{"id":80632,"date":"2011-01-13T08:06:59","date_gmt":"2011-01-13T08:06:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=80632"},"modified":"2011-01-13T08:06:59","modified_gmt":"2011-01-13T08:06:59","slug":"zwischen-hightech-und-heimatgefuehl-die-anne-frank-schule-in-gersfeld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=80632","title":{"rendered":"Zwischen Hightech und Heimatgef\u00fchl &#8211; die Anne-Frank-Schule in Gersfeld"},"content":{"rendered":"<p><strong><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-80633\" title=\"110112_Schule\" src=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/110112_Schule-265x171.jpg\" alt=\"\" width=\"265\" height=\"171\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/110112_Schule-265x171.jpg 265w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2011\/01\/110112_Schule.jpg 592w\" sizes=\"(max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/>Gersfeld. <\/strong>Es gibt sie schon im Landkreis: Die erste Schule, die komplett ohne Wandtafeln auskommt und stattdessen in jedem Klassenraum mit elektronischen \u201eActive Boards\u201c ausgestattet ist. Doch nicht nur in diesem Punkt \u00fcbernimmt die seit 1972 in Gersfeld bestehende Anne-Frank-Schule (AFS) eine Vorreiterrolle. Derzeit besuchen 79 Kinder und Jugendliche die Schule f\u00fcr Lernhilfe, die dank ihrer zentralen Lage im Gersfelder Schulviertel ungew\u00f6hnlich differenzierte F\u00f6rderangebote unterbreiten kann: So nehmen beispielsweise einzelne Sch\u00fcler der benachbarten Otto-Lilienthal-Grundschule am Deutsch-Unterricht der AFS teil, und umgekehrt gehen Anne-Frank-Sch\u00fcler in F\u00e4chern, in denen sie besonders leistungsstark sind, in den regul\u00e4ren Grundschulunterricht.<!--more--><\/p>\n<p>Die Zusammenarbeit mit der benachbarten Grundschule und der Rh\u00f6nschule ist nach Aussage von Schulleiter Gregor Walther au\u00dferordentlich gut. Neben einer SchuB-Klasse (Hauptschul-Praxisklasse), in der auch Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler der Rh\u00f6nschule (Gesamtschule) sind, gibt es f\u00fcnf Klassen: zwei Grundstufen, eine Mittelstufe und zwei Hauptstufen. Die 6- bis 17-j\u00e4hrigen Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler werden von acht Lehrkr\u00e4ften, einer Referendarin sowie f\u00fcr einzelne Stunden abgeordneten P\u00e4dagogen der Otto-Lilienthal-Schule und der Rh\u00f6nschule unterrichtet. Dass das Kollegium so klein ist, tr\u00e4gt zum famili\u00e4ren Charakter der Schule bei und erm\u00f6glicht kurze Entscheidungswege.<\/p>\n<p><strong>Lebensfragen vor Lernfragen<\/strong><\/p>\n<p>Der Deutsch- und der Mathematikunterricht finden jeweils zeitgleich statt, so dass die Kinder in diesen Hauptf\u00e4chern ihrem individuellen Lernstand entsprechend gef\u00f6rdert werden k\u00f6nnen. Auch die Klassenzusammensetzung ist jahrgangs\u00fcbergreifend und orientiert sich am individuellen Leistungsverm\u00f6gen. Doch noch vor den \u201eLernfragen\u201c stehen in der ASF die \u201eLebensfragen\u201c. Dies ist laut Schulprogramm wichtig, weil viele der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, die wegen ihrer Lernbeeintr\u00e4chtigungen sonderp\u00e4dagogischer F\u00f6rderung bed\u00fcrfen, oft ein mangelndes Selbstwertgef\u00fchl besitzen. Die Ich-Stabilit\u00e4t der Kinder und Jugendlichen soll nicht in einem abgeschotteten Schonraum aufgebaut werden, sondern die Schule versteht sich als Lebens-, Lern-, und Handlungsraum. Um das Ziel zu erreichen, die Absolventen in die Arbeitswelt und das gesellschaftliche Umfeld zu integrieren, propagiert die Schule eine gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche \u00d6ffnung nach au\u00dfen, beispielsweise durch unterschiedliche Lernorte wie \u00c4mter, Betriebe, Museen oder Arztpraxen sowie Einbeziehung externer Experten.