{"id":7196,"date":"2007-12-31T19:46:22","date_gmt":"2007-12-31T18:46:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=7196"},"modified":"2007-12-31T19:46:22","modified_gmt":"2007-12-31T18:46:22","slug":"bischof-algermissen-predigte-an-silvester-im-fuldaer-dom","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=7196","title":{"rendered":"Bischof Algermissen predigte an Silvester im Fuldaer Dom"},"content":{"rendered":"<p><strong>Fulda.<\/strong> &#8220;Es ist eine meiner gr\u00f6\u00dften Sorgen als Bischof, da\u00df die Zahl der Bewerber f\u00fcr das Priesteramt in den letzten Jahren zur\u00fcckgegangen ist. Das kann uns wegen der grundlegenden Bedeutung des Priesteramtes f\u00fcr Gemeinde, Bistum und Gesamtkirche nicht gleichg\u00fcltig sein! Denn Priester sind durch nichts und niemanden zu ersetzen, nur durch andere Priester!\u201c Dies stellte Bischof Heinz Josef Algermissen am Montagabend in seiner Silvesterpredigt im Fuldaer Dom heraus. Man m\u00fcsse sich fragen, woran es liege, da\u00df sich nur so wenige junge M\u00e4nner in diesen Dienst rufen lie\u00dfen. Mit einfachen Antworten sei es nicht getan.<!--more--><\/p>\n<p>Es gebe verschiedene Erkl\u00e4rungen, die in Kirche und Gesellschaft, im privaten und \u00f6ffentlichen Leben l\u00e4gen, fuhr der Oberhirte fort. Sicher seien die Bedingungen, dem Ruf in den Dienst als Priester zu folgen, schwieriger geworden. F\u00fcr eine Einsch\u00e4tzung der gegenw\u00e4rtigen Situation m\u00fc\u00dfte alle in die Suche nach einer Antwort mit einbezogen werden.<\/p>\n<p>\u201eBerufungen sind immer auch ein Spiegelbild des kirchlichen Lebens und der Zuversicht, die wir als Christen ausstrahlen\u201c, gab Algermissen zu bedenken. Deshalb m\u00fcsse sich ein jeder fragen, ob er so lebe, da\u00df andere neugierig darauf w\u00fcrden, was der Grund der Hoffnung der Christen sei. \u201eSprechen wir junge Menschen ermunternd auf ihre Zukunft an, auf das, was sie mit ihrem Leben vorhaben, auf ihre M\u00f6glichkeiten und Pl\u00e4ne? Geben wir ihnen zu erkennen, da\u00df wir sie uns im Priesterberuf sehr gut vorstellen k\u00f6nnen?\u201c Wichtig sei es auch, zu einem Klima in den Gemeinden beizutragen, in welchem Berufungen wachsen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Am Silvesterabend schwinge vieles mit und komme manches aus der Seele hoch, was keine Uhr und kein Kalender anzeigen k\u00f6nnten, hatte der Bischof zu Beginn seiner Predigt herausgestellt. Der Sekundenzeiger, der auf Mitternacht vorr\u00fccke, werde zum erhobenen Zeigefinger, der einem zuzurufen scheine: \u201eDenk daran, Mensch, da\u00df deine Lebenszeit dir als begrenzte zugemessen ist und da\u00df keiner jene Stunde kennt, in der der Herr kommt\u201c.<\/p>\n<p>Die Zeitrechnung ab der Geburt Christi verweise darauf, da\u00df die Stunde des Heils, \u201ein der Gott in diese Welt und unser Leben gekommen ist\u201c, der Angelpunkt der ganzen Menschheitsgeschichte sei. Infolgedessen werde f\u00fcr die Christen jedes Jahr zu einem Jahr des Heiles. Aus der Perspektive, da\u00df Gott mit den Menschen sei, h\u00e4tten im zu Ende gehenden Jahr viele im Bistum Fulda gehandelt. Daf\u00fcr sprach Algermissen seinen Dank aus, besonders an die Frauen und M\u00e4nner in den Pfarrgemeinde- und Verwaltungsr\u00e4ten, auch in den Verb\u00e4nden und Gruppen, \u201edie mitgetragen haben und den seit 2002 w\u00e4hrenden Pastoralen Proze\u00df in Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden als M\u00f6glichkeit zur Neumissionierung verstehen\u201c.<\/p>\n<p>Es d\u00fcrften auch die nicht vergessen werden, die sich in den Kirchengemeinden f\u00fcr Menschen in Krankheit und Not einsetzten, oft still und unerkannt. \u201eAuf Augenh\u00f6he mit der Not unserer Zeit erinnern sie auch daran, da\u00df unsere festlichen Gottesdienste ohne konsequenten Dienst am Menschen nur mehr \u00e4u\u00dferes Spiel blieben.\u201c Die Feier der Hl. Eucharistie und der Dienst der Fu\u00dfwaschung geh\u00f6rten untrennbar zusammen.<\/p>\n<p>Das Jubil\u00e4umsjahr der hl. Elisabeth von Th\u00fcringen habe deutlich gemacht, da\u00df in unserer Gesellschaft ein neues Bewu\u00dftsein f\u00fcr die Armen notwendig sei, betonte der Bischof. \u201eArmut ist mitten unter uns. Seit einiger Zeit wird uns das immer klarer: verwahrloste Elternh\u00e4user, Kinderarmut, Jugendarbeitslosigkeit, die zunehmende Zahl von Hartz-IV-Empf\u00e4ngern und auch vereinsamte alte Menschen, die wochenlang tot in ihrer Wohnung liegen, ohne da\u00df es jemand merkt\u201c. Statt die Augen vor dem Elend zu verschlie\u00dfen, m\u00fcsse man genauer hinschauen. Es gehe um einen Mentalit\u00e4tswandel, der durch ein Absehen von sich selbst und ein neues Zuwenden zum N\u00e4chsten gekennzeichnet sei. Elisabeth, Konpatronin des Bistums Fulda, k\u00f6nne einem \u201e\u00fcber Brot und Rosen hinaus diesen neuen, befreienden Blick schenken\u201c.