{"id":85180,"date":"2011-04-28T00:17:00","date_gmt":"2011-04-28T00:17:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=85180"},"modified":"2011-04-28T06:10:21","modified_gmt":"2011-04-28T06:10:21","slug":"birkhuhn-tourismus-und-kernzonen-interview-mit-torsten-raab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=85180","title":{"rendered":"Birkhuhn, Tourismus und Kernzonen &#8211; Interview mit Torsten Raab"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/110426_TorstenRaab.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-85182\" title=\"110426_TorstenRaab\" src=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/110426_TorstenRaab-265x198.jpg\" alt=\"\" width=\"265\" height=\"198\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/110426_TorstenRaab-265x198.jpg 265w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/110426_TorstenRaab.jpg 592w\" sizes=\"(max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a>Rh\u00f6n. <\/strong>Torsten Raab, 41 Jahre alt, verheiratet und drei Kinder, hat jetzt die Nachfolge von Otto Evers angetreten und die Leitung der Hessischen Verwaltungsstelle des Biosph\u00e4renreservats Rh\u00f6n \u00fcbernommen. F\u00fcr seine neue Funktion sieht er konkrete Schwerpunkte \u2013 neben den Themen Landwirtschaft, Energie und Erhalt der Kulturlandschaft beispielsweise eine bessere Tourismusstruktur in der gesamten Rh\u00f6n. Carsten Kallenbach vom Freien Journalistenb\u00fcro der Rh\u00f6n sprach mit ihm.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Herr Raab, welchen Bezug haben Sie eigentlich zur Rh\u00f6n?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Torsten Raab:<\/strong> Ich bin in Neuhof-Hattenhof aufgewachsen und mit dem Blick zur Wasserkuppe gro\u00df geworden. Die Wasserkuppe war f\u00fcr mich der Berg der Rh\u00f6n schlechthin, und auch im Heimatkundeunterricht haben wir uns mit Wasserkuppe und Milseburg besch\u00e4ftigt. Oft sind wir in die Rh\u00f6n gefahren, um dort unsere Freizeit zu verbringen und zu wandern. Als ich sp\u00e4ter an der Uni Gie\u00dfen Agrarwissenschaften und Umweltsicherung studiert habe, hat uns die Forschungsarbeit unter anderem zur Hessischen Verwaltungsstelle des Biosph\u00e4renreservats Rh\u00f6n gef\u00fchrt. Der Bezug zur Rh\u00f6n, und das durchaus L\u00e4nder \u00fcbergreifend, war also schon immer da.<\/p>\n<p><strong>In Ihrer bisherigen Funktion als Welterbemanager haben Sie in einer ganz anderen Region, n\u00e4mlich dem Oberen Mittelrheintal, gearbeitet. Wie wird die Rh\u00f6n dort wahrgenommen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Torsten Raab:<\/strong> Die Rh\u00f6n hat sich seit der Verleihung des Titels zum UNESCO-Biosph\u00e4renreservat sehr gut positioniert. Das Rh\u00f6nschaf kennt am Rhein inzwischen jeder. Auch die Rh\u00f6ner Apfelinitiative ist ein Begriff, und das gilt f\u00fcr viele weitere Projekte. Es wird also schon von au\u00dfen ganz gezielt auf die Rh\u00f6n geschaut, weil sie ein Biosph\u00e4renreservat und damit eine Modellregion ist.<\/p>\n<p><strong>Auf welche Bereiche wollen Sie als Leiter der Hessischen Verwaltungsstelle des Biosph\u00e4renreservats Rh\u00f6n besonderes Augenmerk legen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Torsten Raab:<\/strong> Wir m\u00fcssen unsere erfolgreichen Projekte weiterf\u00fchren und zum Teil neu auf dem Markt positionieren. Wir haben aus meiner Sicht gro\u00dfe St\u00e4rken im Bereich regionaler Produkte. In diesem Zusammenhang betrachte ich die Dachmarke Rh\u00f6n als das wichtigste Glied in der Kette zwischen landwirtschaftlichen Erzeugern und Verbrauchern. Das hei\u00dft, dass wir alles tun sollten, damit diese Rh\u00f6ner Regionalmarke weiterhin professionell und \u00fcber die Grenzen hinweg arbeiten kann. Ein weiterer Bereich ist der Tourismus. Der hat Potential, aber die Strukturen sind wohl noch ausbauf\u00e4hig.<\/p>\n<p><strong>Was meinen Sie damit konkret?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Torsten Raab:<\/strong> Der Trend, in der Rh\u00f6n Urlaub zu machen, ist absolut gegeben. Den d\u00fcrfen wir nicht verschlafen. Leider gehen die aktuellen Zahlen zur\u00fcck. Daher m\u00fcssen wir es schaffen, gute Angebote zu entwickeln und sie entsprechend zu erg\u00e4nzen. Aus meiner Sicht sollten die Touristiker die Ziele verst\u00e4rkt gemeinsam neu definieren, wo der Weg der Rh\u00f6n im Tourismus hinf\u00fchrt, und zwar der der gesamten Rh\u00f6n. Wir m\u00fcssen st\u00e4rker mit L\u00e4nder \u00fcbergreifenden Produkten wie dem Hochrh\u00f6ner werben. Da sind die Touristiker im Zugzwang, aber alle Partner, auch die Verwaltungsstellen des Biosph\u00e4renreservats Rh\u00f6n, m\u00fcssen sie dabei unterst\u00fctzen. Denn dem Tourismus in der Rh\u00f6n kommt als Haupterwerbszweig der Zukunft eine Schl\u00fcsselrolle zu. Als Biosph\u00e4renreservat und Modellregion ist es unsere Aufgabe, entsprechende qualifizierte Arbeitspl\u00e4tze zu erhalten beziehungsweise zu schaffen.