{"id":93593,"date":"2011-12-09T00:10:37","date_gmt":"2011-12-09T00:10:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=93593"},"modified":"2011-12-09T08:29:06","modified_gmt":"2011-12-09T08:29:06","slug":"sozialminister-stefan-gruttner-altere-menschen-haben-anspruch-auf-wurdiges-leben-im-alter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=93593","title":{"rendered":"Sozialminister Stefan Gr\u00fcttner: &#8220;\u00c4ltere Menschen haben Anspruch auf w\u00fcrdiges Leben im Alter &#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wiesbaden.<\/strong> \u201e\u00c4ltere Menschen haben einen Anspruch auf ein w\u00fcrdiges Leben im Alter. Dazu geh\u00f6rt auch eine fachlich gute, menschenw\u00fcrdige und liebevolle Pflege\u201c, erkl\u00e4rte der Hessische Sozialminister Stefan Gr\u00fcttner anl\u00e4sslich des 4. Dialogforums der \u201eSeniorenpolitischen Initiative\u201c. Experten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft diskutierten im Rahmen der Dialogreihe im Hessischen Sozialministerium \u00fcber das Thema \u201eAmbulante und station\u00e4re Pflege\u201c. \u201ePflege ist eines der gro\u00dfen Zukunftsthemen in unserer Gesellschaft und geh\u00f6rt daher ganz oben auf die politische Tagesordnung \u2013 das haben die Zahlen des Barmer GEK-Pflegereports einmal mehr bewiesen. In einer \u00e4lter werdenden Gesellschaft sind neue L\u00f6sungen in der Pflege unverzichtbar\u201c, betonte Gr\u00fcttner.<!--more--><\/p>\n<p>Eine Schl\u00fcsselbedeutung f\u00fcr die k\u00fcnftige Gestaltung der Pflege werde der neue Pflegebed\u00fcrftigkeitsbegriff haben, der als Ma\u00dfstab f\u00fcr die Feststellung der Pflegebed\u00fcrftigkeit nicht mehr die erforderliche Pflegezeit, sondern die Beeintr\u00e4chtigung der Selbstst\u00e4ndigkeit eines Menschen heranzieht, sagte der Sozialminister. \u201eEs ist aus meiner Sicht wichtig, dass die nun vom Bundesgesundheitsminister in Auftrag gegebenen Pr\u00fcfungen zur Umsetzung des neuen Pflegebed\u00fcrftigkeitsbegriffs schnell angegangen werden und auch m\u00f6glichst rasch zu einem Ergebnis kommen. Klar ist aber auch, dass am Ende dieses Prozesses die vorhersehbare Erkenntnis stehen wird, dass der neue Pflegebed\u00fcrftigkeitsbegriff mehr Geld kosten wird\u201c, hob der Minister hervor. Eine \u00e4lter werdende Gesellschaft werde bereit sein m\u00fcssen, mehr in die Pflege zu investieren, wenn sie umfassend abgesichert und unterst\u00fctzt werden wolle.<\/p>\n<p><strong>Pr\u00e4vention und Rehabilitation statt Pflege<\/strong><\/p>\n<p>Unabdingbar sei es auch, die gesundheitlichen Pr\u00e4vention und Rehabilitation in einer \u00e4lter werdenden Gesellschaft st\u00e4rker in den Blick zu nehmen. \u201ePr\u00e4vention und Rehabilitation m\u00fcssen im Gesundheitswesen noch mehr Gewicht erhalten\u201c, forderte der Minister. Insbesondere Bewegung und Ern\u00e4hrung h\u00e4tten ganz entscheidenden Einfluss auf beinahe alle h\u00e4ufig auftretenden Krankheiten bei \u00e4lteren Menschen. \u201ePr\u00e4vention kann Pflegebed\u00fcrftigkeit verhindern, zeitlich aufschieben oder in ihren Auswirkungen begrenzen. Gleiches gilt f\u00fcr die Rehabilitation, die gerade f\u00fcr \u00e4ltere Menschen ein Weg sein kann, ihre gesundheitliche