{"id":58249,"date":"2010-04-27T02:03:44","date_gmt":"2010-04-27T00:03:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=58249"},"modified":"2010-04-26T23:03:54","modified_gmt":"2010-04-26T21:03:54","slug":"die-forstwirtschaft-im-wandel-der-zeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=58249","title":{"rendered":"Die Forstwirtschaft im Wandel der Zeiten"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/100426_Naschutagung2.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/100426_Naschutagung2-265x353.jpg\" alt=\"100426_Naschutagung2\" title=\"100426_Naschutagung2\" hspace=\"5\" align=\"left\" width=\"265\" height=\"353\" class=\"alignnone size-medium wp-image-58253\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/100426_Naschutagung2-265x353.jpg 265w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/100426_Naschutagung2.jpg 450w\" sizes=\"(max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a><strong>Wildflecken\/Poppenroth<\/strong>. Von Vacha in der th\u00fcringischen Rh\u00f6n bis Hammelburg waren die Teilnehmer angereist, um sich bei der 12. Hauptnaturschutztagung des Rh\u00f6nklub e.V. in Poppenroth fortzubilden. Hauptnaturschutzwart Heinrich He\u00df, H\u00fcnfeld, und auch Pr\u00e4sidentin Regina Rinke, Wildflecken, konnten ihre Freude \u00fcber die stattliche Zahl von 65 Teilnehmern nicht verbergen. <!--more--><\/p>\n<p><strong>Namhafte Referenten<\/strong><\/p>\n<p>Aus allen 3 Bundesl\u00e4ndern hatten namhafte Referenten sich p\u00fcnktlich eingefunden. \u00dcber \u201eWald- und Forstwirtschaft im Spannungsfeld unterschiedlicher gesellschaftlicher Interessen\u201c sprach zu Beginn der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Hessen-Forst, Michael Gerst. F\u00fcr seinen Betrieb stehe der wirtschaftliche Nutzen des Waldes nicht im Vordergrund. Man m\u00fcsse sich auch mir der Forschung auseinandersetzen. Auch die Naturschutzgebiete und ein Nationalpark w\u00fcrden von Hessen-Forst betreut. Es g\u00e4be viele unterschiedliche Interessen am Wald \u2013 dies sei ein Spannungsfeld. Er zitierte: Ein Egoist sei ein Mensch, der f\u00fcr sich selbst mehr Interesse zeigt als f\u00fcr andere! Das Ergebnis der Konferenz von Rio vor fast 20 Jahren sei die Aussage, dass der Wald so zu bewirtschaften sei, dass er f\u00fcr die Zukunft erhalten bleibt. 1998 habe es dann in Lissabon gehei\u00dfen: Die Waldwirtschaft m\u00fcsse nachhaltig sein \u2013 also, es d\u00fcrfe aus dem Wald nicht mehr geerntet werden als nachwachse! In Hessen seien 41 % der Landesfl\u00e4che Wald. Die Bev\u00f6lkerungsdichte liege bei 264 Einwohnern pro Quadratkilometer. Diese Menschen suchten nach Erholung im Wald. Das hei\u00dfe. Radler, Mountainbiker, Reiter und Wanderer ziehe es an den Wochenenden hinaus in den Wald. Das freie Betretungsrecht des Waldes sei gesetzlich verankert. Die Besucher erwarten einen \u00e4sthetischen Wald, gute Wege, Parkpl\u00e4tze, Br\u00fccken, Gel\u00e4nder und bei Unf\u00e4llen dann auch noch Schadensersatz. Zum Schluss forderte der Redner, man m\u00fcsse Regeln im Umgang miteinander beachten, sich also so im Wald, in der freien Natur verhalten, dass die Interessen des Eigent\u00fcmers gewahrt werden.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/100426_Naschutagung3.