{"id":87287,"date":"2011-06-17T00:18:13","date_gmt":"2011-06-17T00:18:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=87287"},"modified":"2011-06-16T13:10:28","modified_gmt":"2011-06-16T13:10:28","slug":"fuldas-friedhofe-in-der-innenstadt-wo-der-hundeprinz-begraben-liegt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=87287","title":{"rendered":"Fuldas Friedh\u00f6fe in der Innenstadt: Wo der \u201eHundeprinz\u201c begraben liegt"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/110616_Museum.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-87288\" title=\"110616_Museum\" src=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/110616_Museum-265x176.jpg\" alt=\"\" width=\"265\" height=\"176\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/110616_Museum-265x176.jpg 265w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2011\/06\/110616_Museum.jpg 592w\" sizes=\"(max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a>Fulda.<\/strong> Eine Exkursion auf den Friedhof? Im ersten Moment mag dies etwas makaber oder zumindest ungew\u00f6hnlich erscheinen, doch Dr. Udo Lange von der Volkshochschule der Stadt Fulda er\u00f6ffnete den Teilnehmern im Rahmen der Veranstaltungsreihe \u201evhs im Museum\u201c einen v\u00f6llig neuen Blick auf die alten Fuldaer Friedh\u00f6fe. \u201eDie letzten Ruhest\u00e4tten unserer Stadt bieten im Hinblick auf die kultur- und sozialgeschichtliche wie auch \u00f6kologische und geologische Betrachtung viele interessante Aspekte\u201c, erkl\u00e4rte der vhs-Fachbereichleiter zu Beginn im Vonderau Museum. Geschichte werde lebendig, wenn man die Namen wichtiger Pers\u00f6nlichkeiten der Gemeinde \u2013 wie ehemalige B\u00fcrgermeister oder lokale Industrielle \u2013 auf den Grabsteinen den Kontexten zuordnen k\u00f6nne. Heute gibt es in Fulda und seinen Ortsteilen \u00fcber 20 Friedh\u00f6fe. Die historischen letzten Ruhest\u00e4tten seien es aus vielerlei Gr\u00fcnden wert, aus dem \u201eDornr\u00f6schenschlaf\u201c geholt zu werden, so Dr. Lange.<!--more--><\/p>\n<p><strong>\u00c4ltester Friedhof an der Michaelskirche<\/strong><\/p>\n<p>Als im Jahr 744 Sturmius im Auftrag von Bonifatius das erste Kloster gegr\u00fcndet hatte, suchte er auch eine Grablegung f\u00fcr die M\u00f6nche. Dadurch entstand Fuldas \u00e4ltester Friedhof an der Michaelskirche, der im 9. Jahrhundert angelegt und bis etwa 1711 benutzt wurde. Der H\u00fcgel am Michaelsberg eignete sich daf\u00fcr sehr gut, da der Boden dort nicht so feucht war. Als die Siedlung nach und nach wuchs, im 9. Jahrhundert zum Dorf und nach der Verleihung des Marktrechts um 1019 allm\u00e4hlich zur Stadt wurde, stieg auch der Bedarf an Grabst\u00e4tten.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend auf dem Friedhof an der Michaelskirche zuerst nur M\u00f6nche beerdigt werden durften, legte man f\u00fcr die \u00fcbrigen Einwohner den Frauenbergfriedhof und den Friedhof an der Stadtpfarrkirche an. Im 14. Jahrhundert hatten einzelne Z\u00fcnfte \u2013 die Schuster und die Maurer \u2013 das Recht, auf dem Friedhof der Michaelskirche bestattet zu werden. Diese ist n\u00e4mlich auch die Zunftskirche der Schuster. Zu dieser Zeit war es au\u00dferdem f\u00fcr Personen mit hoher sozialer Stellung m\u00f6glich, ihre letzte Ruhest\u00e4tte in der Klosterkirche zu finden. Geh\u00f6rte man aber nicht zur Oberschicht, blieben nur die Friedh\u00f6fe der normalen Kirchen.<\/p>\n<p><strong>Beinh\u00e4user<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend sich die Teilnehmer im Lapidarium des Vonderau Museums Grabdenkm\u00e4ler aus dem 16.-19. Jahrhundert anschauten, die auf dem ehemaligen alten Friedhof gestanden hatten, f\u00fchrte Dr. Lange die Geschichte der Fuldaer Friedh\u00f6fe weiter aus. Ab 1531 sei dann der alte st\u00e4dtische Friedhof vor dem Peterstor dazugekommen, der Dompfarrliche Friedhof sei von 1711 bis 1894 belegt gewesen. Anfang des 16. Jahrhunderts verbreitete sich der Glaube, dass die N\u00e4he der Friedh\u00f6fe zu den Siedlungen ungesund w\u00e4re, so dass viele aus den St\u00e4dten verlagert wurden. Au\u00dferdem waren die vorhandenen Friedh\u00f6fe schnell belegt, so dass\u00c2\u00a0 \u2013 um Platz zu schaffen \u2013 alte Gr\u00e4ber ger\u00e4umt und die Knochen in so genannte \u201eBeinh\u00e4user\u201c gebracht wurden.<\/p>\n<p>\u201eIn der Michaelskirche und bei der Stadtpfarrkirche in der heutigen Nonnengasse gab es beispielsweise ein solches Beinhaus\u201c, erkl\u00e4rte Dr. Lange bei einem Rundgang durch die Stadt. Anhand des Friedhofs am Paulustor verdeutlicht er, mit welch hohe Belegungszahlen die Verantwortlichen damals zu tun hatten: Von 1711 bis 1930 seien dort beinahe 18.000 Menschen beerdigt worden, fast die H\u00e4lfte davon innerhalb von 70 Jahren. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind vielf\u00e4ltig, so zog unter anderem der siebenj\u00e4hrige Krieg lange Hungerjahre nach sich, der Getreidepreis stieg um das Dreifache und die Sterbequote um das Zweifache. \u201eDen jetzigen Hauptfriedhof gibt es seit 1906\u201c, berichtete der vhs-Fachbereichleiter seinen interessierten Zuh\u00f6rern, die sich mit vielen Fragen und auch ihrem eigenen Wissen in die Veranstaltung einbrachten.<\/p>\n<p><strong>Der alte st\u00e4dtische Friedhof<\/strong><\/p>\n<p>Mit Einbruch der D\u00e4mmerung ging es schlie\u00dflich zum alten st\u00e4dtischen Friedhof am Franzosenw\u00e4ldchen in der Goethestra\u00dfe, der von 1531 bis 1877 belegt wurde. Vorbei an der Sandsteinmauer und den zwei Ananaspfeilern am Eingang f\u00e4llt der Blick sofort auf die sp\u00e4tgotische Kapelle, in der heute noch etwa 100 Grabdenkm\u00e4ler zu finden sind. \u201eDieser Friedhof ist wie ein Gang durch die alte fuldische Familien- und Sozialgeschichte\u201c, bemerkte der vhs-Fachbereichsleiter und zeigte den Teilnehmern die imposanten Grabst\u00e4tten von der politischen und geistigen Oberschicht sowie von Industriellen wie der Familie M\u00fcller, R\u00fcbsam oder Bellinger. Dabei ging er auch darauf ein, dass das Bestattungswesen im 19. Jahrhundert vor einigen Problemen stand. Da die Bev\u00f6lkerung Fuldas stark gewachsen war, verk\u00fcrzte man die<\/p>\n<p>Belegungszeiten auf vielen Friedh\u00f6fen stark, um dem Platzmangel entgegenzuwirken. Dies f\u00fchrte allerdings dazu, dass viele Leichen noch nicht vollst\u00e4ndig verwest waren, als man das Grab neu belegen wollte. Au\u00dferdem bereitete der Muschelkalk Schwierigkeiten, der viel Wasser anstaut, das den Boden feucht h\u00e4lt und eine Verwesung verlangsamt. Dadurch kam es h\u00e4ufig zu so genannten \u201eWachsleichen\u201c \u2013 Leichen, die aufgrund dieser suboptimalen Bodenbeschaffenheit nicht komplett verwest sind.<\/p>\n<p>Beim Rundgang \u00fcber den alten Friedhof, auf dem auch ein ehemaliger Oberb\u00fcrgermeister und ein ehemaliger B\u00fcrgermeister beerdigt sind, f\u00e4llt eine Grabst\u00e4tte besonders auf: Zusammen mit seiner Frau liegt hier der Sohn des letzten amtierenden Kurf\u00fcrsten von Hessen, der aufgrund seiner drei Hunde im Volksmund \u201eHundeprinz\u201c genannt wurde, begraben. \u201eIch bin mir sicher, alle Teilnehmer haben erkannt, dass das Thema Friedh\u00f6fe vielschichtig ist und mehr Aufmerksamkeit verdient\u201c, res\u00fcmiert Dr. Lange am Ende der Veranstaltung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Fulda. 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