{"id":78516,"date":"2010-12-13T07:38:13","date_gmt":"2010-12-13T07:38:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=78516"},"modified":"2010-12-13T07:38:13","modified_gmt":"2010-12-13T07:38:13","slug":"arbeiten-und-leben-in-poppenhausen-ein-feuerwehrmann-als-pionier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=78516","title":{"rendered":"&#8220;Arbeiten und Leben in Poppenhausen&#8221; &#8211; Ein Feuerwehrmann als Pionier"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/101209_Arbeiten.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-78517\" title=\"101209_Arbeiten\" src=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/101209_Arbeiten-265x353.jpg\" alt=\"\" width=\"265\" height=\"353\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/101209_Arbeiten-265x353.jpg 265w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2010\/12\/101209_Arbeiten.jpg 399w\" sizes=\"(max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a>Poppenhausen. <\/strong>Anfang November war in den Medien dar\u00fcber berichtet worden, dass die Finanzierung des Projekts \u201eLeben und Arbeiten in Poppenhausen\u201c vom hessischen Sozialministerium gef\u00f6rdert werde. Dieses Projekt hat die Integration von Menschen mit Behinderungen \u00fcber Arbeit, Wohnen und Freizeit in der Gemeinde Poppenhausen zum Ziel. Daf\u00fcr wird das ehemalige B\u00fcrgermeisteramt zu einem Wohnhaus mit sieben Appartements umgebaut. Doch die Umsetzung der Idee ist schon wesentlich weiter gediehen als die Baustelle am Von-Steinr\u00fcck-Platz erahnen l\u00e4sst. Projektteilnehmer Steffen Teutloff ist ein Pionier, der im Sommer dieses Jahres nach Poppenhausen gezogen ist &#8211; vor\u00fcbergehend in eine Ferienwohnung, solange das alte B\u00fcrgermeisteramt saniert wird. <!--more--><\/p>\n<p>Der Anlass des fr\u00fchzeitigen Umzugs ist dem Hobby des 37-j\u00e4hrigen Mannes, der eine Behinderung hat, geschuldet: Zuvor hatte er in Marbach in einer Wohngemeinschaft des Antoniusheims gelebt, wo w\u00e4hrend einer Brandschutz\u00fcbung sein Interesse f\u00fcr die Freiwillige Feuerwehr geweckt wurde. Nach 14 Jahren landwirtschaftlicher T\u00e4tigkeit auf dem Antonius-Hof hatte er \u201eetwas Neues machen wollen\u201c und gerade im Segelflugzeugwerk Schleicher in Poppenhausen als Hausmeistergehilfe begonnen. Deshalb h\u00e4tte er w\u00e4hrend der Arbeitszeit nicht zu Eins\u00e4tzen der Marbacher Wehr gerufen werden k\u00f6nnen. Doch Mitglied der Poppenhausener Wehr zu werden, hatte nur Sinn, wenn er dort nicht nur arbeitete, sondern auch wohnte. Zugleich spart er sich seit seinem Umzug t\u00e4glich insgesamt zweieinhalb Stunden Fahrtzeit.<\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong>Offenes Projekt<\/strong><\/p>\n<p>Rosemarie M\u00fcller, bei der gemeinn\u00fctzigen St. Antoniusheim GmbH zust\u00e4ndig f\u00fcr den Bereich Wohnen f\u00fcr Erwachsene, betont, dass es sich bei \u201eLeben und Arbeiten\u201c um ein offenes Projekt handele, das sich in der Tr\u00e4gerschaft des Antoniusheims befinde, sich jedoch nicht allein an dessen Bewohner, sondern an alle interessierten Menschen mit Beeintr\u00e4chtigungen richte. Auch m\u00fcsse nicht zwangsl\u00e4ufig jeder, der in Poppenhausen eine Arbeitsstelle finde, dort leben oder umgekehrt nicht jeder, der gerne in eines der neuen Appartements ziehen wolle, in der Rh\u00f6n arbeiten.