{"id":62021,"date":"2010-06-15T03:46:13","date_gmt":"2010-06-15T01:46:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=62021"},"modified":"2010-06-15T06:46:26","modified_gmt":"2010-06-15T04:46:26","slug":"kulturelle-und-politische-bildung-fuer-jugendliche-mit-migrationshintergrund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=62021","title":{"rendered":"Kulturelle und politische Bildung f\u00fcr Jugendliche mit Migrationshintergrund"},"content":{"rendered":"<p><strong>Fulda. <\/strong>Auf Einladung der Hessischen Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung (HLZ), des Fachbereichs Sozial- und Kulturwissenschaften, des Hochschulinstituts CINTEUS und der Stadt Fulda fand am 9. Juni 2010 eine Tagung statt zum Thema \u201eKulturelle und politische Bildung f\u00fcr Jugendliche mit Migrationshintergrund\u201c. Diese Kooperationsveranstaltung ist bereits die vierte Tagung, die Mechtild M. Jansen (HLZ) und Prof. Dr. Gudrun Hentges (Hochschule Fulda), gemeinsam initiiert und realisiert haben.<!--more--><\/p>\n<p>\u00dcber 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten der Einladung zu dieser Tagung, die im Hochschulzentrum Fulda Transfer stattfand. Prof. Dr. Khakzar, Pr\u00e4sident der Hochschule Fulda, und Dr. Dippel, B\u00fcrgermeister der Stadt Fulda, betonten in ihren Gru\u00dfworten die \u00e4u\u00dferst produktive Zusammenarbeit zwischen den Kooperationspartnern, der HLZ, der Stadt Fulda und der Hochschule, und w\u00fcnschten der Tagung ein gutes Gelingen.<\/p>\n<p>Im Zentrum der diesj\u00e4hrigen Tagung stand die kulturelle und politische Bildung f\u00fcr jugendliche Migrantinnen und Migranten. Die Thematisierung der Bildung im Einwanderungsland Deutschland ist von gro\u00dfer Aktualit\u00e4t: Mittlerweile weist ein F\u00fcnftel aller in Deutschland lebenden Menschen (und jedes dritte Kind unter sechs Jahren) einen Migrationshintergrund auf. In st\u00e4dtischen Ballungszentren haben bereits mehr als 40 Prozent der Kinder und Jugendlichen einen Migrationshintergrund. Insofern wird deutlich, dass die Einwanderungsgesellschaft auch mit Blick auf die interkulturelle \u00d6ffnung der Institutionen der kulturell-politischen Bildung vor neuen Herausforderungen steht, so Jansen und Hentges in ihrem einleitenden Beitrag.<\/p>\n<p>Die geladenen Referentinnen und Referenten widmeten sich diesen Fragen aus verschiedenen Perspektiven: Prof. Dr. Thomas Kunz (Fachhochschule Frankfurt am Main) thematisierte am Beispiel einer Foto-Lovestory die stereotype Darstellung von Migrantinnen, Migranten und deutschen Jugendlichen in einem Jugendmagazin.<\/p>\n<p>Ayse G\u00fcle\u00c3\u00a7, Kulturzentrum Schlachthof Kassel, pr\u00e4sentierte das Projekt einer Kulturwerkstatt zum Thema Krise und krisenhaftes Leben. In Zusammenarbeit mit K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstlern wurden Jugendliche dazu angeregt, unter Verwendung k\u00fcnstlerisch-\u00e4sthetischer Mittel das Thema Krise zu bearbeiten. Die von Ayse G\u00fcle\u00c3\u00a7 pr\u00e4sentierten Ergebnisse \u2013 eine Video-Schleife und eine dokumentarisch-filmische Collage aus Beobachtungen, Statements und Antworten \u2013 verweist auf die Bandbreite der m\u00f6glichen Methoden der kulturell-politischen Bildung.