{"id":90801,"date":"2011-09-20T00:14:10","date_gmt":"2011-09-20T00:14:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=90801"},"modified":"2011-09-19T16:36:25","modified_gmt":"2011-09-19T16:36:25","slug":"katholikenrat-berat-uber-dialogprozess-und-jugendreligiositat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=90801","title":{"rendered":"Katholikenrat ber\u00e4t \u00fcber Dialogprozess und Jugendreligiosit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p><strong>Fulda, Geisa, Hanau, Kassel, Marburg.<\/strong> Die Vollversammlung des Katholikenrates tagte am vergangenen Wochenende im Fuldaer Bonifatiushaus. Schwester Dorothee Laufenberg sprach am Freitagabend zum Dialogprozess der bundesdeutsche Kirche \u201eim Heute glauben\u201c. Neben verschiedenen Antr\u00e4gen war am Samstag das Referat von CIG-Chefredakteur Johannes R\u00f6ser \u201eJugend ohne Gott &#8211; Jugend mit Gott\u201c inhaltlicher Schwerpunkt der Veranstaltung. F\u00fcr den Freitagabend hatte sich der Katholikenrat vorgenommen, der Einladung der Deutschen Bisch\u00f6fe zum Dialog \u201eim Heute glauben\u201c zu folgen. \u201eDiese Selbstvergewisserung heute Abend ist f\u00fcr den Katholikenrat der erste Schritt in diesen Dialog\u201c, so Richard Pfeifer bei seiner Einf\u00fchrung in das Thema. Das ehemalige Katholikenrats-Mitglied, die aus Fulda stammende, Steyler Missionsschwester Sr. Dorothee Laufenberg begleitete den Katholikenrat auf diesem Dialog-Weg. <!--more--><\/p>\n<p>In ihrem Vortrag kl\u00e4rte Sr. Dorothee den Dialog-Begriff, Dialog habe neben der personalen, auch eine soziale, politische und geistliche Dimension. Besonders seien im Dialog das Zuh\u00f6ren und Nachdenken gefragt. Ziel eines echten Dialogs sei, das Gegen\u00fcber zu verstehen. Echter Dialog ziele auf Entwicklung. Wichtiger Impuls der Bisch\u00f6fe sei, bei der Dialoginitiative nicht im Innerkirchlichen stecken zu bleiben, sondern auf die Welt zuzugehen. Der von den Bisch\u00f6fen angesto\u00dfene Dialog sei eine besonders anspruchsvolle Form menschlicher Kommunikation. Dialog geh\u00f6re zum Wesen menschlicher Identit\u00e4t und st\u00e4rke die Zugeh\u00f6rigkeit zu einer \u201eVerst\u00e4ndigungsgemeinschaft\u201c. Sr. Dorothee forderte die Katholikenratsmitglieder auf, selbstbewusst ihrer Rolle als gew\u00e4hlte Vertreter der R\u00e4te und Verb\u00e4nde gerecht zu werden. \u201eIhr seid die Kirche\u201c! sagte die Referentin.<\/p>\n<p>In ihrer geistlichen Besinnung \u00fcber die Bergpredigt wies Sr. Dorothee darauf hin, dass alle Talente, die Christen in das Wachstum der Gemeinde vor Ort einbringen, von Gott gesegnet seien. Sr. Dorothee rief im Sinne von Alfred Delp dazu auf, dass Kirche sich &#8211; wenn sie eine Zukunft haben will &#8211; auf den Dienst am Menschen besinnen muss. Es sei notwendig, aufzubrechen und nicht zu verb\u00fcrgerlichen. Nach der Eucharistie am Samstagmorgen mit Generalvikar Prof. Dr. Gerhard Stanke, sprach der Chefredakteur der Herder Zeitschrift \u201eChrist in der Gegenwart\u201c Johannes R\u00f6ser zum Thema \u201eJugend ohne Gott &#8211; Jugend mit Gott\u201c. R\u00f6ser gab eine \u00dcbersicht \u00fcber die Ergebnisse der Shell-Studie 2010 und einer Initiative der Zeitschrift \u201eChrist in der Gegenwart\u201c (CIG), bei der mehr als 200 Schulklassen und \u00fcber 3.000 Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler Antworten und Texte einsandten.<\/p>\n<p>Die \u00f6ffentliche Wahrnehmung der jungen Generation, so R\u00f6ser, falle durchweg positiv aus. Jugendliche werden insgesamt als pragmatisch und leistungsbereit erlebt. Bei Befragungen stehen Werte wie \u201egute Freunde haben\u201c oder \u201eeinen Partner haben, dem man vertrauen kann\u201c ganz oben. Diesem positiven Umfrageergebnis folge aber ein gewaltiger Einbruch auf der Werteskala. 