{"id":9253,"date":"2008-05-11T00:23:19","date_gmt":"2008-05-10T22:23:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=9253"},"modified":"2008-05-10T22:51:06","modified_gmt":"2008-05-10T20:51:06","slug":"wie-anders-sind-jungen-psychologe-tim-rohrmann-warb-fuer-geschlechts-bewusste-paedagogik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=9253","title":{"rendered":"Wie anders sind Jungen? Psychologe Tim Rohrmann warb f\u00fcr &#8220;geschlechts-bewusste&#8221; P\u00e4dagogik"},"content":{"rendered":"<p><a rel=\"lightbox[roadtrip]\" href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2008\/05\/rohrmannjungenandersja02.jpg\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-9260\" title=\"rohrmannjungenandersja02\" src=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2008\/05\/rohrmannjungenandersja02-128x85.jpg\" alt=\"\" hspace=\"5\" width=\"128\" height=\"85\" align=\"left\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2008\/05\/rohrmannjungenandersja02-128x85.jpg 128w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2008\/05\/rohrmannjungenandersja02.jpg 592w\" sizes=\"(max-width: 128px) 100vw, 128px\" \/><\/a><strong>Vogelsbergkreis.<\/strong> Was w\u00fcnschen sich Jungen in Kindergarten und Grundschule? Und wie w\u00fcnschen sie sich das, was sie da w\u00fcnschen? Ist &#8220;Abgrenzen&#8221; schlimm oder nicht einfach &#8220;normal&#8221;? Wird dieses m\u00e4nnliche Anders-Sein gen\u00fcgend wahrgenommen, und wichtiger noch: wird es verstanden von den Erzieherinnen, von den Lehrerinnen? Leben Jungen und M\u00e4dchen in unterschiedlichen Welten? Mit diesen Fragen besch\u00e4ftigte sich der Psychologe Tim Rohrmann in einem spannenden Vortrag in der Sparkassen-Aula in Lauterbach.<!--more--><\/p>\n<p>Eine Antwort, die sich wie ein roter Faden als Grundthese durch den gesamten zweieinhalbst\u00fcndigen Vortrag zog, lautete: &#8220;Wenn Ungleiches gleich behandelt wird, bleibt es ungleich.&#8221; Abteilungsleiterin Elke Fleischer und Mechthild Hoffmann f\u00fcr das Kollegium der Lehrkr\u00e4fte der Fachschule f\u00fcr Sozialp\u00e4dagogik an der Vogelsbergschule konnten insgesamt 170 in Erziehung und Bildung t\u00e4tige Fachleute und Studierende in der Erzieherausbildung begr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p>Der Autor und Diplom-Psychologe Tim Rohrmann war auf Einladung der Fachschule f\u00fcr Sozialp\u00e4dagogik und der Gleichstellungsbeauftragten der Dekanate Vogelsberg und Alsfeld, Magdalena Pitzer, in Kooperation mit der Fachstelle f\u00fcr Kindertageseinrichtungen im Amt f\u00fcr Jugend, Familie und Sport des Vogelsbergkreises, nach Lauterbach gekommen.<\/p>\n<p>Die Erkenntnis, dass Jungen ein anderes Erleben, andere Vorstellungen und ein anderes Lernverhalten haben als M\u00e4dchen, dass sie eine andere F\u00f6rderung und eine spezifische Wahrnehmung und auch Toleranz ben\u00f6tigen, ist nicht neu. Seit Jahren werden &#8220;spezifische Angebote&#8221; f\u00fcr Jungen gefordert, verbunden mit dem Wunsch einer Erh\u00f6hung der Anzahl m\u00e4nnlicher Erziehender und Lehrender.<\/p>\n<p>Was auch der Fachmann vom Institut f\u00fcr P\u00e4dagogik und Psychologie so sah. Aber Rohrmanns, oft von belebenden &#8220;Mitdenk-Aufgaben&#8221; unterbrochener, Vortrag machte deutlich: das ist es nicht allein. Mehr noch &#8211; er sprach sich klar gegen &#8220;Zusatz-Angebote&#8221; aus, auch wenn sie gut gemeint seien.<\/p>\n<p>Vielmehr m\u00fcsse ein ganzheitlicher, auf die Entwicklung beider Geschlechter orientierter Ansatz her, der die pr\u00e4gende Kraft von Frauen und M\u00e4nnern bewusst einbeziehe. &#8220;Jungen und M\u00e4dchen brauchen M\u00e4nner und Frauen&#8221;, war daher eine seiner Thesen. &#8220;Bessere Bildung f\u00fcr alle&#8221;, forderte Rohrmann unter dem Beifall der Zuh\u00f6rerinnen und Zuh\u00f6rer. Manche Jungen h\u00e4tten tats\u00e4chlich erhebliche Probleme mit ihrer Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung und ihrer sozialen Integration. Aber es gebe sicher nicht &#8220;die&#8221; Jungs.