{"id":8068,"date":"2008-04-11T00:38:09","date_gmt":"2008-04-10T22:38:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=8068"},"modified":"2008-04-11T00:36:54","modified_gmt":"2008-04-10T22:36:54","slug":"fulda-und-die-weltchronik-des-marianus-scotus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=8068","title":{"rendered":"Fulda und die Weltchronik des Marianus Scotus"},"content":{"rendered":"<p><strong><a title=\"080302_palat2a.jpg\" rel=\"lightbox[roadtrip]\" href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2008\/03\/080302_palat2a.jpg\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2008\/03\/080302_palat2a.thumbnail.jpg\" alt=\"080302_palat2a.jpg\" hspace=\"5\" align=\"left\" \/><\/a>Fulda.<\/strong> Vor 950 Jahren, im Fr\u00fchling 1058, erfuhr die Fuldaer Klostergemeinschaft einen Zuwachs der besonderen Art: Der Pilgerm\u00f6nch Marian, ein Asket, schloss sich ihr an. Er stammte aus Irland, das damals &#8220;Scotia Maior&#8221; hie\u00df. Von daher nannte man die Iren auf dem Festland &#8220;Scoti&#8221;. Und so kam Marian als Autor einer in lateinischer Sprache geschriebenen, bedeutenden Weltchronik, zu dem Namen &#8220;Marianus Scotus&#8221;. <!--more--><\/p>\n<p>Marian verfasste seine Weltgeschichte zu Teilen in Fulda, wo er sich f\u00fcr die Dauer von zehn Jahren einmauern lie\u00df. Seine Klause war wohl der Kirche des Klosters angebaut, mit der sie ein kleines Fenster verband. Ein zweites, nach au\u00dfen gerichtetes Fensterchen diente der Ver- und Entsorgung des Klausners.<\/p>\n<p>Diese betraf auch die f\u00fcr Marians wissenschaftliche T\u00e4tigkeit unverzichtbaren B\u00fccher. Die von ihm genutzten, aus dem Bestand der ber\u00fchmten Fuldaer Klosterbibliothek stammenden Vorlagen lassen sich in seiner  Weltchronik gut ausmachen. Interessanterweise flossen Notizen \u00fcber den Lebensweg des Autors in das Werk ein. Die Bemerkungen zu seinem Aufenthalt im Kloster Fulda sind eine Fundgrube f\u00fcr die fuldische Geschichtsschreibung.<\/p>\n<p><a title=\"080302_kkbs9.jpg\" rel=\"lightbox[roadtrip]\" href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2008\/03\/080302_kkbs9.jpg\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2008\/03\/080302_kkbs9.thumbnail.jpg\" alt=\"080302_kkbs9.jpg\" hspace=\"5\" align=\"left\" \/><\/a>Eine f\u00fcr Fulda besonders bedeutsame Nachricht betrifft das hiesige Herrschergrab: Der Chronist berichtet, dass K\u00f6nig Konrad in der Fuldaer Klosterkirche beim Kreuzaltar bestattet sei. Dieses einzig verl\u00e4ssliche Zeugnis von der Lage der Grabes hat die Gestaltung der Gedenktafel bestimmt, die im Fuldaer Dom an die letzte Ruhest\u00e4tte des ersten deutschen K\u00f6nigs erinnert.  Das vom K\u00fcnstler verwendete Zitat stammt aus dem Buch der dreiteiligen Weltchronik, das die Geschichte von Christi Geburt bis zum Todesjahr des Autors umfasst. Es erschien 1844 als Textausgabe, die insgesamt gesehen heutigen geschichtswissenschaftlichen Anspr\u00fcchen nicht mehr gen\u00fcgt.