<\/p>\n<p>Mit besonderer Dankbarkeit erinnerte sich der Oberhirte an die vier festlichen Weihegottesdienste im Jahr 2007: elf Kandidaten konnte er zu Priestern weihen, sechs davon f\u00fcr das Bistum Fulda, sieben empfingen die Diakonenweihe auf dem Weg zum priesterlichen Dienst. \u201eDas war eine tief begl\u00fcckende Erfahrung, die mir allerdings auch die Tatsache hart ins Bewu\u00dftsein bringt, da\u00df wir in den kommenden Jahren unter einem dramatischen Mangel zu leiden haben werden \u2013 in unserem Bistum wie in allen deutschen Bist\u00fcmern.\u201c<\/p>\n<p>Bischof Algermissen zeigte sich \u00fcberzeugt, da\u00df Gott auch heute Menschen rufe. Die Frage sei aber, \u201eob wir diesen Berufungen auch einen Raum geben, in dem sie sich entwickeln und zur Entscheidung heranreifen k\u00f6nnen\u201c. Berufungen k\u00f6nnten nicht erzwungen werden. Sie seien von Gott gegeben, und es sei immer Jesus Christus selbst, der jeden in seine Nachfolge rufe.<\/p>\n<p>\u201eWir k\u00f6nnen aber ein Klima schaffen, in dem Berufungen erkannt werden und heranreifen k\u00f6nnen\u201c, hob Algermissen hervor und erinnerte an seinen Fastenhirtenbrief 2003. Damals hatte er die Priester und Gemeinden des Bistums zu einem \u201eB\u00fcndnis f\u00fcr Berufungen\u201c aufgerufen. Diesen dringenden Aufruf wolle er wiederholen und auch noch einmal die Bitte aussprechen, um geistliche Berufe, besonders um Priesterberufungen zu beten. \u201eDie Priester bitte ich eindringlich darauf zu achten, wie sie die Berufung anderer f\u00f6rdern und unterst\u00fctzen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Der aaronitische Segen \u201eDer Herr segne dich und beh\u00fcte dich. Der Herr lasse sein Angesicht \u00fcber dich leuchten und sei dir gn\u00e4dig. Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Heil\u201c weise entscheidend darauf hin, da\u00df die Menschen Gl\u00fcck und Heil der pers\u00f6nlichen Zuwendung Gottes verdankten. Durch den Segen k\u00f6nnten die Menschen begreifen, da\u00df sie nicht der Unberechenbarkeit eines blinden Schicksals ausgeliefert seien, sondern sich der liebevollen F\u00fcrsorge Gottes anvertrauen k\u00f6nnten, der sich ihnen \u201ewie ein guter Vater und wie eine gute Mutter\u201c zuneige. \u201eWas auch geschehen mag, sei es schmerzvoll oder begl\u00fcckend, wir sind nicht allein, Gott ist f\u00fcr uns da!\u201c<\/p>\n<p>Diese gro\u00dfe Verhei\u00dfung treffe sich mit der Namensgebung des neugeborenen Kindes; die Gottesmutter habe daf\u00fcr Sorge getragen, da\u00df es den Namen erhalte, den schon der Engel ihr angek\u00fcndigt hatte: Jesus. Dieser Name bedeute \u201eGott hilft\u201c oder \u201eGott rettet\u201c und sei damit die \u201etiefe Erf\u00fcllung des aaronitischen Segens\u201c. \u201eIn Jesus Christus, dem Kind in der Krippe wie dem Gekreuzigten und Auferstandenen, ist die Zeit erf\u00fcllt, hat ein f\u00fcr allemal ihren tiefen Sinn gefunden\u201c, stellte der Bischof heraus.<\/p>\n<p>Von Ihm her sei die menschliche Lebenszeit keine diffuse Addition von im Grunde sinnlosen Tagen, sondern auf Ihn hin werde sich am Ende alles vollenden. \u201eWenn Gott nun also in Jesus, seinem fleischgewordenen Wort, helfend und rettend bei uns ist, komme, was da wolle, k\u00f6nnen wir doch ohne Angst in die Zukunft eines neuen Jahres gehen\u201c, unterstrich Bischof Algermissen zum Abschlu\u00df.<\/p>\n<p>Der Fuldaer Domchor sowie der Jugendkathedralchor unter Leitung von Domkapellmeister Franz-Peter Huber sangen Chors\u00e4tze von F. Mendelssohn-Bartholdy, A. Bruckner, C. Thiel und C. Saint-Sa\u00c3\u00abns. An der Domorgel spielte Domorganist Prof. Hans-J\u00fcrgen Kaiser, der zum Auszug das \u201ePr\u00e4ludium in Es-Dur\u201c von J. S. Bach intonierte.<br \/>\n\u00c2\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Fulda. &#8220;Es ist eine meiner gr\u00f6\u00dften Sorgen als Bischof, da\u00df die Zahl der Bewerber f\u00fcr das Priesteramt in den letzten Jahren zur\u00fcckgegangen ist. Das kann uns wegen der grundlegenden Bedeutung des Priesteramtes f\u00fcr Gemeinde, Bistum und Gesamtkirche nicht gleichg\u00fcltig sein! 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