{"id":9431,"date":"2008-05-20T20:39:19","date_gmt":"2008-05-20T18:39:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=9431"},"modified":"2008-05-20T20:39:19","modified_gmt":"2008-05-20T18:39:19","slug":"sternstunde-konzert-des-apollo-trio-in-kleinsassen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=9431","title":{"rendered":"&#8220;Sternstunde&#8221; &#8211; Konzert des Apollo-Trio in Kleinsassen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Kleinsassen. <\/strong>Wenn man das Gl\u00fcck hat, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein, kann man noch Sternstunden erleben und davon genie\u00dfen. So am vergangenen Sonntag in der Kunststation in Kleinsassen anl\u00e4sslich eines Konzertes des Apollo Trios, bestehend aus Alexander Urvalov am Klavier, Wladimir Pletner an der Geige und Jochen Fuchs am Violoncello, alle drei Meister auf ihrem Instrument.<!--more--><\/p>\n<p>Sie boten ein interessantes Programm mit weniger bekannten Werken gut bekannter Komponisten, und zwar mit dem Trio \u00e9l\u00e9giaque Nr.1 von Sergej Rachmaninoff, den Variationen \u00fcber das Thema \u201cIch bin der Schneider Kakadu\u201c op.121a. Nach der Pause spielten sie die Klaviertrios von Claude Debussy und das Trio Nr. 1 op. 8 von Dmitri Schostakowitsch. Abgesehen von den Variationen Beethovens alles Jugendwerke, denen man aber schon unschwer das Genie der Urheber anmerken konnte.<\/p>\n<p>Der Cellist f\u00fchrte, gest\u00fctzt auf eine fundierte Vorbereitung \u00fcber die Hintergr\u00fcnde der Entstehungsgeschichte der einzelnen Werke, erl\u00e4uternd durch das Programm. Teilweise mit kurzen H\u00f6rbeispielen versehen, wurden dem Publikum so Hilfen geboten, besser in die Musikst\u00fccke einzusteigen.<\/p>\n<p>Schon von den ersten Momenten an \u00fcberzeugte das homogen aufeinander abgestimmte Trio durch sein differenziertes Klangfarbenspektrum. Die emotionalen H\u00f6hen und Tiefen dieses eher schwerm\u00fctigen eins\u00e4tzigen Trios von Rachmaninoff wurden mit wohl abgemessenem Pathos gef\u00fchlvoll ausgelotet.<\/p>\n<p>Mit der sprankelnd-lebhaften Interpretation von Beethovens Variationen stellten die drei Musiker ihr klassisches Stilgef\u00fchl unter Beweis. Mit Brillanz und perfektem Zusammenspiel \u00fcberzeugten sie das Publikum von ihrer Virtuosit\u00e4t. Wenn man bedenkt, welche Ehre der &#8211; in totale Vergessenheit geratenen &#8211; Oper \u201cDie Schwestern von Prag\u201c von Wenzel M\u00fcller, welcher Beethoven das Thema f\u00fcr seine Komposition entlehnt hat, hierdurch zu Teil wird, muss man all jene Komponisten bedauern, die unter dem Schutz der heutigen Urheberrechte ihr geistiges Eigentum gegen Diebstahl verteidigen.<\/p>\n<p>Mit pastellenen Klangfarben, kontrastiert mit sp\u00e4t romantischen Gef\u00fchlsausbr\u00fcchen, zauberten die Musiker in Debussys Klaviertrio genau das Spannungsfeld, in welchem Debussy sich in dieser Schaffensperiode befand, n\u00e4mlich noch seinen Vorbildern aus der Romantik verpflichtet einerseits, und andererseits schon erf\u00fcllt von seinem Genius, der ihm den Ruf \u201cdes\u201c impressionistischen Komponisten schlechthin eintragen sollte.<\/p>\n<p>Den fulminanten Abschluss, wenn man von den zwei Zugaben, mit denen die H\u00f6rerschaft f\u00fcr ihren warmherzigen Applaus belohnt wurde, absieht, bildete das ebenfalls eins\u00e4tzige Trio von Schostakowitsch. Wie auch sein zweites Trio, ist es bereits zyklisch angelegt, erinnert aber eher an seine Karriere als Filmmusiker, als dass es schon von dem Lebensernst zeugt, der aus seinen sp\u00e4teren Werken spricht.<\/p>\n<p>Die drei Musiker, die nicht zum ersten Mal Gast in der Kunststation waren, \u00fcberzeugten wieder einmal mit ihrem K\u00f6nnen, Alexander Urvalov als versierter Pianist zuverl\u00e4ssig, wie man es von ihm gew\u00f6hnt ist und von einer kammermusikalischen Einf\u00fchlsamkeit, die man bei Pianisten nicht oft als selbstverst\u00e4ndlich erwarten kann, Wladimir Pletner mit seinem sowohl virtuosen als auch klangvoll sch\u00f6nem und ausgeglichenem Spiel auf einem \u00fcbrigens von ihm selbst gebauten Instrument und last but not least Jochen Fuchs, der als Cellist nicht nur f\u00fcr das stabile Fundament und die treibende Kraft im Ensemble sorgte, sondern auch alle thematischen Passagen mit seinem warmen Timbre und solistischer Ausdruckskraft belebte.<\/p>\n<p>Als Randbemerkung sei gesagt, dass sich der fr\u00fcherer Landrat Fritz Kramer die Ehre gab, diesem Konzert beizuwohnen. Ich kann nur jedem empfehlen, sich an ihm ein Beispiel zu nehmen und somit von einer bemerkenswerten Kulturinitiative in der Biosph\u00e4renlandschaft mit zu profitieren.\u00c2\u00a0 (Johannes Eisenmeier)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Kleinsassen. Wenn man das Gl\u00fcck hat, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein, kann man noch Sternstunden erleben und davon genie\u00dfen. 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