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/100426_Naschutagung3-265x198.jpg\" alt=\"100426_Naschutagung3\" title=\"100426_Naschutagung3\" width=\"265\" height=\"198\" class=\"alignnone size-medium wp-image-58254\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/100426_Naschutagung3-265x198.jpg 265w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/100426_Naschutagung3.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/100426_Naschutagung1.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/100426_Naschutagung1-265x198.jpg\" alt=\"100426_Naschutagung1\" title=\"100426_Naschutagung1\" width=\"265\" height=\"198\" class=\"alignnone size-medium wp-image-58252\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/100426_Naschutagung1-265x198.jpg 265w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/100426_Naschutagung1.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Bayerische Staatsforsten<\/strong><\/p>\n<p>Der Naturschutzbeauftragte der Bayerischen Staatsforsten, Axel Reichert, stellte das Naturschutzprogramm seiner Institution vor. Er nannte den Schutz der W\u00e4lder, der Biotopb\u00e4ume, der Totholzbest\u00e4nde, der Feuchtstandorte, der Trockengebiete, der Auw\u00e4lder und der Moore. Es g\u00e4be z.B. in Bayern 1% an \u00fcber 300 Jahre alten Eichen. Diese w\u00fcrden vollkommen aus der Wirtschaft genommen. F\u00fcr sie g\u00e4be es Hiebruhe! Rote-Liste-Arten w\u00fcrden besonders gesch\u00fctzt. Bei Totholz g\u00e4be es nat\u00fcrliche Zerfallsphasen, wobei die Lebensgemeinschaften dort niemals augenscheinlich wahrgenommen werden k\u00f6nnten. Alten B\u00e4umen gelte gro\u00dfe Aufmerksamkeit. Der Referent konnte mit fantastischen Bildern seltener Arten aufwarten. Er bot an, gemeinsame Veranstaltungen mit den Wandervereinen durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Th\u00fcringenForst<\/strong><\/p>\n<p>Albrecht Glaser aus Th\u00fcringen hatte das Thema \u201eZielsetzungen und betriebswirtschaftliche Sachzw\u00e4nge bei der Bewirtschaftung der W\u00e4lder in Th\u00fcringen\u201c gew\u00e4hlt. Der Wald m\u00fcsse vielf\u00e4ltigen Anspr\u00fcchen gerecht werden: Arbeitsraum, Rohstoffquelle, Lebensraum, Schutzraum, Regenerationsraum und Erholungsraum. Die Erholungsfunktionen seien zu optimieren! Schlie\u00dflich stelle der Tourismus einen Wirtschaftsfaktor im l\u00e4ndlichen Raum dar. Dazu seien tragf\u00e4hige und \u00f6kologisch sinnvolle Konzepte zu erarbeiten. Es g\u00e4be in Th\u00fcringen schon insgesamt 17.000 km Wanderwege, aber auch 12.000 km Reitwege sowie fast 7.000 km Radwege. Daf\u00fcr sei es notwendig, die Eigentumsverh\u00e4ltnisse abzukl\u00e4ren, Gestattungsvertr\u00e4ge abzuschlie\u00dfen, die Verkehrssicherheit j\u00e4hrlich zu \u00fcberpr\u00fcfen und schlie\u00dflich den Aufwand f\u00fcr diese Pflege und Unterhaltung zu ermitteln.<\/p>\n<p><strong>Bad Neustadt\/Saale<\/strong><\/p>\n<p>Vom Amt f\u00fcr Ern\u00e4hrung, Landwirtschaft und Forsten war Wilhelm Schmalen aus Bad Neustadt\/Saale angereist. Er hatte sich den Kommunalwald mit seinen Sachzw\u00e4ngen und Zielsetzungen als Thema gew\u00e4hlt. Die Gemeinde Burkardroth mit ihren 12 Ortsteilen und einer Waldfl\u00e4che von 2083 ha war als Paradebeispiel gew\u00e4hlt. Die H\u00f6hen\u00f6age reiche von 200 m bis 800 m \u00fcNN. