{"id":7077,"date":"2007-12-25T09:32:58","date_gmt":"2007-12-25T08:32:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=7077"},"modified":"2007-12-25T01:02:05","modified_gmt":"2007-12-25T00:02:05","slug":"bischof-algermissen-predigte-an-weihnachten-im-fuldaer-dom","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=7077","title":{"rendered":"Bischof Algermissen predigte an Weihnachten im Fuldaer Dom"},"content":{"rendered":"<p><strong>Fulda.<\/strong>\u00c2\u00a0\u201eWir leisten uns rechtliche Konstruktionen, die zur Heuchelei zwingen: Da ist die Abtreibung ungeborener Kinder, die zwar illegal, aber dennoch straffrei ist. Ein Widerspruch in sich selbst! Da ist die aktive Sterbehilfe noch verboten, aber doch schon Praxis.\u201c Dies stellte der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen an Weihnachten in einem festlichen Gottesdienst im Hohen Dom zu Fulda heraus. <!--more--><\/p>\n<p>\u201eBei der embryonalen Stammzellforschung d\u00fcrfen die Forscher zwar mit Stammzellen arbeiten, aber nur mit importierten, die \u00e4lter sind als sechs Jahre, so da\u00df es anderen L\u00e4ndern \u00fcberlassen bleibt, den Streit um den Umgang mit menschlichen Embryonen zu f\u00fchren, die wir zu Forschungszwecken benutzen, das hei\u00dft: t\u00f6ten.\u201c Mit solcher verbrauchenden Embryonenforschung sei die grundlegende Frage nach dem moralischen Status und der Schutzw\u00fcrdigung menschlicher Embryonen verbunden, so der Oberhirte in seiner Predigt. Aber genau diese Frage werde von Wissenschaftlern wie von politischen Parteien verdr\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Gerade das Fest der Menschwerdung Gottes bestimme das christliche Menschenbild und lasse die Christen die personale Identit\u00e4t von menschlichen Embryonen und geborenen Menschen als \u201eunbedingt und unaufgebbar\u201c bekennen. \u201eSie darf durch politische Rhetorik nicht in Frage gestellt und am Ende gar zerst\u00f6rt werden!\u201c, forderte der Bischof. Tats\u00e4chlich kl\u00e4rten sich in der Menschwerdung Gottes das Menschenbild und die Frage der Bedingung der Menschenw\u00fcrde und deren personaler Unantastbarkeit. Die \u201eMenschwerdung des ewigen Wortes\u201c nach dem Johannesevangelium \u201emu\u00df uns unbedingt den Blick sch\u00e4rfen auf jene gesellschaftliche Verlogenheit hin, die darin besteht, da\u00df wir seit l\u00e4ngerem W\u00f6rter benutzen, die die dramatischen bioethischen Probleme verharmlosen oder in Richtung gleichg\u00fcltiger Akzeptanz freigeben\u201c.<\/p>\n<p>Zu Beginn seiner Festpredigt hatte Bischof Algermissen in Erinnerung gerufen, da\u00df im Johannesevangelium des Weihnachtstages das Liebenswerte und Vertraute der Geburt Jesu im Stall zu Bethlehem in die Distanz des Geheimnisses entr\u00fcckt sei, denn es werde vom fleischgeworden Wort und nicht von Mutter, Kind, Hirten und Engeln gesprochen. Dennoch gebe es Gemeinsames: \u201eAuch dieses Evangelium spricht vom Licht, das in der Finsternis leuchtet, und von der Herrlichkeit Gottes, die wir im fleischgewordenen Wort anschauen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Es erw\u00e4hne deutlich, da\u00df \u201edas g\u00f6ttliche Kind von der Welt nicht erkannt wurde\u201c. Mitten durch die geheimnisvoll gro\u00dfen Worte hindurch werde so mit einemmal der Stall sichtbar, in dem der Sohn Davids geboren werden mu\u00dfte, weil in seiner Stadt kein Platz f\u00fcr ihn war. Ein tieferes Zuh\u00f6ren k\u00f6nne also erkennen, da\u00df alle Evangelisten nur das eine Evangelium verk\u00fcndeten, wenn auch von verschiedenen Seiten her. \u201eLukas und \u00e4hnlich Matth\u00e4us erz\u00e4hlen die irdische Geschichte und \u00f6ffnen von ihr her den Weg in Gottes verborgenes Handeln hinein. Johannes sieht vom Geheimnis Gottes her und zeigt, wie es hineinreicht bis in den Stall, bis in Fleisch und Blut des Menschen.\u201c<\/p>\n<p>Der Bischof hinterfragte sodann, was die Kirche den Menschen f\u00fcr den Weihnachtstag und von daher f\u00fcr ihr Leben \u00fcberhaupt sagen wolle, wenn sie ihnen \u201ediesen feierlich strengen Text\u201c vorlege. Die fr\u00fchen Theologen der Kirche h\u00e4tten es in einem Bild ausgedr\u00fcckt: das Kind in der Krippe sei gleichsam die Hand, die der g\u00f6ttliche Vater aus seiner Ewigkeit in das menschliche Leben hineinhalte, um die Menschen zu halten. \u201eDer ewige Sinn der Welt ist so wirklich zu uns gekommen, da\u00df man ihn anr\u00fchren, anschauen kann.