<\/p>\n<p><strong>In Ihrem jetzigen Job werden Sie auch mit Problemen konfrontiert, die teilweise sehr kontr\u00e4r in der Region diskutiert werden. Wie gehen Sie damit um?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Torsten Raab:<\/strong> F\u00fcr mich sind der geplante Bau der B 87n, die Biogasanlagen und die Erhaltung des Birkhuhns in der Tat so genannte \u201eProblemfelder\u201c dieses Biosph\u00e4renreservats, die jedoch nicht st\u00e4ndig im Vordergrund der Diskussionen stehen m\u00fcssen, sondern abzuarbeiten sind, ebenso wie beispielsweise die Kernzonenproblematik. Wir m\u00fcssen bei all diesen Themen auch mal Wege gehen, die noch keiner gegangen ist. Beim Birkhuhn m\u00fcssen wir offensiv nach au\u00dfen vermitteln, dass wir alles tun, um diese Art zu erhalten. Nat\u00fcrlich kann es am Ende auch schief gehen \u2013 aber wir sollten alles versuchen, um ein \u00dcberleben dieser bekannten Leitart des Biosph\u00e4renreservats zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Bei der B 87n m\u00fcssen wir die Konflikte offen darlegen und den B\u00fcrgern die M\u00f6glichkeit geben, mitzudiskutieren. Das Biosph\u00e4renreservat k\u00f6nnte hierbei die Moderation unterst\u00fctzen. Die Stra\u00dfe soll ja f\u00fcr die B\u00fcrger gebaut werden und nicht f\u00fcr die Stra\u00dfenverwaltung selbst. Alle Einw\u00e4nde wird man jedoch realistischerweise nie ber\u00fccksichtigen k\u00f6nnen \u2013 bei keinem Projekt \u2013 aber sie sollten zumindest gepr\u00fcft werden. Letztlich m\u00fcssen die Vorteile f\u00fcr den Menschen \u00fcberwiegen und die Nachteile f\u00fcr den Naturraum m\u00f6glichst gering bleiben.<\/p>\n<p><strong>Das Thema der regenerativen Energieerzeugung ist in aller Munde. Wie kann das aus Ihrer Sicht in der Region am besten umgesetzt werden?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Torsten Raab:<\/strong> Ich habe kein fertiges Konzept parat. Ich halte es aber f\u00fcr elementar wichtig, aus verschiedenen Gr\u00fcnden auch in Zukunft auf Windkraftanlagen im Biosph\u00e4renreservat zu verzichten, denn das w\u00fcrde nicht nur eine nachhaltige St\u00f6rung und Ver\u00e4nderung der offiziell unter Schutz stehenden Landschaft darstellen, sondern auch im Bereich Natur- und Artenschutz zu Ver\u00e4nderungen und Beeintr\u00e4chtigungen f\u00fchren. Der touristische Wert der Rh\u00f6n w\u00fcrde nat\u00fcrlich ebenfalls dauerhaft geschw\u00e4cht.<\/p>\n<p>Die offene Mittelgebirgs-Landschaft der Rh\u00f6n ist f\u00fcr mich ein einzigartiges und besonderes Gut, welches wir mit Bedacht entwickeln und erhalten m\u00fcssen. Auf der anderen Seite k\u00f6nnen wir in der Rh\u00f6n nicht \u00fcberall gro\u00dffl\u00e4chig Mais ausschlie\u00dflich f\u00fcr Biogasanlagen auf unseren Feldern anbauen, weil auch das Natur und Landschaft nachhaltig ver\u00e4ndert, sondern wir brauchen kleinteilige, standortgerechte und innovative L\u00f6sungen, die auch von den B\u00fcrgern mitgetragen werden.<\/p>\n<p>Das Thema Energie ist also sehr komplex. Es braucht aus meiner Sicht ein schl\u00fcssiges Energie-Gesamtkonzept f\u00fcr die gesamte Rh\u00f6n und den Landkreis Fulda, bevor einzelne Dinge umgesetzt werden. Wir sollten dabei auch st\u00e4rker als bisher in der Energiefrage den Kontakt zu Forschung und Hochschulen suchen. Ich bin mir sicher, dass es in Zukunft neue, sinnvolle M\u00f6glichkeiten geben wird, Landschaftsschutz und Landschaftspflege mit Landwirtschaft und regenerativen Energien zusammenzuf\u00fchren und miteinander zu kombinieren. Auch wenn wir das Ziel kurzfristig nicht zu hundert Prozent erreichen k\u00f6nnen \u2013 wir m\u00fcssen an diesem Thema dranbleiben.<\/p>\n<p>Foto: Carsten Kallenbach<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Rh\u00f6n. Torsten Raab, 41 Jahre alt, verheiratet und drei Kinder, hat jetzt die Nachfolge von Otto Evers angetreten und die Leitung der Hessischen Verwaltungsstelle des Biosph\u00e4renreservats Rh\u00f6n \u00fcbernommen. F\u00fcr seine neue Funktion sieht er konkrete Schwerpunkte \u2013 neben den Themen Landwirtschaft, Energie und Erhalt der Kulturlandschaft beispielsweise eine bessere Tourismusstruktur in der gesamten Rh\u00f6n. 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