{"id":86587,"date":"2011-05-31T00:25:41","date_gmt":"2011-05-31T00:25:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=86587"},"modified":"2011-05-30T15:19:58","modified_gmt":"2011-05-30T15:19:58","slug":"bundesweite-rahmenbedingungen-der-organspende-verbessern-tag-der-organspende-am-4-juni-in-frankfurt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=86587","title":{"rendered":"Bundesweite Rahmenbedingungen der Organspende verbessern &#8211; Tag der Organspende am 4. Juni in Frankfurt"},"content":{"rendered":"<p>Wiesbaden. Derzeit warten rund 12.000 schwer erkrankte Menschen in Deutschland auf ein Spenderorgan, allein 8.000 auf eine Niere. Konnten die Patienten auf der Warteliste in 2010 noch Hoffnung sch\u00f6pfen, da in Hessen mit 15,7 Spendern pro eine Million Einwohner so viele Organspender wie noch nie gez\u00e4hlt wurden, so ist die Spenderzahl im ersten Quartal 2011 um beinahe 20 Prozent zur\u00fcck gegangen, dieser Trend ist auch bundesweit auszumachen. Der Hessische Sozialminister Stefan Gr\u00fcttner forderte daher\u00c2\u00a0 in Wiesbaden anl\u00e4sslich des Tags der Organspende, dass sich die bundesweiten Rahmenbedingungen der Organspende verbessern m\u00fcssten. <!--more--><\/p>\n<p>\u201eWir m\u00fcssen zu einer erweiterten Widerspruchsl\u00f6sung kommen\u201c, forderte Gr\u00fcttner. \u201eMit der erweiterten Widerspruchsl\u00f6sung k\u00e4me grunds\u00e4tzlich jeder am Hirntod Verstorbene als Organspender in Betracht \u2013 es sei denn, einer Organentnahme wurde ausdr\u00fccklich durch die jeweilige Person oder deren Angeh\u00f6rige widersprochen. Diese Ma\u00dfnahme w\u00fcrde den zahlreichen betroffenen Patienten auf der Warteliste neue Hoffnung geben.\u201c Die Widerspruchsregelung besteht in den meisten europ\u00e4ischen L\u00e4ndern, unter anderem in Frankreich, Belgien, Luxemburg, \u00d6sterreich, Norwegen, Schweden, Italien und Spanien.<\/p>\n<p>Wie wichtig es ist, die Organspende st\u00e4rker in den Fokus der \u00d6ffentlichkeit und Politik zu r\u00fccken, machte auch Dr. Thomas Beck, Kaufm\u00e4nnischer Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), deutlich und wies erneut auf den eklatanten Mangel an Spenderorganen hin: \u201eDie Situation in Deutschland k\u00f6nnte kaum dramatischer sein. Alle acht Stunden stirbt ein Patient auf der Warteliste und dabei d\u00fcrfen wir nicht l\u00e4nger zusehen. Alarmierend ist vor allem, dass die Organspendezahlen bis April 2011 im Vergleich zum Vorjahr erheblich zur\u00fcckgegangen sind\u201c, betonte Beck. Der Tag der Organspende sei ein Symbol der Dankbarkeit gegen\u00fcber denjenigen Menschen, die sich f\u00fcr eine Organspende entschieden haben, aber auch ein Signal, wie viel man erreichen k\u00f6nnte, wenn alle an einem Strang ziehen und das Thema gemeinsam unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Dreiviertel der Menschen in Deutschland seien laut Umfragen bereit, ein Organ zu spenden, so Sozialminister Gr\u00fcttner, aber nur 25 Prozent dokumentieren ihren Willen in einem Organspendeausweis. \u201eTrotz einer intensiven Aufkl\u00e4rungsarbeit \u00e4ndert sich hieran seit Jahren nichts wesentlich\u201c, erkl\u00e4rte der Minister. Das bedeutet, dass bei 75 Prozent der Verstorbenen, die als Organspender infrage kommen, die Angeh\u00f6rigen entscheiden m\u00fcssen, ob eine Organspende erfolgen soll oder nicht. \u201eMan kann von den Angeh\u00f6rigen nicht verlangen, dass sie gleichzeitig die Todesnachricht verarbeiten und eine Entscheidung zur Organspende im Sinne des Verstorbenen treffen.\u201c Denn dies f\u00fchrt in den meisten F\u00e4llen dazu, dass die Angeh\u00f6rigen eine Organspende ablehnen. \u201eIn Anbetracht der vielen schwerkranken Menschen, deren Leben durch eine Organtransplantation gerettet werden kann, ist die erweiterte Widerspruchl\u00f6sung ein guter Weg.\u201c<\/p>\n<p>Einig waren sich Sozialminister Gr\u00fcttner und DSO-Vorstand Beck darin, dass vor allem auch vom strukturellen Ablauf her ein ganzes Ma\u00dfnahmenb\u00fcndel auf den Weg gebracht werden m\u00fcsse, um die Organspendesituation nachhaltig zu verbessern. Es gehe vor allem darum, die Krankenh\u00e4user mit einzubeziehen. \u201eHier muss im Transplantationsgesetz f\u00fcr eine Verbesserung des strukturellen und organisatorischen Ablaufs bei der Organspende gesorgt werden\u201c, erkl\u00e4rte der Minister. Dazu geh\u00f6re, dass alle Krankenh\u00e4user mit Intensivstation mindestens einen Transplantationsbeauftragten bestellen m\u00fcssen. Die Erfassung m\u00f6glicher Organspender m\u00fcsse verbessert und die Leistung der Krankenh\u00e4user im Bereich Organspende transparenter und vergleichbarer gemacht werden. Im Hinblick darauf sei es aber auch wichtig, dass derzeit gepr\u00fcft werde, ob die Aufwandsentsch\u00e4digung der Krankenh\u00e4user f\u00fcr das Engagement beim Organspendeprozess noch ausreichend ist.<\/p>\n<p>Die DSO fordert bereits seit Jahren, dass die F\u00f6rderung und Steigerung der Organspende als oberstes Ziel in das Transplantationsgesetz aufgenommen wird. Beck wies darauf hin, dass der Knackpunkt nach wie vor die Erkennung potenzieller Organspender in den Krankenh\u00e4usern sei und dass immer noch zu viele Krankenh\u00e4user ihrer Verpflichtung zur Organspende nicht nachk\u00e4men.<\/p>\n<p>\u201eEine fr\u00fchzeitige Beteiligung der Koordinierungsstelle im Organspendeprozess und eine regelhafte Einbeziehung der DSO-Koordinatoren zu den Gespr\u00e4chen mit den Angeh\u00f6rigen sind wichtige Schritte, um die Situation schnell und nachhaltig zu verbessern und gleichzeitig die Krankenh\u00e4user zu entlasten.\u201c Beck sah den Schl\u00fcssel zu mehr Organspenden deshalb in einer aktiveren Rolle der DSO. \u201eDass wir derzeit nur auf Zuruf t\u00e4tig werden d\u00fcrfen, behindert uns bei der Erf\u00fcllung unserer Aufgabe, m\u00f6glichst vielen Patienten mit einer lebensrettenden Transplantation zu helfen.\u201c<\/p>\n<p>Jetzt sei der richtige Zeitpunkt f\u00fcr eine \u00c4nderung, erkl\u00e4rte Gr\u00fcttner. Derzeit setze die Bundesregierung die EU-Richtlinie \u00fcber die Qualit\u00e4ts- und Sicherheitsstandards in der Organspende f\u00fcr das deutsche Transplantationsrecht um.<\/p>\n<p>Tag der Organspende<\/p>\n<p>\u201eRichtig. Wichtig. Lebenswichtig.\u201c lautet das Motto der zentralen Veranstaltung zum bundesweiten Tag der Organspende am 4. Juni, der erstmals in Frankfurt am Main stattfindet. Ziel des Tages der Organspende ist es, einen Ansto\u00df zu geben, um das Thema Menschen nahe zu bringen und ihnen Hilfestellung bei einer Entscheidung f\u00fcr oder gegen eine Organspende zu geben. Dabei steht am Tag der Organspende vor allem die Aufkl\u00e4rung der Bev\u00f6lkerung im Mittelpunkt.<\/p>\n<p>Sozialminister Gr\u00fcttner dankte vor allem den zahlreichen Selbsthilfegruppen, Initiativen und Verb\u00e4nden f\u00fcr ihren unerm\u00fcdlichen Einsatz, die Bev\u00f6lkerung f\u00fcr das Thema Organspende zu sensibilisieren. \u201eEs ist vor allem dem gro\u00dfen Engagement der Selbsthilfeverb\u00e4nde zu verdanken, dass die meisten Menschen der Organspende heute positiv gegen\u00fcberstehen\u201c, lobte Gr\u00fcttner. So ist auch der Tag der Organspende auf Initiative der Patientenverb\u00e4nde entstanden und findet seit 29 Jahren traditionell am ersten Samstag im Juni statt.