\u201c Denn was Johannes \u201elogos \u2013 das Wort\u201c nenne, bedeute im Griechischen gleichzeitig auch so viel wie der Sinn. \u201eAber dieser Sinn ist nicht etwa blo\u00df eine gro\u00dfe Idee, kein allgemeines Gesetz, in dem wir dann irgendeine Rolle spielen, sondern er ist jedem von uns pers\u00f6nlich zugedacht\u201c, gab der Oberhirte zu bedenken.<\/p>\n<p>Die Menschen fragten sich, ob es \u00fcberhaupt zu Gott passe, ein Kind zu sein, fuhr Algermissen fort. \u201eWir suchen krampfhaft Argumente dagegen und wollen nicht glauben, da\u00df die Wahrheit sch\u00f6n ist.\u201c Nach menschlicher Erfahrung sei Wahrheit am Schlu\u00df meistens ern\u00fcchternd grausam und schmutzig. Wo sie es einmal nicht zu sein scheine, da bohre man so lange herum, bis man mit seiner Vermutung doch wieder Recht behalte. Von der Kunst sei einst gesagt worden, sie diene dem Sch\u00f6nen, und dieses wiederum sei \u201esplendor veritatis\u201c (der Glanz der Wahrheit). \u201eHeutzutage hingegen sieht die Kunst ihre Aufgabe zumeist darin, den Menschen als schmutziges Ekel zu entlarven, wie uns das w\u00e4hrend der documenta 12 in Kassel an allen Ecken klargemacht wurde.\u201c<\/p>\n<p>Der Bischof nahm sodann Bezug auf ein Weihnachtsspiel des Philosophen und Atheisten Jean-Paul Sartre, das am 24. Dezember 1940 in einem Kriegsgefangenenlager bei Trier aufgef\u00fchrt wurde und das die \u201eweiteste Einheit\u201c zwischen Christen und Ungl\u00e4ubigen zum Ausdruck bringen sollte. Dieses St\u00fcck tr\u00e4gt den Titel \u201eBariona\u201c und schildert die Not der j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung unter dem Joch der R\u00f6merherrschaft. So ausweglos scheine die Situation, da\u00df Bariona von seinen Landsleuten verlange, da\u00df keine Kinder mehr geboren w\u00fcrden, da deren Zukunft ja doch der sichere Tod sei. Da komme das Ger\u00fccht auf, in Bethlehem sei ein ganz ungew\u00f6hnliches Kind geboren, das manche f\u00fcr den ersehnten Messias hielten.<\/p>\n<p>Bariona, der das nicht glauben k\u00f6nne und den im Innern doch eine tiefe Sehnsucht erf\u00fclle, sage dann: \u201eWenn Gott f\u00fcr mich Mensch w\u00fcrde, f\u00fcr mich, liebte ich ihn, ihn ganz allein \u2013 es w\u00e4ren Bande des Blutes zwischen ihm und mir, und f\u00fcr das Danken reichten alle Wege meines Lebens nicht.\u201c Algermissen stellte dazu fest, da\u00df dann Not und Tod sowie Angst und Verzweiflung \u201eaufgebrochen\u201c w\u00e4ren, wenn der Sinn Fleisch w\u00fcrde und das Fleisch damit einen tiefen Sinn f\u00e4nde. Damit sei das entscheidende Stichwort der Frohen Botschaft gegeben: \u201eWeihnachten schenkt uns die Leben und Tod bestimmende und ver\u00e4ndernde Verhei\u00dfung, da\u00df der Sinn des Lebens, der in Jesus Christus Fleisch wurde, Gnade ist und Geschenk.\u201c<\/p>\n<p>Oft sehe es so aus, so Bischof Algermissen weiter, als h\u00e4tten heute nur die Glaubenden sich zu rechtfertigen. Man m\u00fcsse seiner Ansicht nach hingegen auch das \u201eohne Gott\u201c verantworten, mit allen Konsequenzen f\u00fcr die Zukunft der heutigen Gesellschaft und des Menschen. \u201eWelcher Schaden entsteht dort, wo man faktisch ohne Gott auszukommen meint? Wo man Kinder um Gott betr\u00fcgt? Was ist, wenn Generationen heranwachsen, die das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter oder das Liebesgebot nicht mehr kennen?\u201c Die Menschen h\u00e4tten dabei laut Algermissen viel zu verlieren. \u201eWer aufh\u00f6rt, den in Jesus Christus nahen Gott zu ehren, f\u00e4ngt schlie\u00dflich an, ihn zu spielen.\u201c Das sei ein b\u00f6ses Spiel, das an die Substanz gehe. Ausgehend von der im Weihnachtsevangelium sichtbaren Herrlichkeit k\u00f6nne man hingegen erkl\u00e4ren, was Glauben hei\u00dfe: Gottes Herrlichkeit sehen mitten in dieser Welt trotz aller Schatten und Not, schlo\u00df der Oberhirte.<\/p>\n<p>Bei dem festlichen Gottesdienst, der als lateinisches Hochamt gefeiert wurde und an dessen Ende der Bischof im Namen des Papstes den Apostolischen Segen erteilte, sang der Domchor unter Leitung von Domkapellmeister Franz-Peter Huber Teile aus der \u201eMesse in G\u201c von F. Schubert sowie einen Chorsatz von M. Haydn und weitere im Wechsel mit der Gemeinde. Als Solisten wirkten Beate Vetsera (Sopran), Ralf Emge (Tenor) und Stefan Claas (Ba\u00df) mit. An der Domorgel Domorganist Prof. Hans-J\u00fcrgen Kaiser, der zur Kommunion \u201eLe verbe\u201c von O. Messiaen intonierte. (bpf)<br \/>\n\u00c2\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Fulda.\u00c2\u00a0\u201eWir leisten uns rechtliche Konstruktionen, die zur Heuchelei zwingen: Da ist die Abtreibung ungeborener Kinder, die zwar illegal, aber dennoch straffrei ist. Ein Widerspruch in sich selbst! 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