{"id":65513,"date":"2010-07-27T06:20:36","date_gmt":"2010-07-27T04:20:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=65513"},"modified":"2010-07-27T08:27:17","modified_gmt":"2010-07-27T06:27:17","slug":"kulturagentur-zeigt-eine-retrospektive-des-bildhauers-richard-muehlemeier-im-kloster-wechterswinkel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=65513","title":{"rendered":"Kulturagentur zeigt eine Retrospektive des Bildhauers Richard M\u00fchlemeier im Kloster Wechterswinkel"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/100727_M\u00fchlemeier-Ausstellung.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-65531\" title=\"100727_M\u00fchlemeier-Ausstellung\" src=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/100727_M\u00fchlemeier-Ausstellung-265x176.jpg\" alt=\"\" width=\"265\" height=\"176\" \/><\/a>Wechterswinkel.<\/strong> Der viel zu fr\u00fch verstorbene Bildhauer Richard M\u00fchlemeier geh\u00f6rt zu den bedeutendsten K\u00fcnstlern der Rh\u00f6n im zwanzigsten Jahrhundert. Beinahe drei\u00dfig Jahre nach seinem tragischen Tod durch einen Wespenstich w\u00fcrdigt die Kulturagentur in Zusammenarbeit mit der Kunsthalle Schweinfurt M\u00fchlemeier in einer gro\u00dfen retrospektiven Ausstellung in Kunst und Kultur Kloster Wechterswinkel. <!--more--><\/p>\n<p>Eine M\u00fchle mit Hof und drei Hektar Weideland. Dazu sieben Ar Wald, zwei Hektar Ackerland und das ganze mit dazugeh\u00f6rigem Wasserrecht, Fischrecht und Jagdrecht. Einen Grundbesitz nennt man das und die Aufz\u00e4hlung klingt nicht gerade klein. Klein ist sie jedoch, wenn man einen solchen Grundbesitz aus dem Blickwinkel des Bildhauers Richard M\u00fchlemeier betrachtet. So klein gar, dass dieser ganze Grundbesitz in eine Streichholzschachtel passt. Innen die Landschaft aus Rosemetall, au\u00dfen die Schachtel mit der Liste der Besitzt\u00fcmer.<\/p>\n<p>F\u00fcr Richard M\u00fchlemeier war das Gro\u00dfe klein und das Kleine gro\u00df. Der 1948 in R\u00f6mershag bei Bad Br\u00fcckenau geborene Bildhauer, Maler, Lackierer, Lehrer an der Holzschnitzschule in Bischofsheim, freischaffender Kopf von K\u00fcnstlergemeinschaften am Stengerts und in der ehemaligen Brauerei in Roth, reich gesegneter Kunstpreistr\u00e4ger und Gegen-den-Strom-Schwimmer ist dieser Grundbesitz das, was er von Grundbesitz hielt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/100727_M\u00fchlemeier-Klappland.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-65530\" title=\"100727_M\u00fchlemeier-Klappland\" src=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/100727_M\u00fchlemeier-Klappland-265x176.jpg\" alt=\"\" width=\"265\" height=\"176\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/100727_M\u00fchlemeier-Diplomatenkoffer.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-65529\" title=\"100727_M\u00fchlemeier-Diplomatenkoffer\" src=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2010\/07\/100727_M\u00fchlemeier-Diplomatenkoffer-265x176.jpg\" alt=\"\" width=\"265\" height=\"176\" \/><\/a><\/p>\n<p>In Kunst und Kultur Kloster Wechterswinkel ist nun eine Ausstellung mit den Hauptwerken Richard M\u00fchlemeiers zu sehen. Darunter auch der bei einer Documenta in Kassel gezeigte \u201eAtlas von Atlantis\u201c, eine Klapplandschaft in Buchform, die neben einem an Keilschriften erinnernden Vokabular ebenfalls ein philosophisches Manifest enth\u00e4lt. Die Kulturagentur, vor allen Dingen Kulturmanagerin Dr. Astrid Hedrich-Scherpf hatte vor einem Jahr die Idee, den gro\u00dfen Bildhauer der Rh\u00f6n noch einmal in einer umfangreichen Ausstellung zu pr\u00e4sentieren. Und sie hat sich dar\u00fcber gefreut, dass viele Helfer auf den M\u00fchlemeier-Zug aufgesprungen sind. Weil M\u00fchlemeier in Rh\u00f6ner Kulturkreisen eine geradezu mystische Bewunderung entgegen gebracht wird, wie Astrid Hedrich-Scherpf bemerkte.