<\/p>\n<p>Ein Schwerpunkt liegt in der Berufsorientierung, in der die Anne-Frank-Schule hessenweit Pionierarbeit geleistet hat. So f\u00fchrte sie vor Jahren als eine der ersten einen Praxistag ein, an dem Zehntkl\u00e4ssler an einem Tag der Woche das gesamte Schuljahr hindurch in einem Betrieb arbeiten. Jeder Sch\u00fcler soll mindestens vier, m\u00f6glichst jedoch sechs Blockpraktika absolvieren \u2013 zus\u00e4tzlich zu Betriebsbesichtigungen und Schnupperpraktika. Eine besondere Erfahrung bedeutete im zur\u00fcckliegenden Sommer f\u00fcr zehn Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler der Hauptstufe ein vierw\u00f6chiges Praktikum in Izmir (T\u00fcrkei) im Rahmen des europ\u00e4ischen Programms \u201eIntegration durch Austausch\u201c. Hier arbeiteten sie in der Woche drei Tage in einem t\u00fcrkischen Betrieb und besuchten zwei Tage eine t\u00fcrkische Berufsschule. Eine t\u00fcrkischst\u00e4mmige Mutter hatte zuvor den Teilnehmern ehrenamtlich Grundkenntnisse der t\u00fcrkischen Sprache beigebracht.<\/p>\n<p>Zur Berufsvorbereitung geh\u00f6rt unter anderem, dass die Kinder den Umgang mit modernen Medien lernen: Zus\u00e4tzlich zu den Active-Boards stehen insgesamt 16 PC-Arbeitspl\u00e4tze und jeweils drei PCs in den einzelnen Klassen zur Verf\u00fcgung. Alle PCs sind miteinander vernetzt. Von den \u00e4lteren Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler besitzt jeder eine eigene Email-Adresse. Als n\u00e4chstes m\u00f6chte Gregor Walther eine komplette Laptop-Klasse einrichten, um mit diesem Medium neue Erfahrungen zu sammeln.<\/p>\n<p>Die Kooperation mit dem Landkreis Fulda hebt der Schulleiter lobend hervor. Aus dem Konjunkturprogramm flossen 2009 140 000 Euro in die D\u00e4mmung der Au\u00dfenfassade und die Sanierung der WCs an der Anne-Frank-Schule. \u201eAuch dar\u00fcber hinaus f\u00fchlen wir uns sehr gut finanziell gef\u00f6rdert und unterst\u00fctzt\u201c, unterstreicht er und nennt neben erfolgten Bauma\u00dfnahmen den schuleigenen Arbeitscoach als Beispiel. Der Arbeitscoach ist f\u00fcr den \u00dcbergang von der Schule in die Ausbildung zust\u00e4ndig.<\/p>\n<p>In den Klassenr\u00e4umen f\u00e4llt nicht nur die moderne technische Ausstattung ins Auge, sondern auch neues Mobiliar und dass sich in jedem eine K\u00fcchenzeile mit K\u00fchlschrank befindet. \u201eEtwa ein Drittel der Kinder kommt aus sozial schwierigen Familien; sie sollen in der Schule eine zweite Heimat finden\u201c, erl\u00e4utert Gregor Walther, der seit 2000 die AFS leitet. Dass dies gelinge, sehe er an Kindern, die \u201ebei uns regelrecht aufbl\u00fchen und wieder Spa\u00df am Lernen finden\u201c.<\/p>\n<p>Als Vorbereitung auf das Leben nach der Schule gibt es zudem ein Schulparlament, das demokratische Grundstrukturen erfahrbar macht, und einen von Sch\u00fclern eigenst\u00e4ndig gef\u00fchrten Pausenladen. Nach der Schulzeit wird ebenfalls keiner ins kalte Wasser geworfen. Die Nachversorgung geh\u00f6rt mit zu den Aufgaben der Schule. \u201eDer \u00e4lteste Ehemalige, den wir betreuen, ist 43 Jahre alt\u201c, berichtet Gregor Walther, der bei Problemen einstiger Sch\u00fcler Ansprechpartner f\u00fcr die Bundesagentur f\u00fcr Arbeit oder Einrichtungen wie die Schuldnerberatung bleibt. Die \u201eNachbetreuung\u201c f\u00fchren zwei Kollegen und eine Kollegin durch.