<\/p>\n<p>Unterst\u00fctzung bekommen die Veranstalter von Prominenten wie dem Schlagers\u00e4nger Roland Kaiser, der selbst dank einer Transplantation wieder mitten im Leben steht und im Sommer seine Comeback-Tournee startet. \u201eJede Entscheidung ist ein weiterer Schritt auf dem Lebensweg. Die Entscheidung f\u00fcr die Transplantation ist ein klares JA zum Leben. Die Entscheidung f\u00fcr Organspende ist auch ein klares JA zum Leben, zum Leben eines Patienten auf der Warteliste. Ich setze mich f\u00fcr das Thema Organspende ein, damit mehr Menschen sich dieser Verantwortung stellen, sich ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzen und am Ende den Mut finden, sich f\u00fcr Organspende zu entscheiden. Ich hatte das Gl\u00fcck, ein solch gro\u00dfartiges Geschenk zu bekommen.\u201c<\/p>\n<p>Ebenso wie Roland Kaiser steht auch Turid Knaak, Fu\u00dfballerin im Kader der U-20 Nationalmannschaft, hinter dem Thema \u2013 vor allem als Sportlerin sieht sie eine Verantwortung gegen\u00fcber ihren Mitmenschen: \u201eIm Sport ist Teamgeist und Fairplay angesagt. Dies ist f\u00fcr mich direkt \u00fcbertragbar auf die Organspende. Die meisten Menschen w\u00fcrden eine Organspende dankbar annehmen, um zu \u00fcberleben. Das bedeutet aber auch, dass jeder selbst Solidarit\u00e4t zeigt, \u00fcber Organspende nachdenkt und f\u00fcr sich eine Entscheidung trifft.\u201c<\/p>\n<p>Die zentrale Veranstaltung zum Tag der Organspende am Samstag, 4. Juni, beginnt mit einem \u00f6kumenischen Dankgottesdienst in der Paulskirche. Gru\u00dfworte sprechen Annette Widmann-Mauz, Parlamentarische Staatssekret\u00e4rin beim Bundesminister f\u00fcr Gesundheit, Dr. Frank-Walter Steinmeier, Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion und die Stadtr\u00e4tin Dr. Manuela Rottmann, Dezernentin f\u00fcr Umwelt und Gesundheit der Stadt Frankfurt am Main.<\/p>\n<p>Auf dem \u201eMarktplatz f\u00fcrs Leben\u201c an der Hauptwache erwartet die Besucher ein vielf\u00e4ltiges Programm \u2013 emotional, informativ und unterhaltsam. Das Thema Organspende wird in allen Facetten beleuchtet. Bei Gespr\u00e4chen mit Experten und Betroffenen, einem begehbaren Herz- und Nierenmodell und bei vielen Aktionen k\u00f6nnen sich die Besucher rundum informieren und die verschiedenen Aspekte der Organspende erleben. F\u00fcr Unterhaltung sorgt das B\u00fchnenprogramm mit der Moderatorin Silvia Stenger von Hit Radio FFH. Bekannte Musiker und K\u00fcnstler wie Pohlmann, Fools Garden, Johannes Scherer, Barry McGuire und John York engagieren sich f\u00fcr das Thema und verleihen der Organspende ihre Stimme. Abschluss des Tages der Organspende ist die BachVesper, ein Gespr\u00e4chskonzert mit Gottesdienst, in der Katharinenkirche.<\/p>\n<p>Breite Unterst\u00fctzung erf\u00e4hrt das Thema auch in den Medien: Begleitet wird die zentrale Veranstaltung von der Kampagne \u201eHessen sagen Ja zur Organspende\u201c von Hit Radio FFH und der Deutschen Stiftung Organtransplantation. Prominente Hessen wie Sonya Kraus oder Bodo Bach konnten f\u00fcr Radiospots, Anzeigen und Gro\u00dffl\u00e4chenplakate gewonnen werden, in denen sie f\u00fcr ein \u201eJa\u201c zur Organspende werben.<\/p>\n<p>Veranstalter in Frankfurt sind die Deutsche Stiftung Organtransplantation, die Stiftung F\u00dcRS LEBEN, die Selbsthilfeverb\u00e4nde Bundesverband Niere, Bundesverband der Organtransplantierten, Lebertransplantierte Deutschland, die Bundeszentrale f\u00fcr gesundheitliche Aufkl\u00e4rung, die Deutsche Transplantationsgesellschaft, TransDia sowie die Jungen Helden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Wiesbaden. Derzeit warten rund 12.000 schwer erkrankte Menschen in Deutschland auf ein Spenderorgan, allein 8.000 auf eine Niere. 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