nne darauf nur antworten, dass die Begegnung mit Jesus nicht dem subjektiven religi\u00f6sen Erleben \u00fcberlassen bleiben d\u00fcrfe. Vielmehr sei Jesus in seiner Beziehung zur Kirche zu sehen. Nur wer den von der Kirche verk\u00fcndigten Christus zur Richtschnur seines Lebens mache, k\u00f6nne dem wahren Jesus begegnen. Diejenigen, die zu den kirchlichen Gemeinden geh\u00f6rten, seien nicht aus Zwang oder Gewohnheit dabei, sondern aus freier Entscheidung. \u201eEine Gemeinde, die nicht oder nicht mehr missionarisch ist, die nicht neue Menschen f\u00fcr Jesus Christus gewinnen will, ist eigentlich tot\u201c, stellte Bischof Algermissen fest. Missionarisch k\u00f6nne sie aber nur sein, wenn in ihr viele ihr Leben miteinander verb\u00e4nden. Dann k\u00f6nnten auch die Gemeinden wieder wachsen.<br \/>\n<strong><br \/>\nVortrag \u00fcber die Krise der Kirche in der westlichen Gesellschaft<\/strong><\/p>\n<p>Generalvikar Prof. Dr. Gerhard Stanke begr\u00fc\u00dfte im Anschluss an den Gottesdienst die im Parkhotel Kolpinghaus versammelten Geistlichen, insbesondere die diesj\u00e4hrigen Jubilare unter den Geistlichen sowie die Missionare, neugeweihten Priester und Diakone und die Pension\u00e4re und erinnerte an die im vergangenen Jahr verstorbenen Geistlichen. In seinem Vortrag \u201eKatholische Kirche wohin? Kirche heute \u2013 gestern \u2013 morgen\u201c ging der Ehrengast des Bistums Fulda, der fr\u00fchere Pr\u00e4sident des P\u00e4pstlichen Rates f\u00fcr die Einheit der Christen, Kardinal Walter Kasper (Rom), auf das Verh\u00e4ltnis von Kirche und gesellschaftlichem Wandel in Deutschland und Europa ein. \u201eDie Krise der Kirche ist vielschichtig\u201c, r\u00e4umte der Kardinal ein und betonte, dass viele Katholiken hierzulande Schwierigkeiten damit h\u00e4tten, ihren Glauben an die n\u00e4chste Generation weiterzugeben.<br \/>\n<strong><br \/>\nKirche in Westeuropa im Umbruch<\/strong><\/p>\n<p>Die Missbrauchsf\u00e4lle in der Kirche h\u00e4tten, wie die gestiegenen Kirchenaustritte 2010 zeigten, zu einem Vertrauensverlust gef\u00fchrt, den man nur langsam wieder gutmachen k\u00f6nne, f\u00fchrte der Referent aus. \u00dcberhaupt sei der Kirchenbesuch seit den 50er Jahren in Deutschland massiv zur\u00fcckgegangen. Die Kirche stehe erst am Anfang eines Umbruchs: \u201eAllein aus demografischen Gr\u00fcnden wird sie in 20 Jahren ganz anders aussehen als heute\u201c, so der Kardinal. In anderen Teilen der Weltkirche wachse die Kirche sogar. Ausgerechnet in den Ortskirchen armer L\u00e4nder seinen \u201eHoffnung, Zuversicht und Glaubensfreude\u201c in besonderem Ma\u00dfe zu sp\u00fcren. Die katholische Volkskirche, die im 20. Jahrhundert ein \u201eFels in der Brandung\u201c gegen die totalit\u00e4ren Regime war und vielen eine geistliche Heimat bot, bestehe in einer pluralistischen Gesellschaft nicht mehr. \u201eAller Abschied ist schwer, und Neues kommt nur unter Geburtsschmerzen\u201c, zeigte sich Kasper \u00fcberzeugt. Die christlichen Kirchen w\u00fcrden zu \u201egro\u00dfen Minderheiten\u201c in der Gesellschaft, was zu einer \u201eDiasporasituation neuer Art\u201c f\u00fchre, in der sich evangelische und katholische Christen zusammen in einer dem Christentum indifferenten Umgebung wiederf\u00e4nden.<\/p>\n<p>Die kommende Diasporasituation der Kirche m\u00fcsse man \u201eim Vertrauen auf Gottes Wort\u201c als eine Herausforderung ansehen, forderte Kardinal Kasper. Das Christentum werde auch als eine \u201equalifizierte Minderheit\u201c (Arnold Toynbee) eine wichtige Rolle in der westlichen Gesellschaft spielen. Dies sei auch in der Fr\u00fchzeit des Christentums so gewesen. Auf dem Weg nach vorne werde nicht alles Bisherige aufgegeben werden. Man m\u00fcsse die Krise auch als eine Chance begreifen. \u201eDie Wirklichkeit Gottes ist in der Geschichte oft verdr\u00e4ngt und auch durch Christen entstellt worden, beispielsweise in den Religionskriegen\u201c, erinnerte der Referent. Letztendlich habe dies zu einer Privatisierung und Marginalisierung der Religion in den letzten 200 Jahren gef\u00fchrt.