{"id":62330,"date":"2010-06-18T02:47:29","date_gmt":"2010-06-18T00:47:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=62330"},"modified":"2010-06-18T06:47:39","modified_gmt":"2010-06-18T04:47:39","slug":"traditioneller-priestertag-im-hotel-maritim","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=62330","title":{"rendered":"Traditioneller Priestertag im Hotel Maritim"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/100617_Priestertag.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-62332\" title=\"100617_Priestertag\" src=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/100617_Priestertag-265x176.jpg\" alt=\"100617_Priestertag\" width=\"265\" height=\"176\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/100617_Priestertag-265x176.jpg 265w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2010\/06\/100617_Priestertag.jpg 592w\" sizes=\"(max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a>Fulda\/Hanau\/Kassel\/Marburg.<\/strong> Die Zahl der Gl\u00e4ubigen in der katholischen Kirche sei kleiner geworden und werde es in Zukunft noch deutlicher sein, auch dadurch, da\u00df Menschen entt\u00e4uscht die Kirche verlie\u00dfen. Davon zeigte sich Bischof Heinz Josef Algermissen am Mittwoch im Fuldaer Dom \u00fcberzeugt. Der Bischof dankte den \u00fcber 170 Priestern und Diakonen f\u00fcr ihre Bereitschaft, Jesus Christus zu suchen und ihn \u201ein ihrer Mitte wohnen zu lassen\u201c sowie die Menschen immer wieder zu dieser Mitte mit hinzuziehen. Denn nur \u00fcberzeugte Priester k\u00f6nnten die Kirche weiterbringen, wie Papst Benedikt XVI. j\u00fcngst zum Ende des Priesterjahres in Rom betont habe. Macht und Einflu\u00df der Kirche h\u00e4tten abgenommen, und die Priester seien \u201ezu neuer Demut gerufen\u201c. Die Kraft \u00fcberzeugender Menschen bleibe nach wie vor von vielen ersehnt und gesucht.<!--more--><\/p>\n<p>\u201eJesus Christus mu\u00df die entscheidende Notwendigkeit unserer Existenz und die Mitte unseres priesterlichen Lebens sein. In seiner Person handeln k\u00f6nnen wir glaubw\u00fcrdig nur, wenn wir aus der Mitte der Begegnung mit Christus leben und bereit sind, mit ihm in der Mitte der Menschen zu wohnen, um sie in ihren Herzen zu ber\u00fchren\u201c, hatte Algermissen eingangs hervorgehoben. Nichts sei schlimmer in der Kirche als \u201elaue, graue und kraftlose Mittelm\u00e4\u00dfigkeit\u201c, insbesondere bei Amtstr\u00e4gern.<\/p>\n<p>\u201eDie Mitte unseres Glaubens ist kein kleinster gemeinsamer Nenner, den irgendwie die meisten noch mitmachen k\u00f6nnen, sondern eine F\u00fclle, die es immer neu zu ermessen gilt\u201c, betonte der Oberhirte. In der Eucharistie versammle der Priester die Menschen zur Mitte und lasse Christus in ihr Innerstes gelangen; im Bu\u00dfsakrament trage er dazu bei, da\u00df Menschen mit sich und Gott ins reine k\u00e4men; in der Krankensalbung richte er wie Jesus den Kranken im Herzen wieder auf.<\/p>\n<p><strong>Vortrag \u00fcber Neuevangelisierung im Kontext der sp\u00e4ten Moderne<\/strong><\/p>\n<p>Generalvikar Prof. Dr. Gerhard Stanke kam in seiner Begr\u00fc\u00dfung der im Anschlu\u00df an den Gottesdienst in der Orangerie (Hotel Maritim) versammelten Geistlichen auf die Herausforderungen an die Kirche und den vom Bischof von den Gemeinden erbetenen \u201eBrief der Hoffnung\u201c zu sprechen. Besonders begr\u00fc\u00dfte er die diesj\u00e4hrigen Jubilare unter den Geistlichen sowie die Missionare, neugeweihten Priester und Diakone und die Pension\u00e4re. \u201eEs bedarf einer neuen Aufmerksamkeit f\u00fcr die Gaben der einzelnen Personen, um die vorhandenen humanen und spirituellen Ressourcen ins Spiel zu bringen.<\/p>\n<p>Wir haben die einmalige Chance, einen Proze\u00df der Reform in Gang zu setzen, der auch eine spirituelle Erneuerung impliziert und die passiven Mitglieder mit ihren Talenten ernstnimmt und vor ihre Verantwortung stellt.