46 % der Jugendliche kommen f\u00fcr sich zu dem Entschluss, dass Gottesglaube f\u00fcr ihr Leben unwichtig ist. Noch gravierender werde der Befund, wenn man die Gruppe der Getauften alleine anschaut. Unter den jungen Katholiken neigen bereits 56 % der Auffassung zu, dass Gottesglaube f\u00fcr sie weniger bis gar nicht mehr bedeutsam sei.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund zeigt die CIG-Sch\u00fcler-Umfrage \u201eWas sagt mir \u00e2\u20ac\u0161Gott\u00e2\u20ac\u2122?\u201c einige interessante Differenzierungen. Gott sei, so Johannes R\u00f6ser, f\u00fcr die allermeisten jungen Menschen, die an ihn glauben, wesentlich \u201ePerson\u201c. Er sei erfahrbar &#8211; ein Du &#8211; und habe Bedeutung f\u00fcr das Leben. Gott werde als \u201eKraft\u201c erfahren, die sp\u00fcrbar ist. Er ist \u201ePartner\u201c. \u201eVertrauen\u201c und \u201eSchutz\u201c werden zu Attributen Gottes. Gott trage positive, sympathische Z\u00fcge.<\/p>\n<p>Zum besonderen Kennzeichen des Glaubens Jugendlicher werden viele \u201eWackel\u201c-Bekenntnisse. So \u00e4u\u00dfere ein und dieselbe Person: \u201emanchmal glaube ich, manchmal nicht\u201c. Die Fragw\u00fcrdigkeit menschlichen Lebens und die Widerspr\u00fcchlichkeit der Welt werden von jungen Menschen sehr sensibel wahrgenommen. Sie erkennen die Relativit\u00e4t der Religion und zweifeln am Absolutheitsanspruch des Christentums. Kirchliches und gemeindliches Leben, so das Ergebnis der Umfrage, erweisen sich f\u00fcr die Entwicklung des Gottesglaubens junger Leute so gut wie bedeutungslos. R\u00f6ser weist darauf hin, dass unter anderem das \u201eFehlen &#8211; gerade auch junger Kapl\u00e4ne, die das Lebensgef\u00fchl der jungen Leute teilen und bejahen\u201c \u00e2\u20ac\u00a6 \u201erasch an die Substanz der Glaubensentwicklung oder eben Nicht-Entwicklung junger Leute\u201c gehe. Pastorales \u00e2\u20ac\u2122Business as usual\u00e2\u20ac\u2122 reiche nicht mehr. \u201eEs f\u00fchrt kein Weg daran vorbei: Wer die Jugend christlich gewinnen m\u00f6chte, darf nicht nur missionarisch-propagandistisch Dogmatik predigen, er muss sich um sie in den Abgr\u00fcnden des Religi\u00f6sen durch bestes und sehr viel gutes Personal sorgen, durch Seelsorgerinnen und durch Seelsorger, durch Lehrerinnen und Lehrer.\u201c so R\u00f6ser.<\/p>\n<p>Obwohl der christliche Gottesglaube letztendlich nicht von au\u00dfen komme, sondern von innen wachse, verlange die religi\u00f6se Frage nach R\u00f6sers Worten \u201eenergischste kirchliche Reformanstrengungen\u201c. Die Option f\u00fcr die Jugend bedeute vor allem, f\u00fcr die Gottesahnung Resonanzr\u00e4ume, Bewegungsr\u00e4ume zu schaffen. Dazu m\u00fcsse dann aber jeder Einzelne Verantwortung wagen, heraustreten aus selbstverschuldeter religi\u00f6ser Unm\u00fcndigkeit, aus eigener Ignoranz und Bequemlichkeit. Zu Beginn der Tagung hatte der Vorsitzende des Katholikenrates, Richard Pfeifer, seiner Freude \u00fcber den Besuch des Heiligen Vaters Benedikt XVI. Ausdruck gegeben. Er werde an den Veranstaltungen in Berlin und Freiburg teilnehmen. Den \u00f6ffentlichkeitswirksamen Boykottaufruf von circa 100 Bundestagsabgeordneten bezeichnete Pfeifer als Skandal. Die Stellungnahmen und Resolutionen des Katholikenrates sind auf der Webseite des Bistums abrufbar oder per Mail erh\u00e4ltlich unter <a href=\"mailto:Katholikenrat@bistum-fulda.de\">Katholikenrat@bistum-fulda.de<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Fulda, Geisa, Hanau, Kassel, Marburg. Die Vollversammlung des Katholikenrates tagte am vergangenen Wochenende im Fuldaer Bonifatiushaus. Schwester Dorothee Laufenberg sprach am Freitagabend zum Dialogprozess der bundesdeutsche Kirche \u201eim Heute glauben\u201c. 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