Situation zu verbessern und sich damit die Selbstst\u00e4ndigkeit in ihrer Lebensf\u00fchrung erhalten\u201c, so Staatsminister Gr\u00fcttner. \u201eWir stehen daher vor der Aufgabe, entsprechende Angebote weiter auszubauen, so dass sie fl\u00e4chendeckend erreichbar sind \u2013 zudem m\u00fcssen diese Angebote noch besser bekannt gemacht werden, und nicht zuletzt m\u00fcssen wir Menschen motivieren, diese auch zu nutzen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Ambulant vor station\u00e4r: H\u00e4usliche Pflege st\u00e4rken<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDie Mehrzahl der Seniorinnen und Senioren w\u00fcnscht sich, m\u00f6glichst in der vertrauten Umgebung des eigenen Heims alt zu werden\u201c, stellte der Minister weiterhin fest. In vielen F\u00e4llen sei das Leben zu Hause aber nur dann m\u00f6glich, wenn Angeh\u00f6rige Pflegeaufgaben \u00fcbernehmen und ambulante Unterst\u00fctzungsdienste verf\u00fcgbar sind. \u201eEine gro\u00dfe Zahl von Angeh\u00f6rigen zeigt hier einen unglaublichen, h\u00e4ufig physisch wie psychisch schwierigen Einsatz. Dies ist ein wahrer Segen f\u00fcr die pflegebed\u00fcrftigen Menschen. Ohne diese engagierten Angeh\u00f6rigen werden wir in Zukunft den Pflegebedarf nicht abdecken k\u00f6nnen\u201c, hob Staatsminister Gr\u00fcttner hervor.<\/p>\n<p>\u201ePflegende Angeh\u00f6rige m\u00fcssen deshalb verst\u00e4rkt unterst\u00fctzt werden, sei es durch den Ausbau ambulanter Dienste, durch M\u00f6glichkeiten der Kurzzeit-, Tages- oder Verhinderungspflege, durch bessere Beratung, durch M\u00f6glichkeiten der eigenen Erholung und Rehabilitation oder auch durch eine Verbesserungen bei der rentenrechtlichen Absicherung von Pflegepersonen\u201c, so der Minister. Dabei sei auch zu beachten, dass aufgrund ver\u00e4nderter Familienstrukturen der Einsatz von Angeh\u00f6rigen in der Pflege k\u00fcnftig nicht mehr im bisherigen Ma\u00df zu Verf\u00fcgung stehen wird. \u201eDeshalb werden neue, zus\u00e4tzliche Unterst\u00fctzungsstrukturen notwendig sein, zum Beispiel das Zusammenwirken von pflegenden Angeh\u00f6rigen, professioneller Pflege und ehrenamtlichen Pflegebegleitern\u201c, erkl\u00e4rte Sozialminister Gr\u00fcttner. \u201eDas Prinzip \u00e2\u20ac\u0161ambulant vor station\u00e4r\u00e2\u20ac\u02dc muss innovativ weiter gedacht werden, um passgenaue L\u00f6sungen f\u00fcr Pflegebed\u00fcrftige und ihre Familien anbieten zu k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Drei Viertel (75,2 Prozent) aller Pflegebed\u00fcrftigen in Hessen werden zu Hause versorgt, davon die gro\u00dfe Mehrheit ausschlie\u00dflich durch Angeh\u00f6rige. Nur in gut jedem vierten Fall ist ein Pflegedienst unterst\u00fctzend mit im Boot. Nur in jedem zehnten Fall werden Angebote der Kurzzeitpflege oder Tagespflege genutzt. \u201eAngesichts dessen m\u00fcssen wir noch besser \u00fcber Leistungsanspr\u00fcche und m\u00f6gliche Leistungen informieren\u201c, forderte der Minister. Mit dem Aufbau von Pflegest\u00fctzpunkten in fast allen hessischen Kommunen als wohnortnahe Anlaufstellen in allen Fragen rund um die Pflege seien in Hessen daf\u00fcr gute Bedingungen geschaffen worden.