<\/p>\n<p>Michael Stenger pr\u00e4sentierte ein innovatives Projekt zur Betreuung von minderj\u00e4hrigen unbegleiteten Fl\u00fcchtlingen. Die von ihm im Jahre 2000 gegr\u00fcndete SchlaU-Schule (\u201eSchulanaloger Unterricht f\u00fcr unbegleitete, minderj\u00e4hrige Fl\u00fcchtlinge\u201c) umfasst mehrere Dimensionen: Voraussetzung f\u00fcr den Bildungserfolg, so wurde in dem Vortrag von Michael Stenger deutlich, ist in erster Linie die St\u00e4rkung der Pers\u00f6nlichkeit der jungen Fl\u00fcchtlinge, die h\u00e4ufig traumatische Erfahrungen gemacht haben. Dar\u00fcber hinaus bietet die SchlaU-Schule Alphabetisierungs- und Deutschkurse f\u00fcr die Kinder und Jugendlichen an. Ein gro\u00dfer Anteil der jungen Fl\u00fcchtlinge absolviert einen Schulabschluss (auch an weiterf\u00fchrenden Schulen). Bemerkenswert ist die hohe Erfolgsquote hinsichtlich der Vermittlung in Praktika (95 %) und Ausbildungen (75 \u2013 80 %).<\/p>\n<p>Prof. Dr. Susanne Lang (Hochschule Mannheim) befasste sich in ihrem Vortrag mit den M\u00f6glichkeiten, Leibeserfahrungen in die Jugendbildung zu integrieren.<\/p>\n<p>Prof. Dr. Gudrun Hentges und Prof. Dr. Almut Zwengel (Hochschule Fulda) stellten Ergebnisse eines Lehr-Forschungs-Projektes vor, an dem auch Studierende einbezogen waren. Gegenstand der qualitativen Untersuchung waren die Orientierungskurse und die Vermittlung des Wissens \u00fcber Grundrechte. Die von den beiden Hochschullehrerinnen pr\u00e4sentierten Ergebnisse lie\u00dfen deutlich werden, dass die top-down Perspektive bei der Vermittlung von Wissen und Kenntnissen in Bezug auf Rechtsordnung, Geschichte und Kultur der Bundesrepublik Deutschland h\u00e4ufig an den Lernvoraussetzungen der migrantischen Teilnehmerinnen und Teilnehmern vorbeigeht. Deutlich wurde, dass sich das deutsche Modell \u2013 im Gegensatz zu anderen in der EU realisierten Konzeptionen \u2013 sehr stark an den Lernvoraussetzungen der Einb\u00fcrgerungswilligen orientiert. Die Referentinnen pl\u00e4dierten f\u00fcr einen st\u00e4rkeren Alltagsbezug und f\u00fcr eine Auswertung der europaweiten Erfahrungen mit Orientierungskursen, die mittlerweile in 9 EU Staaten f\u00fcr Einwanderer angeboten werden.<\/p>\n<p>Deutlich wurde an der Bandbreite der Pr\u00e4sentationen, wie unterschiedlich die Zug\u00e4nge (bottom up vs. top down) zur kulturellen und politischen Bildung sein k\u00f6nnen. Einige Projektbeispiele \u2013 wie z.B. die SchlaU-Schule \u2013 w\u00e4ren ohne das \u00fcberaus gro\u00dfe Engagement ihrer Initiatoren nie zustande gekommen. Andere Projekte kultureller Bildung konnten an die langj\u00e4hrigen Erfahrungen eines kommunal etablierten Kulturzentrums ankn\u00fcpfen und lie\u00dfen sich von der Dokumenta Kassel inspirieren. Dem gegen\u00fcber repr\u00e4sentieren die Integrations- und Orientierungskurse die top down Perspektive. Einige der damit verbundenen Probleme \u2013 fehlende Alltagsperspektive und Alltagsrelevanz \u2013 resultieren daraus. Wichtig w\u00e4re jedoch, dass die verschiedenen Projekte in einen Dialog treten, um voneinander zu lernen und sich gegenseitig zu inspirieren.<\/p>\n<p>Insofern stehen die theoretischen Debatten \u00fcber au\u00dferschulische Bildung in der Einwanderungsgesellschaft noch am Anfang. Diese Tagung leistete einen Beitrag dazu, die Debatten \u00fcber kulturell inspirierte politische Bildung und politisch inspirierte kulturelle Praxen voranzutreiben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Fulda. Auf Einladung der Hessischen Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung (HLZ), des Fachbereichs Sozial- und Kulturwissenschaften, des Hochschulinstituts CINTEUS und der Stadt Fulda fand am 9. 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