{"id":99159,"date":"2012-06-07T00:14:49","date_gmt":"2012-06-07T00:14:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=99159"},"modified":"2012-06-07T17:56:26","modified_gmt":"2012-06-07T17:56:26","slug":"katholiken-feierten-fronleichnam-predigt-von-bischof-algermissen-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=99159","title":{"rendered":"Katholiken feierten Fronleichnam \u2013 Predigt von Bischof Algermissen"},"content":{"rendered":"<p>Fulda (bpf). Mit Gottesdiensten und Prozessionen feierten die Katholiken am Donnerstag das Fronleichnamsfest. Eine der gr\u00f6\u00dften Fronleichnamsprozessionen in Hessen fand in Fulda statt, wo das Fest seit \u00fcber 700 Jahren begangen wird. Rund 3.000 Gl\u00e4ubige zogen hier nach einem Gottesdienst im Hohen Dom unter teils wolkenverhangenem, teil sonnigem Himmel durch die mit frischem Birkengr\u00fcn, Blumenteppichen und gelb-wei\u00dfen Fahnen geschm\u00fcckte Innenstadt. \u201eOhne Eucharistie gibt es keine Kirche. Ohne Kirche kann es keine Eucharistie geben. Kirchliche Gemeinschaft und eucharistische Gemeinschaft geh\u00f6ren untrennbar zusammen\u201c, unterstrich Bischof Heinz Josef Algermissen in seiner Predigt in dem feierlichen Pontifikalamt. Im Wechsel mit Bischof Algermissen trugen bei der Prozession Weihbischof Dr. Karlheinz Diez und Generalvikar Dr. Gerhard Stanke das Allerheiligste.<!--more--><br \/>\nDas \u201einnerste Wesen der Kirche\u201c offenbare sich am Fronleichnamstag: Sie sei nicht eine von Menschen gegr\u00fcndete Organisation, sondern vielmehr \u201eein von Gott her durch Jesus Christus er\u00f6ffneter Lebensraum\u201c, in den man durch Glaube und Taufe hineingerufen werde. Die volle Teilhabe an der Eucharistie setze dabei die sakramentale Gemeinschaft der Kirche voraus. \u201eF\u00fcr das Verst\u00e4ndnis der katholischen Position in der Frage der Zulassung von nicht katholischen Christen zum Empfang der Eucharistie ist die bis heute festgehaltene Grund\u00fcberzeugung der Kirche entscheidend, dass Kommuniongemeinschaft und Kirchengemeinschaft wesentlich zusammengeh\u00f6ren.\u201c<\/p>\n<p>An dieser \u00dcberzeugung h\u00e4tten auch die aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften bis vor wenigen Jahrzehnten festgehalten. Erst die sogenannte Leuenberger Konkordie von 1973 habe eine \u00d6ffnung der reformatorischen Kirchen f\u00fcr die Abendmahlsgemeinschaft untereinander gebracht, erinnerte der Oberhirte. Bis dahin habe es beispielsweise keine Abendmahlsgemeinschaft zwischen Lutheranern und Reformierten gegeben. Die katholische Kirche respektiere diese Entscheidung der reformatorischen Kirchen, m\u00fcsse aber gleichzeitig feststellen, dass damit ein theologischer Grundkonsens, der noch heute von der \u00fcberwiegenden Mehrheit der Gesamtchristenheit, vor allem den orientalischen und orthodoxen Kirchen, getragen werde, aufgegeben worden sei.<\/p>\n<p>Die katholische Kirche feiere Fronleichnam unter den Blicken der \u00d6ffentlichkeit, weil sie zeigen wolle, woraus sie lebe und was sie zu vermitteln habe, hatte Algermissen zu Beginn seiner Predigt betont. \u201eDas Fest erwuchs im 13.\/14. Jahrhundert aus der Vorstellung, dass die F\u00fclle dessen, was uns im Verm\u00e4chtnis Jesu geschenkt wurde, am Gr\u00fcndonnerstag allein gar nicht voll zum Ausdruck kommen konnte.\u201c Fronleichnam sei also ein Erg\u00e4nzungsfest zu Gr\u00fcndonnerstag und damit wesentlich auf die Hl. Eucharistie bezogen. In der Feier der Eucharistie begegneten die Gl\u00e4ubigen dem auferstandenen und in der Kraft des Geistes gegenw\u00e4rtigen Christus selbst. \u201eChristus ist der eigentliche Vorsteher der Eucharistiefeier\u201c. Die Kirche sei deshalb im Wesenskern Eucharistie, und von ihr her werde sie immer wieder neu aufgebaut, fuhr der Bischof fort. Denn die Einheit der vielen Glaubenden in der Gemeinschaft der Kirche komme von dem einen eucharistischen Brot und damit von dem einen Christus her. \u201eChristus schenkt uns seinen Leib, damit wir selbst zum Leib Christi werden.\u201c Diesen Lebenszusammenhang zwischen Eucharistie und Kirche habe der hl. Augustinus auf eine kurze, pr\u00e4gnante Formel gebracht: \u201eWenn ihr selbst also Leib Christi und seine Glieder seid, dann liegt auf dem eucharistischen Tisch euer eigenes Geheimnis\u00e2\u20ac\u00a6 Ihr sollt sein, was ihr seht, und sollt empfangen, was ihr seid.\u201c In der Eucharistie gingen die Gl\u00e4ubigen in das \u00fcber, was sie empfingen. \u201eWir empfangen den Leib Christi, um immer deutlicher und glaubw\u00fcrdiger den Leib Christi in dieser Welt darzustellen und zu bilden.