{"id":68596,"date":"2010-09-03T06:09:11","date_gmt":"2010-09-03T04:09:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=68596"},"modified":"2010-09-02T18:50:00","modified_gmt":"2010-09-02T16:50:00","slug":"hausbesuche-von-bischof-heinz-josef-algermissen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=68596","title":{"rendered":"Hausbesuche &#8211; von Bischof Heinz Josef Algermissen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Fulda. <\/strong>\u201eWarum kommt der Pfarrer nicht?\u201c Diese Frage h\u00f6re ich bei den Gespr\u00e4chen in den Gemeinden unseres Bistums im Rahmen meiner Visitationen immer wieder. Und tats\u00e4chlich: Obwohl Hausbesuche zu den Pflichtaufgaben aller Priester geh\u00f6ren, sie theologisch und biblisch gut begr\u00fcndet sind, als missionarisch effektiv gelten und erwartet werden, geh\u00f6rt die Visite der Gemeindeglieder durchaus nicht immer zu ihren Lieblingsaufgaben. Pfarrer genie\u00dfen zwar eine gro\u00dfe Gestaltungsfreiheit in ihrem Beruf, aber sie haben durchaus Pflichtaufgaben. Dazu geh\u00f6ren, wie ich es h\u00e4ufig in Erinnerung bringe, auch die Hausbesuche.<!--more--><\/p>\n<p>Ich wei\u00df, dass das Arbeitspensum der Priester in den letzten Jahren zugenommen hat. In meinem Schlusswort am Di\u00f6zesantag im Juli letzten Jahres (03.07.2009) in Fulda habe ich es zur Sprache gebracht und gebeten, in den Gemeinden und Pastoralverb\u00fcnden dar\u00fcber nachzudenken: \u201ePriester, Diakone und Gemeindereferentinnen und -referenten k\u00f6nnen nur um die Gefahr des Zusammenbruchs andauernd zus\u00e4tzliche Aufgaben \u00fcbernehmen. Der Weg hin zu einer konzentrierten Pastoral\u00e2\u20ac\u00a6 zieht Richtungsentscheidungen im Blick auf Vorrangigkeiten und Nachrangigkeiten sowie verl\u00e4ssliche Standards in der Pastoral nach sich.\u201c<\/p>\n<p><strong>Welcher Priester hat unterdessen mit seinem Pfarrgemeinderat und seinem Verwaltungsrat dar\u00fcber ein Gespr\u00e4ch begonnen?<\/strong><\/p>\n<p>Zu den Vorrangigkeiten der Seelsorger geh\u00f6rt f\u00fcr mich fraglos der Hausbesuch. Ich empfehle den Pfarrern deshalb ein professionelles Zeitmanagement nach dem Motto: \u201eNicht reagieren, sondern strukturieren\u201c. Also einen Vormittag oder Abend pro Woche strikt f\u00fcr Besuche reservieren. Solcherart Disziplin hilft auch, die psychologische Barriere zu bek\u00e4mpfen. Denn bei Hausbesuchen sitzen wir Priester alle ohne Konzept da, m\u00fcssen spontan reagieren, auch mal schweigen, m\u00fcssen den \u201eHeimvorteil\u201c den Besuchten \u00fcberlassen, die uns vielleicht bohrend mit kritischen Fragen konfrontieren.<\/p>\n<p>Der heutige Mensch hat ein ungestilltes Bed\u00fcrfnis nach Ernstnehmen seiner Person und Individualit\u00e4t. Das ist der Grund f\u00fcr die Nachfrage und der psychologische Ansatzpunkt des Hausbesuchs. Jemand in seinem Eigenen aufsuchen bedeutet schon, ihn als Person aufsuchen, nicht als ehrenamtliche Arbeitskraft, Geldspender oder \u201eMitglied\u201c.<\/p>\n<p>Der seelsorgerliche Hausbesuch hilft mit, dass das Vorwort der Pastoralkonstitution \u201eDie Kirche in der Welt von heute\u201c des Zweiten Vatikanischen Konzils (Gaudium et spes, Nr. 1) nicht zum frommen Wunschtraum wird: \u201eFreude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedr\u00e4ngten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der J\u00fcnger Christi.\u201c Zwar sind die mit einem regelm\u00e4\u00dfigen Besuchsdienst verbundenen Herausforderungen durchaus anstrengend. Aber wer sie annimmt, wird belohnt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Fulda. \u201eWarum kommt der Pfarrer nicht?\u201c Diese Frage h\u00f6re ich bei den Gespr\u00e4chen in den Gemeinden unseres Bistums im Rahmen meiner Visitationen immer wieder. 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