<\/p>\n<p>\u201eDas Projekt er\u00f6ffnet Menschen, die eine Behinderung haben, weitere M\u00f6glichkeiten f\u00fcr ein selbstbestimmtes Leben. Den einen belastet das Pendeln zum Arbeitsplatz, den anderen dagegen w\u00fcrde es st\u00f6ren, auf dem Land zu leben\u201c, erl\u00e4utert Projektleiterin Stephanie M\u00fcller-Gerst, die auch Ansprechpartnerin f\u00fcr Steffen Teutloff im betreuten Wohnen ist. Sie hat \u2013 rund um den vor einem Jahr gegr\u00fcndeten Verein \u201eLeben und Arbeiten in Poppenhausen\u201c mit derzeit 27 Mitgliedern \u2013 ein kleines Netzwerk aufgebaut, das dabei helfen soll, die neuen Mitb\u00fcrger in die Dorfgemeinschaft zu integrieren und das Projekt nachhaltig in der Gemeinde zu verankern. F\u00fcr Steffen Teutloff beispielsweise hat sie eine Familie gefunden, die f\u00fcr ihn mittags mitkocht, da es an seinem Arbeitsplatz keine Kantine gibt.<\/p>\n<p><strong>Wer ist schon perfekt?<\/strong><\/p>\n<p>Angeregt worden ist das Projekt von dem Poppenhausener B\u00fcrgermeister Manfred Helfrich und dem Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Antoniusheims, Rainer Sippel. Von dem Engagement profitierten auch die Betriebe, unter anderem in Form eines freundlicheren Arbeitsklimas, erkl\u00e4rt der Verwaltungschef. \u201eEs setzt sich das Bewusstsein durch, dass nicht jeder perfekt sein kann.\u201c Steffen Teutloff genie\u00dft seine neue Unabh\u00e4ngigkeit. \u201eIch bin wirklich sehr zufrieden\u201c, sagt er und strahlt dabei. Er hat sich auch schon Gedanken gemacht, welches der Appartements im denkmalgesch\u00fctzten alten B\u00fcrgermeisteramt er n\u00e4chstes Jahr gern beziehen m\u00f6chte. \u201eMeine Arbeitskollegen raten zu einem Zimmer ganz oben wegen der Aussicht. Aber ich habe schon einmal unterm Dach gewohnt. Im Sommer wird`s da vielleicht hei\u00df\u201c, \u00fcberlegt er.<\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong>Paten in den Betrieben<\/strong><\/p>\n<p>Im Allgemeinen jedoch wei\u00df er, dass seine Kollegen es gut mit ihm meinen und er ihnen vertrauen kann. \u201eEinige von ihnen sind auch Feuerwehrkameraden.\u201c Hausmeister Albert Enders ist im Betrieb sein \u201ePate\u201c. \u201eVon diesen Paten h\u00e4ngt es stark ab, wie gut die Integration im Betrieb gelingt\u201c, erkl\u00e4rt Stephanie M\u00fcller-Gerst, welche als p\u00e4dagogische Begleitung ebenfalls stundenweise bei der B\u00e4ckerei Pappert und im Hotel \u201ePeterchens Mondfahrt\u201c pr\u00e4sent ist.<\/p>\n<p>Steffen Teutloff erinnert sich an eine Situation, als er froh war, eine Vertrauensperson zu haben: \u201eDer neue Lehrling wollte mich herumkommandieren. Dar\u00fcber habe ich mich beschwert, die Kollegen haben daraufhin mit ihm gesprochen und sp\u00e4ter hat er sich f\u00fcr seinen rauen Umgangston entschuldigt. Jetzt ist er\u00c2\u00a0 richtig nett zu mir.