\u201c<\/p>\n<p>Die Eucharistie wirke deshalb \u00fcber den Abschluss der liturgischen Feier hinaus, so Algermissen. In der Leibhaftigkeit, die Christi Gegenwart in den eucharistischen Gaben angenommen habe, werde die Kirche von Christus auch weiterhin begleitet. Er gehe sozusagen mit der Kirche auf ihrem Weg in den Alltag, wie es bei der Prozession durch die Stra\u00dfen der Stadt zeichenhaft dargestellt werde. \u201eF\u00fcr katholische Christen h\u00f6rt das Kirche-Sein beim Verlassen des Kirchengeb\u00e4udes nicht auf. Wenn wir teilnehmen d\u00fcrfen an der sakramentalen Feier der Selbsthingabe Jesu Christi f\u00fcr uns Menschen, dann sind wir auch gesandt, uns als lebendige Hostien im Alltag unseres Lebens den Menschen zur Verf\u00fcgung zu stellen.\u201c Der Gottesdienst solle hinauswirken in die Welt, und er wolle vor allem die allt\u00e4glichen Beziehungen der Christen verwandeln. Papst Johannes Paul II. erblickte sogar einen Lebenszusammenhang zwischen der Feier der Eucharistie und der \u00f6ffentlichen Verantwortung, wenn er betone: \u201eWir alle, die an der Hl. Eucharistie teilnehmen, sind dazu aufgerufen, durch dieses Sakrament den tieferen Sinn unseres Handelns in der Welt f\u00fcr Entwicklung und Frieden zu entdecken.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDas katholische Verst\u00e4ndnis sieht in der Feier der Eucharistie und der in ihr dargereichten und empfangenen eucharistischen Gabe eine Wirklichkeit, die nicht nur pers\u00f6nlich \u00e2\u20ac\u0161die Seele mit Gnade erf\u00fcllt\u00e2\u20ac\u2122, sondern die Kirche konstituiert\u201c, hob Bischof Algermissen hervor. Darin schlie\u00dfe es sich an Paulus an, der im Brechen des einen Brotes und im Teilen des einen Kelches den Leib Christi, also die Kirche dargestellt wisse. Die grundlegende Aussage dazu finde sich im 1. Korintherbrief: \u201eIst der Kelch des Segens, \u00fcber den wir den Segen sprechen, nicht Teilhabe am Blut Christi? Ist das Brot, das wir brechen, nicht Teilhabe am Leib Christi? Ein Brot ist es, darum sind wir viele ein Leib; denn wir alle haben teil an dem einen Brot\u201c.<\/p>\n<p>Die tiefe Sicht des unl\u00f6sbaren Zusammenhangs zwischen kirchlicher Gemeinschaft und eucharistischer Gemeinschaft sei in der V\u00e4tertheologie und in der nachfolgenden Tradition festgehalten, sagte der Bischof mit Nachdruck. So k\u00f6nne Thomas von Aquin sagen: \u201eEcclesia subsistit in Eucharistia\u201c, was frei \u00fcbersetzt so viel hei\u00dfe wie: \u201eIn der Feier der Eucharistie verwirklicht sich Kirche in dichtester Weise.\u201c Katholisches Denken k\u00f6nne sich Kirche nie ohne den erh\u00f6hten Christus vorstellen. Nat\u00fcrlich blieben Christus und die Kirche geschieden, aber sie seien nicht so zu trennen, als ob die Kirche ohne ihr Haupt bestehen k\u00f6nnte. Die Kirche lebe aus der bleibenden Gegenwart des erh\u00f6hten Christus, der sich in der eucharistischen Gabe aus den an ihn Glaubenden st\u00e4ndig neu seine Kirche, seinen \u201eLeib\u201c, schaffe. \u201eAus dieser sakramentalen Christusgemeinschaft erw\u00e4chst also, wie Paulus sagt, die Gemeinschaft der daran Teilhabenden.\u201c<\/p>\n<p>\u201eNach katholischem Verst\u00e4ndnis ist die Feier der Eucharistie Darstellung des Wesens der Kirche\u201c, rief Algermissen in Erinnerung. Christus schaffe sich in diesem heiligen Zeichen seine Kirche immer wieder neu. Er sammle sie in allen Generationen gleichsam \u201ehinter\u201c sich, um alle zum Vater zu f\u00fchren. Wo Getaufte und an Christus Glaubende, um den Bischof oder den Priester geschart, Eucharistie feierten, da sei Kirche, und wo Kirche sei, da werde Eucharistie gefeiert, schloss Algermissen.<\/p>\n<p>Der Fuldaer Domchor unter Leitung von Franz-Peter Huber sang in dem Gottesdienst Teile aus der \u201eMissa Dominicalis\u201c von W. Menschick sowie Chors\u00e4tze von C. Franck und C. Saint-Sa\u00c3\u00abns und weitere Chor\u00e4le im Wechsel mit der Gemeinde. Die Orgel spielte Domorganist Prof. Hans-J\u00fcrgen Kaiser. An den Alt\u00e4ren wirkte neben einer Bl\u00e4sergruppe auch der Domchor mit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Fulda (bpf). Mit Gottesdiensten und Prozessionen feierten die Katholiken am Donnerstag das Fronleichnamsfest. Eine der gr\u00f6\u00dften Fronleichnamsprozessionen in Hessen fand in Fulda statt, wo das Fest seit \u00fcber 700 Jahren begangen wird. 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