\u201c Dies stellte Pater Prof. Dr. Michael Sievernich SJ in seinem anschlie\u00dfenden Festvortrag \u00fcber die \u201eNeuevangelisierung in der sp\u00e4ten Moderne\u201c heraus. Der Mainzer Professor f\u00fcr Pastoraltheologie legte in seinem Vortrag dar, da\u00df die Kirche f\u00fcr ihren missionarischen Auftrag den zeitgen\u00f6ssischen Kontext ins Auge fassen m\u00fcsse, da ihre Symbole und Gesten nicht mehr ohne weiteres verstanden w\u00fcrden.<\/p>\n<p><strong>Ver\u00e4nderte religi\u00f6se Landschaft und neue Figuren<\/strong><\/p>\n<p>Eine neue religi\u00f6se Landschaft habe sich dadurch herausgebildet, da\u00df die kirchenbezogene Religiosit\u00e4t zur\u00fcckgegangen sei, es aber auch eine gegenl\u00e4ufige Tendenz einer religi\u00f6sen Revitalisierung gebe. Neue Religionsformen seien oft auf unmittelbare Lebensbed\u00fcrfnisse zugeschnitten, aber \u201enicht mehr am moralischen Kanon des Christentums orientiert\u201c. Das bedeute letztendlich eine Entkonkretisierung und Entpersonalisierung der Religion, so Prof. Sievernich. Wie schon Pater Alfred Delp 1941 festgestellt habe, sei eine neue Inkulturation im \u201eMissionsland Deutschland\u201c erforderlich.<\/p>\n<p>In der religi\u00f6sen Landschaft seien neue Ph\u00e4nomene und Figuren aufgetaucht, so die \u201eglobale Neujustierung\u201c der katholischen Kirche in der Welt, mit dem R\u00fcckgang der Kirche in Europa, und die Entstehung neuer christlicher Gruppierungen au\u00dferhalb des klassischen Pfarreimodells. Die Jugend, \u201eder eigentliche Schatz der Gesellschaft und der Kirche\u201c, weise neue Einstellungen auf, die eine zunehmende Familienorientierung und mehrheitlich konfessionelle Bindung ebenso beinhalteten wie eine \u00fcberraschende Kirchenakzeptanz. Dabei meinten viele Jugendlichen jedoch, da\u00df die Kirche sich \u00e4ndern m\u00fcsse, wenn sie eine Zukunft haben wolle, und da\u00df sie oft keine Antworten auf ihre Fragen habe.<\/p>\n<p><strong>Neue evangelisierende Pastoral<\/strong><\/p>\n<p>Neben den \u201eklassischen Typus des praktizierenden Katholiken\u201c seien neue Figuren getreten, die Prof. Sievernich im folgenden charakterisierte. Da sei zum einen der \u201eBastler\u201c, der sich auf verschiedene Art mit Teilaspekten \u2013 emotional, kulturell, humanit\u00e4r, politisch, humanistisch oder \u00e4sthetisch \u2013 des Christentums identifiziere. \u201eDiese sechs Typen der religi\u00f6sen Zugeh\u00f6rigkeit geben ein hilfreiches Instrument der Wahrnehmung und Interpretation an die Hand, um die heutige junge Generation besser zu verstehen\u201c, zeigte sich der Referent \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p>Sodann nannte er die Figur des \u201ePilgers\u201c, der eine mobil, autonom, freiwillig, individuell gepr\u00e4gte religi\u00f6se Kultur pflege. Als weiteren Typ charakterisierte er den \u201eKonvertiten\u201c, der in der Kirche eine neue Heimat suche bzw. zu ihr zur\u00fcckkehre. All dies mache deutlich, da\u00df die zuk\u00fcnftige Sozialform des Christentums diversifiziert werden m\u00fcsse. Eine \u201eneue evangelisierende Pastoral\u201c m\u00fcsse sich diesem Kontext anpassen, also nicht nur die klassische, sondern auch die Seelsorge an Fernstehenden, Nichtpraktizierenden und Un- bzw. Halbgl\u00e4ubigen in Angriff nehmen.<\/p>\n<p>Das sei laut Sievernich durch eine entsprechende liturgische und spirituelle Pr\u00e4senz, entsprechend den Gaben der einzelnen Personen, durch eine pastorale und diakonale Pr\u00e4senz, besonders durch den Beruf des Priesters als konkreten Ansprechpartners vor Ort, und eine missionarische und interkulturelle Pr\u00e4senz, bezogen auf die Lebenswelt der Menschen, erreichbar. (bpf)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Fulda\/Hanau\/Kassel\/Marburg. Die Zahl der Gl\u00e4ubigen in der katholischen Kirche sei kleiner geworden und werde es in Zukunft noch deutlicher sein, auch dadurch, da\u00df Menschen entt\u00e4uscht die Kirche verlie\u00dfen. 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