<br \/>\n<strong><br \/>\n\u201eChristen m\u00fcssen ihre Sprachlosigkeit \u00fcberwinden\u201c<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDer Glaube an einen pers\u00f6nlichen Gott war f\u00fcr fr\u00fchere Generationen die Regel und ist heute eine Seltenheit geworden\u201c, fuhr der Kardinal fort. Trotz des zunehmenden Werterelativismus sei die Situation aber nicht hoffnungslos, denn es gebe auch in unserem Land eine wachsende Zahl von suchenden Menschen, die sp\u00fcrten, dass durch den Verlust des Gottesglaubens \u201eetwas fehlt\u201c. \u201eDie Christen m\u00fcssen ihre Sprachlosigkeit \u00fcberwinden und ihren Glauben selbst neu kennenlernen\u201c, rief Kasper auf. Ohne eine Glaubenserneuerung werde es kaum einen Aufbruch geben. Dringend n\u00f6tig sei eine \u201eganzheitliche Katechese\u201c im kirchlichen Gemeindeleben. Die Kirche sei oft nicht so, dass sie \u201edie Menschen einfach vom Hocker rei\u00dft\u201c, sondern sie bestehe eben auch aus s\u00fcndigen Menschen. Die Gottesfrage und die Frage nach dem Leid m\u00fcssten in der kirchlichen Verk\u00fcndigung in den Mittelpunkt gestellt werden. Gemeint sei damit der Gott Jesu Christi. Auch in der \u00d6kumene m\u00fcsse ein echter Dialog mit konkreten und deutlichen Positionen gef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Kardinal Kasper verwies auf das Verst\u00e4ndnis der Kirche als \u201ecommunio\u201c, was die Teilhabe aller an der Heilwirklichkeit Jesu Christi beinhalte, und forderte einen kommunikativen, dialogischen Stil in der Kirche, der \u201enicht feudal, aber auch nicht modern-b\u00fcrokratisch\u201c sein d\u00fcrfe. Dialog in der Kirche solle man nicht mit einer \u201eDemokratisierung\u201c im politischen Sinne verwechseln, sondern es bed\u00fcrfe eines der Kirche eigenen Stils. Dialog im Sinne des Konzils meine auch nicht ein \u201eunverbindliches Gespr\u00e4ch\u201c, sondern \u201edass ich etwas von mir selbst gebe und andere teilhaben lasse\u201c. Damit k\u00f6nne eine Neubelebung synodaler Elemente in den Ortskirchen einhergehen. Mit Zentralismus sei zwar nicht alles zu machen, aber das Petrusamt sei f\u00fcr die Einheit der Weltkirche notwendig. \u201eEin deutscher Sonderweg w\u00e4re v\u00f6lliger Unsinn\u201c, unterstrich der Kardinal. Bedeutsam werde auch in Zukunft der \u00f6kumenische Dialog sein, der bereits viele Fr\u00fcchte getragen habe, und der Dialog mit anderen Religionen als einziger Alternative zu religi\u00f6s motivierter Gewalt. Die Freude an Gott sei eine St\u00e4rke, und Freude an sich stecke andere an, Jammern hingegen niemanden, gab Kasper zu bedenken.<\/p>\n<p>Im Kolpinghaus v. l. n. r. am Tisch: Kardinal Walter Kasper, Weihbischof Dr. Karlheinz Diez, Bischofssekret\u00e4r Dirk G\u00e4rtner, gegen\u00fcber dann Weihbischof Johannes Kapp, Bischof Heinz Josef Algermissen und Generalvikar Dr. Gerhard Stanke<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Fulda\/Hanau\/Kassel\/Marburg (bpf). \u201eDie Kirche als Versammlung lebt wesentlich von der Sammlung ihrer Priester auf Jesus Christus hin. Wenn sie mit Christus keine pers\u00f6nliche Verbundenheit pflegen, verschwindet ihre Identit\u00e4t.\u201c Dies betonte Bischof Heinz Josef Algermissen am Mittwoch beim traditionellen Priestertag der Di\u00f6zese in Fulda. 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