{"id":91953,"date":"2011-10-23T00:05:24","date_gmt":"2011-10-23T00:05:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=91953"},"modified":"2011-10-23T08:46:16","modified_gmt":"2011-10-23T08:46:16","slug":"fotos-die-zum-nachdenken-anregen-fotoausstellung-der-deutschen-palliativstiftung-im-stadtschloss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=91953","title":{"rendered":"\u201eFotos, die zum Nachdenken anregen\u201c &#8211; Fotoausstellung der Deutschen PalliativStiftung im Stadtschloss"},"content":{"rendered":"<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-91954\" title=\"Kalender-Titelbild\" src=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/Kalender-Titelbild.jpg\" alt=\"\" width=\"560\" height=\"419\" \/><\/p>\n<p><strong>Fulda.<\/strong> Dort, wo sonst Mitarbeiter der Fuldaer Stadtverwaltung unterwegs sind und Touristen vorbeilaufen, die auf dem Weg zu den historischen R\u00e4umen des Stadtschlosses sind, ist nun bis 29. Oktober eine ungew\u00f6hnliche Ausstellung der Deutschen PalliativStiftung zu sehen. Sie zeigt Fotomotive zum Thema \u201eSterben\u201c \u2013 und sie regt zur kontroverser Debatte an.<\/p>\n<p>Das zeigte sich schon bei der gut besuchten Vernissage am Donnerstagabend. \u201eWir haben schon h\u00e4ufiger einige besondere Themen in der Galerie vor den Spiegels\u00e4len gezeigt \u2013 wie zuletzt ,Kunst im Knast\u00e2\u20ac\u02dc , aber eine Fotoausstellung, die sich mit dem Thema Sterben besch\u00e4ftigt, hatten wir noch nie\u201c, sagte Oberb\u00fcrgermeister Gerhard M\u00f6ller bei seiner nachdenklichen Ansprache. Den Hausherrn des Stadtschlosses lie\u00dfen die ausdrucksstarken Fotografien aus einem bundesweit ausgeschriebenen Wettbewerb mit den beiden Kategorien \u201eStillleben\u201c und \u201eMenschen\u201c nicht unber\u00fchrt.<\/p>\n<p>\u201eEs sind Bilder, die einen in ein Thema reinziehen, das man gerne verdr\u00e4ngt. Sie regen zum Nachdenken an, auch \u00fcber die eigene Sterblichkeit, und sie werden sicherlich zu kontroversen Begegnungen und Reaktionen f\u00fchren\u201c, so M\u00f6ller.\u00c2\u00a0 Der Oberb\u00fcrgermeister w\u00fcnschte der in Fulda ans\u00e4ssigen Deutschen PalliativStiftung (DPS) weitere Aufmerksamkeit durch die Ausstellung und eine gute Verbreitung des PalliativKalenders 2012, der an diesem Abend als ein Ergebnis des Fotowettbewerbs pr\u00e4sentiert wurde.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/Vernissage_2.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-91955\" title=\"Vernissage_2\" src=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/Vernissage_2-265x163.jpg\" alt=\"\" width=\"265\" height=\"163\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/Vernissage_2-265x163.jpg 265w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/Vernissage_2.jpg 592w\" sizes=\"(max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a>Thomas Sitte, Vorstandsvorsitzende der DPS, zeigte sich sehr \u00fcberrascht \u00fcber die gro\u00dfe Resonanz, auf die die Vernissage gesto\u00dfen war, \u2013 und war gleichzeitig zur \u201eImprovisation\u201c gezwungen: Denn Jurymitglied und Fotograf Arnulf M\u00fcller, der die Laudatio f\u00fcr die beiden Preistr\u00e4ger halten und die Bildauswahl der Jury erl\u00e4utern wollte, konnte\u00c2\u00a0 wegen eines versp\u00e4teten Urlaubsfliegers nicht anwesend sein. Sitte nahm diese Herausforderung sportlich \u2013 und verglich die Situation mit der\u00c2\u00a0 Krisenbew\u00e4ltigung in der Palliativversorgung, wo man auch st\u00e4ndig mit neuen Unw\u00e4gbarkeiten und \u00dcberraschungen rechnen m\u00fcsse. \u201eIn der t\u00e4glichen Arbeit von Palliativteams passiert in der Regel immer etwas Unerwartetes, und man muss immer spontanen reagieren. Daher werden wir das auch heute Abend meistern, dass neben Arnulf M\u00fcller auch seine beiden Jurykollegen Dr. Ingrid Chiari sowie J\u00fcrgen Goldbach wegen Krankheit nicht kommen k\u00f6nnen\u201c, sagte Sitte.