<\/p>\n<p>M\u00fchlemeier, das bedeutet eine Diplomarbeit im Landschaftsformat passend in einem Diplomatenkoffer nebst passendem Kugelschreiber. M\u00fchlemeier, der einst einen Schrein f\u00fcr eine verstrahlte Figur schuf in Angesicht der Stationierung von Nuklearwaffen in immenser Anzahl im Deutschland der achtziger Jahre. M\u00fchlemeier, der Landschaften zusammenklappbar machte, das Denkmal des Denkmals schuf, der in seinen Kreuzweg-Zyklus von Lepra zerfressene Gesichter ebenso wie Hoss von Bonanza einf\u00fcgte. M\u00fchlemeier, der im Blaumann zu einem Empfang beim Ministerpr\u00e4sidenten Franz-Josef Strau\u00df erschien. Was w\u00e4re passiert, wenn dieser M\u00fchlemeier nicht aus einer Flasche getrunken h\u00e4tte, in die eine Wespe hinein geflogen war? Im Juli 1982 als er gerade einmal 34 Jahre alt war.<\/p>\n<p>Seiner im vergangenen Jahr verstorbenen Mutter Hedwig ist es zu verdanken, dass die Werke von Richard M\u00fchlemeier heute noch in so gro\u00dfer Zahl vorhanden sind. Dass auch Briefe, Gussformen, Gipsmodelle und vieles mehr bis heute die Zeit \u00fcberdauert haben, beinahe 30 Jahre nach seinem Tod. Heute ist in der Kunsthalle Schweinfurt der wichtigste Teil der Werke M\u00fchlemeiers in einer Dauerausstellung zu sehen. F\u00fcr Kunsthistorikerin Andrea Brandl eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit: \u201eDie Werksprache von M\u00fchlemeier ist singul\u00e4r\u201c, sagte sie in ihrer Laudatio und bewundert die sich ver\u00e4ndernden Landschaften des K\u00fcnstlers ebenso wie die unterschwellige Kritik des K\u00fcnstlers am Weltgeschehen seiner Zeit.<\/p>\n<p>Martin Herz, ein Freund M\u00fchlemeiers noch aus gemeinsamen Zivildienstzeiten und heute Diplomsoziologe mit Wohnsitz in Hannover dr\u00fcckte es in einem leidenschaftlichen und begeisternden Vortrag noch deutlicher aus: \u201eOhne Utopie und Traumbilder ist M\u00fchlemeier nicht lesbar!\u201c, sagte Herz. Der Freund aus vergangenen Zeiten sprach von der unerh\u00f6rten Produktivit\u00e4t des K\u00fcnstlers. Von den biographischen Fragmenten seines Lebens, die Martin Herz lieber Passagen nennt. Von der Tradition als dem Urgrund des Neuen im Werk M\u00fchlemeiers. Von der Verschandelung des Universums des Planeten der Zwerge im Hof der Vill&#8217;schen Altenstiftung in Bad Neustadt durch parkende Autos. \u201eLegen Sie das Ohr an den Planeten der Zwerge!\u201c, forderte Martin Herz die \u00fcberaus zahlreichen Besucher der Vernissage auf. Nur der genaue Blick, das genaue Zuh\u00f6ren er\u00f6ffnen den Weg in die bis heute aktuellen Utopien des Richard M\u00fchlemeier.<\/p>\n<p>Die Ausstellung mit dem Titel: \u201e&#8230; und dann die Idee und die Sehnsucht noch einmal etwas Ganzes zu schaffen. Richard M\u00fchlemeier 1948 \u2013 1982\u201c ist noch bis 31. Oktober immer samstags und sonntags sowie an Feiertagen von 13 bis 17 Uhr ge\u00f6ffnet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Wechterswinkel. Der viel zu fr\u00fch verstorbene Bildhauer Richard M\u00fchlemeier geh\u00f6rt zu den bedeutendsten K\u00fcnstlern der Rh\u00f6n im zwanzigsten Jahrhundert. 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