{"id":89987,"date":"2011-09-01T00:51:31","date_gmt":"2011-09-01T00:51:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=89987"},"modified":"2011-09-01T06:54:01","modified_gmt":"2011-09-01T06:54:01","slug":"geschleifte-hofe-ein-dunkles-kapitel-der-ddr-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=89987","title":{"rendered":"Geschleifte H\u00f6fe \u2013 ein dunkles Kapitel der DDR-Geschichte"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/110830_GeschleifteHoefe.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-89988\" title=\"110830_GeschleifteHoefe\" src=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/110830_GeschleifteHoefe-265x176.jpg\" alt=\"\" width=\"265\" height=\"176\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/110830_GeschleifteHoefe-265x176.jpg 265w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/110830_GeschleifteHoefe.jpg 592w\" sizes=\"(max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a>Burghaun. <\/strong>Zwischen 1952 und noch bis in die Mitte der 1980er Jahre lie\u00dfen die DDR-Machthaber entlang der innerdeutschen Grenze hunderte von H\u00e4usern, Geh\u00f6ften, ja ganze Weiler und D\u00f6rfer, dem Erdboden gleichmachen. Diese Ma\u00dfnahmen zur, wie es hie\u00df, \u201eeigenen Sicherheit der Bewohner\u201c vor den \u201eBonner Revanchisten und Aggressoren\u201c gingen einher mit zwei gro\u00df angelegten S\u00e4uberungsaktionen, bei denen rund zw\u00f6lftausend Menschen aus dem Grenzgebiet zwangsumgesiedelt wurden. Mit dem gleichzeitigen massiven Auf- und Ausbau des Sperranlagensystems wurde jeder Fluchtversuch zu einem lebensbedrohenden Unternehmen f\u00fcr alle, die sich diesem System der Einsch\u00fcchterung und Bespitzelung zu entziehen versuchten.<!--more--><\/p>\n<p>An der Buchenm\u00fchle im H\u00fcnfelder Land lassen sich bis heute die Folgen der Teilung Deutschlands besichtigen, verlief doch die innerdeutsche Grenze mitten durch den Hof. Im September 1961 war das Schicksal des auf Th\u00fcringer Seite stehenden einhundert Jahre alten Wohnhauses besiegelt. Vor den Augen der Eigent\u00fcmer und einer fassungslosen \u00d6ffentlichkeit rissen Arbeitstrupps unter Einsatz von schwerem Ger\u00e4t das Geb\u00e4ude nieder. Alle Versuche, auch das Kellergeschoss zum Einsturz zu bringen, scheiterten an dem massiven Kellergew\u00f6lbe. Der Brunnen nahe am Haus wurde mit dem Bauschutt verf\u00fcllt. \u00dcber die Zeiten hin hatte er Mensch und Tier mit\u00c2\u00a0 Wasser versorgt. Welches Ma\u00df an Barbarei und menschenverachtendem Vorgehen muss wohl dahinterstecken, wenn eine lebenserhaltende Quelle aus ideologisch-verbohrten Gr\u00fcnden zugesch\u00fcttet wird?<\/p>\n<p>Auch andernorts im Geisaer Land lassen sich Spuren dieser beispiellosen Abrisswelle, die in den Grenzkreisen der DDR w\u00fctete, deutlich nachvollziehen. Zwischen Wenigentaft und dem M\u00fcckenhof fielen \u00fcber drei\u00dfig H\u00e4user, H\u00f6fe und Weiler, darunter auch Freizeiteinrichtungen, dem staatlich angeordneten Zerst\u00f6rungsterror zum Opfer. Hier und da behauene Steine, Fundamentreste, Obstgeh\u00f6lze, Gedenktafeln und \u00fcberwucherte Trockenmauern in