<\/p>\n<p>Die damalige quellenkritische Bearbeitung beruht auf einem einzigartigen, handschriftlich angefertigten Exemplar der Weltchronik, das wohl in Mainz entstand, wo Marian nach seinem Aufenthalt im Kloster Fulda gleichfalls als Klausner lebte und als Geschichtsschreiber wirkte. An diesem Manuskript sind vier verschiedene H\u00e4nde nachweisbar, die teils nach Diktat geschrieben haben. Das Geschriebene wurde jedoch vom Autor eigenh\u00e4ndig redigiert.<\/p>\n<p>Diese au\u00dferordentlich wertvolle Handschrift befindet sich seit langem in der Vatikanischen Bibliothek. Deren Leitung entsprach unter strengen Auflagen der Bitte der b\u00fcrgerschaftlichen INITIATIVE, die Herstellung eines Faksimiles zu gestatten, das im Stadtarchiv Fulda f\u00fcr Forschungszwecke genutzt werden darf.<\/p>\n<p>Von daher besteht nun die Chance, in Fulda erstmals \u00fcber eine Abbildung der originalen Weltchronik zu verf\u00fcgen. Seine das Kloster Fulda betreffenden Passagen w\u00e4ren unter neuesten geschichtswissenschaftlichen Sichtweisen zu erschlie\u00dfen. Die hierbei zu gewinnenden Erkenntnisse w\u00fcrden dazu beitragen, jene spannenden Jahre Mitte des 11. Jahrhunderts, welche f\u00fcr die Geschichte des Klosters Fulda auf politischem wie kulturellem Gebiet eine Z\u00e4sur darstellten, noch besser zu verstehen.<\/p>\n<p>Damit einhergehen k\u00f6nnte eine kritische Durchsicht der neueren Literatur zur Geschichte Fuldas: Bezieht diese sich doch h\u00e4ufig auf die Historiker Christoph Brower (1559-1617) und Johann Friedrich Schannat (1683-1739), welche wohl die im Jahre 1559 in Basel gedruckte, sp\u00e4ter als v\u00f6llig unzuverl\u00e4ssig erkannte Fassung der Weltchronik des Marianus Scotus benutzt haben. Nicht zuletzt deswegen erscheint eine Erschlie\u00dfung des handgeschriebenen Originaltextes angezeigt.<\/p>\n<p><strong>F\u00fcr die Finanzierung dieses kloster-beziehungsweise stadtgeschichtlich bedeutsamen Vorhabens will der Rotary Club Fulda Sorge tragen. Er l\u00e4dt daher zu einem Benefiz-Orgelkonzert ein, das am 12. April 2008 im Dom zu Fulda stattfinden wird. In dessen Vorg\u00e4ngerbau trat der irische Pilgerm\u00f6nch Marian vor 950 Jahren an K\u00f6nig Konrads Grab. Diese Inaugenscheinnahme fand Eingang in die Weltchronik des Marianus Scotus. M\u00f6ge deren Faksimile schon bald im Stadtarchiv Fulda f\u00fcr Forschungszwecke zur Verf\u00fcgung stehen.<\/strong><\/p>\n<p>Konrad I. &#8211; der K\u00f6nig, der aus Hessen kam<br \/>\n&#8211; Eine b\u00fcrgerschaftliche INITIATIVE &#8211;<br \/>\n<a href=\"mailto:info@koenigkonrad-aushessen.de\">info@koenigkonrad-aushessen.de<\/a><\/p>\n<p><strong>Bild 1<br \/>\n<\/strong>Auszug aus der Weltchronik des Marianus Scotus,<br \/>\nBiblioteca Apostolica Vaticana,<br \/>\nCodex Palatino lat. 830<br \/>\nFoto: Stadtarchiv Fulda<br \/>\n<strong>Bild 2<\/strong><br \/>\nGedenktafel im Dom zu Fulda,<br \/>\nAdam Kramer, Sandstein, 1878\/79<br \/>\nFoto: Erich Gutberlet<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Fulda. Vor 950 Jahren, im Fr\u00fchling 1058, erfuhr die Fuldaer Klostergemeinschaft einen Zuwachs der besonderen Art: Der Pilgerm\u00f6nch Marian, ein Asket, schloss sich ihr an. Er stammte aus Irland, das damals &#8220;Scotia Maior&#8221; hie\u00df. Von daher nannte man die Iren auf dem Festland &#8220;Scoti&#8221;. 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