<\/p>\n<p><strong>Demenz<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDie vorliegenden Pflegereport-Zahlen zeigen auch: Innerhalb der Pflege wird Demenz zuk\u00fcnftig das gro\u00dfe Thema sein\u201c, so Sozialminister Gr\u00fcttner. Demenz f\u00fchre fast zwangsl\u00e4ufig auch zur Pflegebed\u00fcrftigkeit, sei \u00fcberdies mit intensiveren und l\u00e4ngerfristigen Pflegeverl\u00e4ufen und daher mit h\u00f6herem medizinischen und pflegerischen Aufwand verbunden.<\/p>\n<p>\u201eDie anstehende Pflegereform auf Bundesebene bietet die Chance, insbesondere die Situation von Demenzkranken und ihrer Angeh\u00f6rigen deutlich zu verbessern. Demenzpatienten m\u00fcssen k\u00fcnftig im System der Pflegeversicherung st\u00e4rker ber\u00fccksichtigt werden\u201c, forderte der Minister. Bislang fielen diese in den Anfangsstadien der Erkrankung oftmals heraus und h\u00e4tten kein Anrecht auf Pflegeleistungen, obwohl schon zu diesem Zeitpunkt erheblicher Unterst\u00fctzungs- oder Betreuungsbedarf bestehe. \u201eDies m\u00fcssen wir dringend \u00e4ndern\u201c, so Staatsminister Gr\u00fcttner. Es sei daher ein wichtiges Signal der Bundesregierung, dass bereits im Vorgriff auf die Einf\u00fchrung eines neuen Pflegebed\u00fcrftigkeitsbegriffs erhebliche Verbesserungen f\u00fcr Demenzpatienten vorgesehen sind. Vor allem Demenzkranke, die noch gar keine oder nur geringf\u00fcgige Leistungen erhalten, k\u00f6nnten davon profitieren. Dies w\u00e4re ein erster wichtiger Schritt.<\/p>\n<p>Andere Fragestellungen seien zum Beispiel die Gestaltung von geeigneten Lebensr\u00e4umen f\u00fcr Demenzkranke in der Kommune oder dem Stadtteil, die Sensibilisierung der Bev\u00f6lkerung und bestimmter Berufsgruppen f\u00fcr deren Bed\u00fcrfnisse, die Umgestaltung von Wohnraum oder auch die M\u00f6glichkeiten der Demenzdiagnose und die Chancen einer fr\u00fchzeitigen Behandlung. Au\u00dferdem seien neue M\u00f6glichkeiten der Tagesbetreuung f\u00fcr Demenzkranke mit geringem somatischem Pflegebedarf erforderlich.<\/p>\n<p><strong>Pflege braucht qualifiziertes Personal<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDie Herausforderung Pflege k\u00f6nnen wir nur dann erfolgreich meistern, wenn wir auch ausreichend Fachkr\u00e4fte finden\u201c, erkl\u00e4rte der Minister weiterhin. Nach den Ergebnissen des hessischen Pflegemonitors besteht auch in Hessen ein gro\u00dfer Fachkr\u00e4ftebedarf, der sich regional jedoch unterschiedlich darstellt. Neben Mangelsituationen gibt es in manchen Regionen auch \u00dcberh\u00e4nge. Hessenweit fehlen danach in Krankenh\u00e4usern, Rehakliniken und bei ambulanten und station\u00e4ren Einrichtungen insgesamt 4.119 Pflegefachkr\u00e4fte (1.997 Altenpfleger\/innen und 2.122 Gesundheits- und Krankenpflegekr\u00e4fte). Aufgrund des demografischen Wandels ist nach heutigen Erkenntnissen zu erwarten, dass der Besch\u00e4ftigtenbestand f\u00fcr die ambulante und station\u00e4re Altenpflege bis 2020 um 1.828 Altenpflegefachkr\u00e4fte und um 1.308 Gesundheits- und Krankenpflegekr\u00e4fte erweitert werden muss, um so die bestehende Versorgungsqualit\u00e4t beizubehalten.