der grenznahen Landschaft markieren Pl\u00e4tze inmitten der Natur. Sie erinnern daran, dass hier einmal Menschen gelebt und gearbeitet haben. Was Kriege nicht vermochten, haben Machtmissbrauch und Machtwillk\u00fcr der DDR-Diktatur mit rigiden und f\u00fcr die Betroffenen dem\u00fctigenden Ma\u00dfnahmen bewirkt: H\u00f6fe mit Jahrhunderte w\u00e4hrender Geschichte wurden vernichtet. M\u00fchlen, die Generationen \u00fcberspannend zur Herstellung von Mehl gedient hatten, fielen sinnloser Zerst\u00f6rung anheim. Geschleift wurden Behausungen, die jahraus, jahrein ihren Bewohnern Schutz und Heimat boten, landschaftspr\u00e4gende und geschichtstr\u00e4chtige Kulturg\u00fcter gingen auf diese Weise f\u00fcr immer verloren.<\/p>\n<p>All diese Vorg\u00e4nge im Geisaer Amt beschreibt eine Dokumentation, die erstmals umfassend und authentisch \u00fcber die Geschichte der geschleiften H\u00f6fe von ihren Urspr\u00fcngen bis in die Gegenwart berichtet. Darin kommen Betroffene und viele andere Zeitzeugen zu Wort, berichten \u00fcber \u00c4ngste und insgeheime Pl\u00e4ne im Falle drohender Zwangsumsiedlung, die gleichbedeutend war mit dem Verlust von Heimat, Hof und geliebter Scholle. Von Menschen ist die Rede, die im Vorfeld geplanter Aktionen ins Fadenkreuz des Ministeriums f\u00fcr Staatssicherheit gerieten. Der wehm\u00fctige Abschied von Haus und Hof angesichts bevorstehender Flucht und der Abriss von Geb\u00e4uden werden mit einer F\u00fclle\u00c2\u00a0 beeindruckender, bisher unver\u00f6ffentlichter Fotoaufnahmen dokumentiert.<\/p>\n<p>Die Autoren Wolfgang Christmann aus Burghaun und der aus Kranlucken im ehemaligen Sperrgebiet stammende Bruno Leister haben es sich zum Ziel gesetzt, die Geschichte der geschleiften H\u00f6fe und das Schicksal der mit ihnen verbundenen Menschen im Geisaer Amt aufzuhellen und erlebbar nachzuvollziehen. Die zeitgeschichtlich wie heimatkundlich bedeutsame Reise beginnt am Ulstersack bei Wenigentaft, f\u00fchrt durch das mittlere Ulstertal nach Reinhards und endet am M\u00fcckenhof. Die Urspr\u00fcnge mancher der behandelten Objekte reichen weit zur\u00fcck in die mittelalterliche Epoche. Zu jedem der Objekte gibt es einen Lageplan und einen Kartenausschnitt. Auf diese Weise lassen sich einzelne Standorte drau\u00dfen auch auf eigene Faust entdecken.<\/p>\n<p>Die 392-setige Dokumentation in Buchform (24 x17 cm Hardcover-Ausgabe\/Hochformat) erscheint in K\u00fcrze unter dem Titel \u201eZur eigenen Sicherheit? &#8211; Geschichte der geschleiften H\u00f6fe und ihrer Bewohner im Geisaer Amt<strong>\u201c <\/strong>und wird am Donnerstag, 8. September, um 18.30 Uhr in der Gedenkst\u00e4tte Point Alpha (Haus auf der Grenze) vorgestellt. Dort ist das Buch k\u00fcnftig in der Buchhandlung \u00e2\u20ac\u212289 erh\u00e4ltlich. Dar\u00fcberhinaus kann der Band \u00fcber den Buchhandel oder \u00fcber die Autorengemeinschaft Christmann\/Leister (Tel. 06652\/4653 bzw. 0170\/3429588 oder 03693\/7110 441) erworben werden. Der Preis betr\u00e4gt 22 Euro.<\/p>\n<p>Foto: KH Burkhardt<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Burghaun. 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