<\/p>\n<p>Tim Rohrmanns Vortrag wurde zum Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine &#8220;geschlechts-bewusste&#8221; P\u00e4dagogik&#8221;. Die Gleichstellungsbeauftragte der Evangelischen Dekanate Vogelsberg und Alsfeld, Magdalena Pitzer hatte in ihren Begr\u00fc\u00dfungsworten sehr \u00e4hnlich von &#8220;geschlechtergerechter Erziehung&#8221; und von &#8220;Gender&#8221; im Alltagshandeln gesprochen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gebe es &#8220;jede Menge Unterschiede&#8221;, die zur Kenntnis genommen, reflektiert und zum Anlass f\u00fcr neues Handeln, f\u00fcr neue Angebote genommen werden m\u00fcssten, so Rohrmann. Dazu k\u00f6nne es durchaus auch einmal richtig sein, bewusst Jungen und M\u00e4dchen zu trennen. Aber eines machte der Psychologe ebenfalls mehrfach deutlich: die Unterschiede innerhalb von gleichgeschlechtlichen Gruppen seien meistens deutlich gr\u00f6\u00dfer als die Unterschiede zwischen den Geschlechtern.<\/p>\n<p>Klar wurde jedoch: es gibt ein &#8220;Unter-sich-sein-Wollen&#8221; und einen Wunsch nach Selbst-Reflexion. Wenn man sie &#8220;lasse&#8221;, bef\u00e4nden sich in Gruppen stets 90  Prozent Jungen oder M\u00e4dchen &#8220;unter sich&#8221;. &#8220;Die Kraft der Gruppe&#8221; d\u00fcrfe f\u00fcr den p\u00e4dagogischen Prozess nicht untersch\u00e4tzt werden.<\/p>\n<p>&#8220;Gender Mainstreaming&#8221; sei der Schl\u00fcssel zum Erfolg, also eine &#8220;durchg\u00e4ngige Orientierung auf die Geschlechtergleichstellung&#8221;, sozusagen als Querschnittsaufgabe, eben nicht nur in P\u00e4dagogik und Bildung. In diesem Zusammenhang freute sich der Fachmann sehr \u00fcber die &#8220;wahrnehmbare Tendenz, dass das Interesse der V\u00e4ter insgesamt w\u00e4chst&#8221;.<\/p>\n<p>&#8220;Genauer hinschauen&#8221;, damit deutlich wird, was sich Jungen w\u00fcnschen, was sie (wirklich) meinen, war ein Appell von Rohrmann in Richtung des Fachpersonals und der Studierenden. Spannender m\u00fcsse es werden, oft handlungsorientierter &#8211; das sei es, was sich Jungen w\u00fcnschen. Und ganz sicher w\u00fcnschen sich Jungen mehr M\u00e4nner in Bildung und Erziehung. Doch auch die M\u00e4dchen brauchen die M\u00e4nner, &#8220;gute Erziehung braucht stets M\u00e4nner und Frauen, auch in der Frage der unerl\u00e4sslichen Vorbilder in der P\u00e4dagogik&#8221;, machte Rohrmann deutlich.<\/p>\n<p>Am Nachmittag wurden die Erkenntnisse in Workshops vertieft. Darin ging es unter anderem um folgende Themen: &#8220;Was brauchen Jungen?&#8221;, &#8220;Mehr v\u00e4terliche Pr\u00e4sens&#8221;, &#8220;Interkulturelle Kommunikation&#8221;, &#8220;Wie leben und lernen Jungen?&#8221;, &#8220;Jungenarbeit in Jugendhilfe und Fr\u00fchf\u00f6rderung&#8221;.<\/p>\n<p>Die Kongress-Teilnehmer wurden &#8220;f\u00fcrstlich&#8221; bewirtet von den Auszubildenden des Fachbereichs Gastronomie der Vogelsbergschule.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Vogelsbergkreis. Was w\u00fcnschen sich Jungen in Kindergarten und Grundschule? Und wie w\u00fcnschen sie sich das, was sie da w\u00fcnschen? Ist &#8220;Abgrenzen&#8221; schlimm oder nicht einfach &#8220;normal&#8221;? Wird dieses m\u00e4nnliche Anders-Sein gen\u00fcgend wahrgenommen, und wichtiger noch: wird es verstanden von den Erzieherinnen, von den Lehrerinnen? Leben Jungen und M\u00e4dchen in unterschiedlichen Welten? 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