<\/p>\n<p>Dass bereits unternommene Anstrengungen hier in Hessen Erfolg haben, zeigen die Ergebnisse des Pflegemonitors ebenfalls. Demnach hat sich die Ausbildungssituation bei den Pflegeberufen seit 2008 positiv entwickelt. Bei den ambulanten Diensten ebenso wie den station\u00e4ren Einrichtungen steigerte sich der Anteil ausbildender Betriebe. \u201eF\u00fcr diesen hohen Ausbildungseinsatz der Einrichtungen bin ich \u00fcberaus dankbar\u201c, erkl\u00e4rte der Minister.<\/p>\n<p>Das Land Hessen leiste seit Jahren einen wichtigen Beitrag, indem es die Finanzierung des schulischen Anteiles der Ausbildung und des dritten Weiterbildungsjahrs bei Bildungsgutscheinen der Arbeitsverwaltung sicherstellt. Im Sommer 2011 wurde zudem die Zahl der in Hessen zur Verf\u00fcgung gestellten Schulpl\u00e4tze von 3.500 auf 4.000 erh\u00f6ht. Somit werde sichergestellt, dass zus\u00e4tzliche Interessenten, die z.B. durch die laufenden Werbekampagnen der Liga und des Bundesverbandes privater Anbieter sowie durch arbeitsmarktpolitische Zug\u00e4nge geworben werden, ihre Ausbildung beginnen k\u00f6nnen. Dar\u00fcber hinaus setze sich das Land Hessen im Rahmen der Debatten zur Pflegereform f\u00fcr die Einf\u00fchrung einer gemeinsamen Ausbildung in der Kranken- und Altenpflege ein, verbunden auch mit neuen Kostenregelungen, um die Attraktivit\u00e4t des dann erweiterten Berufsfelds zu erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>\u201eNeben den Anstrengungen im Ausbildungsbereich muss es aus meiner Sicht k\u00fcnftig besonders auch darum gehen, Arbeits- und Rahmenbedingungen in der Pflege so zu gestalten, dass das Berufsfeld insgesamt attraktiver wird, dass Belastungen abgebaut werden und dass somit z.B. die Pflegekr\u00e4fte l\u00e4nger im Beruf verbleiben k\u00f6nnen. Auch der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird gro\u00dfe Bedeutung zukommen\u201c, so Sozialminister Gr\u00fcttner.<\/p>\n<p><strong>Hintergrundinformationen zur \u201eSeniorenpolitischen Initiative\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Im Rahmen der \u201eSeniorenpolitischen Initiative\u201c der Hessischen Landesregierung veranstaltet das Hessische Sozialministerium eine Dialogreihe mit Verb\u00e4nden, Organisationen und Institutionen aus dem sozial-, gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Bereich. In den Foren werden die aktuelle Situation der Seniorinnen und Senioren in Hessen beleuchtet und zuk\u00fcnftige Herausforderungen vor dem Hintergrund des demografischen Wandels analysiert. Die Veranstaltungsreihe bezieht sich auf ausgew\u00e4hlte Aspekte der Seniorenpolitik, die den Gro\u00dfteil der \u00e4lteren Menschen betreffen und geeignet sind, die differenzierten Bed\u00fcrfnisse und Interessen der Seniorinnen und Senioren transparent zu machen.<\/p>\n<p>Informationen im Internet: <a href=\"http:\/\/www.hsm.hessen.de\" target=\"_blank\">www.hsm.hessen.de<\/a> (Senioren \/ Seniorenpolitische Initiative)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Wiesbaden. \u201e\u00c4ltere Menschen haben einen Anspruch auf ein w\u00fcrdiges Leben im Alter. Dazu geh\u00f6rt auch eine fachlich gute, menschenw\u00fcrdige und liebevolle Pflege\u201c, erkl\u00e4rte der Hessische Sozialminister Stefan Gr\u00fcttner anl\u00e4sslich des 4. Dialogforums der \u201eSeniorenpolitischen Initiative\u201c. 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