\u201c Steffen Teutloffs Hauptaufgabe ist es, die Hallen zu kehren. Dabei erlebt er mit, wie Segelflugzeuge nach und nach Gestalt annehmen \u2013 auch dank seines Einsatzes.<\/p>\n<p>Die hessische Sozial-Staatssekret\u00e4rin Petra M\u00fcller-Klepper hatte das Projekt bei der \u00dcberreichung eines Bewilligungsbescheids in H\u00f6he von 120 000 Euro unter anderem gelobt als \u201eModell des Wandels der Eingliederungshilfe f\u00fcr Menschen mit Beeintr\u00e4chtigungen weg von der F\u00fcrsorge hin zur Teilhabe.\u201c Der Landkreis Fulda f\u00f6rdert das Projekt mit insgesamt 60\u00c2\u00a0000 Euro, davon 25 000 Euro aus der Gregor- und Monika-Henkel-Stiftung, die dazu beitragen soll, Heimunterbringung von Kindern und Jugendlichen zu vermeiden.<\/p>\n<p>Christoph Helfenbein, Referent f\u00fcr \u00d6ffentlichkeitsarbeit beim Antoniusheim, sieht au\u00dfer der Pflicht zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention einen weiteren Grund, weshalb die Integration von Menschen mit Beeintr\u00e4chtigungen f\u00fcr Betriebe immer wichtiger werde: \u201eAufgrund des demographischen Wandels wird mittelfristig jede Arbeitskraft gebraucht. Jeder Mensch hat Talente und kann f\u00fcr einen Betrieb wertvoll sein. Daher sollten alle Menschen nach gr\u00f6\u00dfter M\u00f6glichkeit gefordert und gef\u00f6rdert werden\u201c, sagt er.<\/p>\n<p>Bei zwei Feuerwehreins\u00e4tzen war Steffen Teutloff bereits dabei: Einmal ging es um die Beseitigung einer \u00d6lspur, ein anderes Mal war er mit Tatkraft zur Stelle, als Hochwasser in der Gemeinde bek\u00e4mpft werden musste. Bei den Vereinsfeiern fehlt er genauso wenig wie bei der Jahreshauptversammlung der f\u00fcnf Ortsteilwehren. Ein ehrgeiziges Ziel hat er vor Augen: Er m\u00f6chte bald an den feuerwehrtechnischen Lehrg\u00e4ngen teilnehmen \u2013 und bestehen. Mit den fr\u00fcheren Fahrtzeiten w\u00e4re f\u00fcr intensives Lernen wahrscheinlich keine Zeit geblieben.<\/p>\n<p><strong>Info<\/strong><\/p>\n<p>Am 21. Dezember 2009 wird in Poppenhausen der Verein \u201eLeben und Arbeiten in Poppenhausen\u201c gegr\u00fcndet. Er soll das Projekt in seiner gesamten Zielsetzung nachhaltig unterst\u00fctzen, f\u00f6rdern und begleiten.<\/p>\n<p><strong>Vorstand:<\/strong><\/p>\n<p>1.Vorsitzende Jutta Rau \/ Poppenhausen<br \/>\n2.Vorsitzender Manfred Helfrich \/ BGM Poppenhausen<br \/>\nKassierer Michael Sapper \/ Poppenhausen<br \/>\nSchriftf\u00fchrerin Stephanie M\u00fcller-Gerst \/ St. Antoniusheim<\/p>\n<p><strong>Beisitzer:<\/strong><\/p>\n<p>Sabine Gensler-M\u00fcnch \/ Poppenhausen<br \/>\nRosemarie M\u00fcller \/ St. Antoniusheim<br \/>\nMichael Becker \/ Perspektiva<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Poppenhausen. Anfang November war in den Medien dar\u00fcber berichtet worden, dass die Finanzierung des Projekts \u201eLeben und Arbeiten in Poppenhausen\u201c vom hessischen Sozialministerium gef\u00f6rdert werde. Dieses Projekt hat die Integration von Menschen mit Behinderungen \u00fcber Arbeit, Wohnen und Freizeit in der Gemeinde Poppenhausen zum Ziel. 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