<\/p>\n<p>Er erinnerte sich an die Sitzung der Jury, bei der er immer mal wieder neugierig gelauscht und aussortierte Bilder wegger\u00e4umt habe. \u201eDie Jurymitglieder haben zun\u00e4chst alle Fotos aussortiert \u2013 auch hervorragend aufgenommene \u2013 , die eine zu eindeutige Symbolik wie Kreuze oder Sonnenunterg\u00e4nge zeigten. Denn die Absicht der Jury war es, Fotos mit ungew\u00f6hnlichen und\u00c2\u00a0 vieldeutig interpretierbaren Motiven zu zeigen\u201c, erl\u00e4uterte Sitte und f\u00fcgte hinzu: \u201eDas Ergebnis ist: Es sind sehr sch\u00f6ne Bilder darunter, aber auch irritierende Aufnahmen sowie Fotos, die sich dem Betrachter erst auf den zweiten oder sogar erst dritten Blick erschlie\u00dfen.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/Vernissage_3.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-91956\" title=\"Vernissage_3\" src=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/Vernissage_3-265x140.jpg\" alt=\"\" width=\"265\" height=\"140\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/Vernissage_3-265x140.jpg 265w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/Vernissage_3.jpg 592w\" sizes=\"(max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a>In einer kurzen Notiz las der Vorstandsvorsitzende dann auch die Begr\u00fcndung der Jury vor, warum sie sich f\u00fcr das Gewinnerbild aus der Kategorie \u201eMenschen\u201c\u00c2\u00a0 entschieden hatte: \u201eDas Bild mit dem Kuss war einfach das Bild, das am meisten ber\u00fchrt. Einerseits tut es weh, weil die Situation schlagartig klar wird: Ein recht junger Mann verliert seine Frau vor der Zeit; vielleicht muss auch eine\u00c2\u00a0Frau Abschied von ihrer\u00c2\u00a0ganzen\u00c2\u00a0Familie nehmen. Das Gesicht der jungen Frau ist von einer schweren Krankheit gezeichnet. \u00c2\u00a0Auf der anderen Seite strahlt das Bild etwas Vers\u00f6hnliches aus: Der Kuss als Symbol der bedingungslosen Zuwendung \u00fcber alles Faktische hinweg. Hier geht es nicht nur um Pflege, sondern um echte Zuwendung.\u00c2\u00a0Und in allem strahlt das Foto eine tiefe Gelassenheit aus. Ein unspektakul\u00e4res Foto, das keinen kaltlassen kann.\u201c<\/p>\n<p>Der Fotograf des Bildes, Palliativmediziner Johannes W\u00fcller aus Aachen, war eigens zur Preisverleihung nach Fulda gereist und nahm den Gewinn in H\u00f6he von 500 Euro entgegen. Er wird ihn gem\u00e4\u00df der Ausschreibung f\u00fcr eine Hospiz- oder Palliativeinrichtung seiner Wahl einsetzen. Thomas Sitte stellte ihm die Frage, die wohl vielen Besuchern unter den N\u00e4geln brannte: \u201eWarum haben Sie in diesem Moment als betreuender Arzt die Kamera auf die Patientin gehalten und den Ausl\u00f6ser gedr\u00fcckt?\u201c<\/p>\n<p>W\u00fcller erl\u00e4uterte: \u201eMit unserem Palliativteam in Aachen versorgen wir im Schnitt 500 Patienten im Jahr. Dabei behandeln wir nicht immer nur die Krankheit und deren Symptome, sondern kommen mit den Menschen und ihren Familien in Kontakt. Wir erleben daher auch sehr sch\u00f6ne Momente.\u201c\u00c2\u00a0 Und da er auch privat sehr viel fotografiere, habe er vor ein paar Jahren \u201eallen Mut zusammengenommen\u201c und gefragt, ob er\u00c2\u00a0 Bilder machen d\u00fcrfe. \u201eUnd mittlerweile habe ich festgestellt, dass diese Fotos auch etwas sehr Bereicherndes f\u00fcr mich selbst sind\u201c, erkl\u00e4rte W\u00fcller und erg\u00e4nzte: \u201eIn diesem Fall war es auch so, dass wir als Palliativteam in eine sehr herzliche Umgebung kamen und die gro\u00dfe Liebe und Zuneigung des jungen Paars ungew\u00f6hnlich deutlich sp\u00fcren und miterleben durften.\u201c<\/p>\n<p>Die Gewinnerin aus der Kategorie \u201eStillleben\u201c, Irmgard Sch\u00e4fer, war extra aus Mainz gekommen, um ihren Scheck entgegenzunehmen. Sie h\u00e4tte ihr Bild, eine mit schroffem Raureif besetzte Klinke eines schmiedeeisernen Tors, fast nicht eingeschickt, erz\u00e4hlte sie. \u201eIch dachte, die Zacken stehen f\u00fcr zu viel Schmerz, und dabei soll die Palliativversorgung doch gerade den Schmerz lindern. Aber dann haben mir Bekannte geraten, es doch zu tun, denn die Palliativmedizin kann ja wie die Sonne die Schmerzzacken zum Schmelzen bringen.\u201c<\/p>\n<p>Die Ausstellung ist noch bis 29. Oktober t\u00e4glich von 10 bis 17 Uhr \u2013 au\u00dfer am Freitag nur von 14 bis 17 Uhr \u2013 vor den Spiegels\u00e4len im Stadtschloss Fulda zu sehen.<\/p>\n<p>INFO:<\/p>\n<p>Der Deutsche PalliativKalender ist f\u00fcr 29 Euro bei der Deutschen PalliativStiftung, Am Bahnhof 2, 36037 Fulda, Telefon (0661)48049797 erh\u00e4ltlich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Fulda. 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