<\/p>\n<p>Ein Ziel der F\u00f6rderschulen sollte laut Hessischem Lehrplan f\u00fcr die Schule f\u00fcr Lernhilfe eine R\u00fcckschulung in die Regelschulen sein. Doch daran l\u00e4sst sich der Erfolg der AFS nicht messen. Stattdessen bietet sie selbst die M\u00f6glichkeit des Hauptschulabschlusses an. \u201eBei uns haben im vergangenen Jahr von 14 Abg\u00e4ngern zw\u00f6lf den Hauptschulabschluss geschafft und davon wiederum acht sogar den qualifizierten mit Englisch-Pr\u00fcfung\u201c, erkl\u00e4rt Gregor Walther. Dank der intensiven Berufsvorbereitung und -begleitung ist nach seinen Angaben der Anteil der Abg\u00e4nger, die im sozialen Netz aufgefangen werden m\u00fcssen, relativ gering. In den letzten Jahren bekamen rund 90 Prozent einen Platz im ersten Ausbildungsmarkt.<\/p>\n<p><strong>Beratungs- und F\u00f6rderzentrum<\/strong><\/p>\n<p>Seit diesem Schuljahr ist die AFS Beratungs- und F\u00f6rderzentrum, das hei\u00dft, sie unterst\u00fctzt allgemeine Schulen dabei, ein angemessenes F\u00f6rderangebot zu entwickeln und umzusetzen, so dass jedes Kind, dessen Eltern dies w\u00fcnschen, trotz Lernschwierigkeiten in seiner gewohnten Schulumgebung bleiben kann. Dass seiner Einrichtung aufgrund dieser Entwicklung langfristig die Sch\u00fcler ausgehen, f\u00fcrchtet Walther nicht: \u201eUnsere Sch\u00fclerzahlen sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Das Ziel ist, ein so gutes Angebot zu unterbreiten, dass die Eltern von sich aus ihre Kinder zu uns schicken.\u201c Zus\u00e4tzlich zu dem eigentlichen Einzugsbereich der Schule (Gersfeld, Ebersburg und Poppenhausen mit den jeweiligen Stadt- und Ortsteilen) besuchen neun Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler aus Petersberg, Friesenhausen, Tr\u00e4tzhof und Weyhers die AFS.<\/p>\n<p>\u201eWir platzen aus allen N\u00e4hten\u201c, formuliert der Schulleiter bildlich \u2013 und genauso l\u00e4sst sich der Aktenordner beschreiben, in dem s\u00e4mtliche Urkunden und Auszeichnungen gesammelt sind, welche die AFS in den vergangenen Jahren erreicht hat. Im hessenweiten Wettbewerb \u201eSicherer Pausenhof\u201c belegte die Schule vor kurzem den ersten Platz und wird im Februar daf\u00fcr ausgezeichnet. Weiterhin wird die AFS in diesem Schuljahr voraussichtlich wieder einmal mit bei den \u201eErsten\u201c sein: Als erste Schule in Tr\u00e4gerschaft des Kreises steht die Pr\u00e4dikatisierung zur \u201eGesunden Schule\u201c (Auszeichnung des Hessischen Kultusministeriums) bevor. Auf diese Zertifizierung hat sie vier Jahre hingearbeitet. Die dazu notwendigen vier Teilzertifizierungen hat sie bereits erhalten. Auch nach dieser Zertifizierung stehen neue Projekte bevor: So wird die Anne-Frank-Schule im n\u00e4chsten Schuljahr an drei Tagen in der Woche eine Ganztagsschule werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Gersfeld. Es gibt sie schon im Landkreis: Die erste Schule, die komplett ohne Wandtafeln auskommt und stattdessen in jedem Klassenraum mit elektronischen \u201eActive Boards\u201c ausgestattet ist. Doch nicht nur in diesem Punkt \u00fcbernimmt die seit 1972 in Gersfeld bestehende Anne-Frank-Schule (AFS) eine Vorreiterrolle. 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