{"id":69376,"date":"2010-09-09T05:20:05","date_gmt":"2010-09-09T03:20:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=69376"},"modified":"2010-09-08T21:20:18","modified_gmt":"2010-09-08T19:20:18","slug":"historisches-vermaechtnis-der-region-fuer-gegenwart-aufbereiten-und-fuer-zukunft-bewahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=69376","title":{"rendered":"Historisches Verm\u00e4chtnis der Region f\u00fcr Gegenwart aufbereiten und f\u00fcr Zukunft bewahren"},"content":{"rendered":"<p><strong>Fulda. <\/strong>\u201eDer Mensch muss wissen, wo er herkommt. Denn nur dann kann er seine Gegenwart einsch\u00e4tzen!\u201c Was bei Festreden zu historischen Anl\u00e4ssen immer wieder bedeutungsschwanger formuliert wird, hat durchaus Tiefe, auch wenn die nicht immer sofort greifbar ist. Mit Leben erf\u00fcllt eine derartige Aussage aber der Fuldaer Geschichtsverein. Gegr\u00fcndet 1896, in einer Zeit, als das Interesse an historischen Themen vielerorts zur Bildung entsprechender Gruppierungen f\u00fchrte, kooperierte man inhaltlich wie personell mit dem gleichzeitig entstandenen \u201eHistorischen Verein der Di\u00f6zese Fulda\u201c \u2013beispielhaft verk\u00f6rpert in der Person des Domkapitulars und Professors Dr. Gregor Richter. Kein Wunder, denn schlie\u00dflich geh\u00f6rte das Kloster Fulda seit seiner Gr\u00fcndung im 8. Jahrhundert zu den bedeutendsten geistlichen und kulturellen Zentren des ostfr\u00e4nkischen Reiches. Von hier aus wirkten Berater f\u00fcr Kaiser und K\u00f6nige, von hier aus nahm man an Kriegsz\u00fcgen teil. F\u00fcr den Geschichtsverein Grund genug, das historische Verm\u00e4chtnis auch f\u00fcr die Gegenwart zu erschlie\u00dfen und neu zu erforschen.<!--more--><\/p>\n<p>Mit vor allem zwei Publikationsorganen tut dies der Verein bis heute: zum einen die Zeitschrift \u201eFuldaer Geschichtsbl\u00e4tter\u201c (erscheint seit 1902), zum anderen die weithin anerkannte Schriftenreihe \u201eVer\u00f6ffentlichungen des Fuldaer Geschichtsvereins\u201c (erscheint seit 1904). In ihnen findet man Aufs\u00e4tze mit \u00fcberwiegend heimatgeschichtlicher Auspr\u00e4gung, die zwar nicht unmittelbar mit der gro\u00dfen Reichsgeschichte zu tun haben. Aber die hier ver\u00f6ffentlichten Texte basieren vielfach auf Vortr\u00e4gen namhafter Redner, die oft auch an ausl\u00e4ndischen Universit\u00e4ten lehren und sich dort mit typisch fuldischen Themen besch\u00e4ftigen. Zu solchen Vortr\u00e4gen l\u00e4dt der Fuldaer Geschichtsverein \u00f6ffentlich ein, so dass der Besucher fuldische Geschichte hautnah erleben kann \u2013 und das bei freiem Eintritt.<\/p>\n<p>Auch wenn das Mittelalter und damit die ganz gro\u00dfe Geschichte Fuldas wohl im Mittelpunkt des Interesses stehen, so gab und gibt es immer wieder Themen, die sich mit der j\u00fcngeren Geschichte besch\u00e4ftigen: Der Umgang mit Juden im eigenen Dorf w\u00e4hrend des so genannten Dritten Reichs und die Erforschung des famili\u00e4ren Hintergrunds von Emigranten geh\u00f6ren zu den Feldern, die auch bei Sch\u00fclern Interesse an der Geschichte ihrer Heimat wecken sollen \u2013 auch schon einmal in Form eines Wettbewerbs in Zusammenarbeit von Staatlichem Schulamt und Geschichtsverein.<\/p>\n<p>Wer die j\u00e4hrlich erscheinende Veranstaltungs\u00fcbersicht des Fuldaer Geschichtsvereins studiert, findet dort auch zwei bis drei Exkursionen, darunter zum Beispiel der Besuch einer Keltenausstellung, oder auch Unternehmungen, die in Nachbarterritorien wie Schmalkalden (Henneberg) oder B\u00fcdingen (Isenburg) f\u00fchren \u2013 auch dann, wenn es einmal keine Fuldaer Bez\u00fcge gibt. Diese Exkursionen werden f\u00fcr die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nat\u00fcrlich jedes Mal durch passende Vortr\u00e4ge gut eingef\u00fchrt und vorbereitet und unterstreichen, dass zum Fuldaer Geschichtsverein auch ein arch\u00e4ologischer Arbeitskreis geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Ein weiterer Interessensschwerpunkt des Fuldaer Geschichtsvereins verbindet sich mit dem Begriff \u201eBibliotheca Fuldensis\u201c: So unterst\u00fctzt der Verein ideell die Sammlung und Wiederherstellung der Schriften der alten Fuldaer Klosterbibliothek, die im Verlauf des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Kriegs nahezu vollst\u00e4ndig zerst\u00f6rt wurde. Von den rund tausend handschriftlichen B\u00fcchern des damaligen Bestandes sind lediglich 75 Exemplare im Original erhalten, daneben gibt es noch etwa 75 Fragmente. In m\u00fchseliger Kleinarbeit werden diese ausgewertet und zugeordnet, fotografiert, kopiert und auf Mikrofiches jedermann zug\u00e4nglich gemacht. Dar\u00fcber hinaus ist durch die Anschaffung der wichtigsten Sekund\u00e4rliteratur l\u00e4ngst ein anerkanntes Forschungszentrum entstanden, das der Fuldaer Geschichtsverein gerne unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Das bekannteste Projekt des Vereins innerhalb der letzten Jahre ist jedoch die Herausgabe der \u201eGeschichte der Stadt Fulda\u201c. Rund 60 Autoren, darunter Professoren von ausw\u00e4rtigen Universit\u00e4ten und einheimische Historiker, stellen die Geschichte der Stadt von den Anf\u00e4ngen bis in die j\u00fcngste Vergangenheit dar. Ein gewaltiges Unterfangen, was sich in zwei dicken B\u00e4nden mit 1.600 Seiten Umfang niederschlug, entstanden im Verlauf mehrerer Jahre unter Federf\u00fchrung des ehemaligen Fuldaer Oberb\u00fcrgermeisters Dr. Wolfgang Hamberger. Wer sich hier fest liest, findet alles, was das historische Herz begehrt: eine Zusammenfassung bekannter Forschungsliteratur, neue Forschungen und neue Quellen, die sich nat\u00fcrlich auch mit der Klostergeschichte und der Geschichte des Stifts besch\u00e4ftigen. Da auch die Arch\u00e4ologie nicht zu kurz kommt, dokumentiert die \u201eGeschichte der Stadt Fulda\u201c tats\u00e4chlich rund zweitausend Geschichte der Region.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Fulda. \u201eDer Mensch muss wissen, wo er herkommt. Denn nur dann kann er seine Gegenwart einsch\u00e4tzen!\u201c Was bei Festreden zu historischen Anl\u00e4ssen immer wieder bedeutungsschwanger formuliert wird, hat durchaus Tiefe, auch wenn die nicht immer sofort greifbar ist. Mit Leben erf\u00fcllt eine derartige Aussage aber der Fuldaer Geschichtsverein. 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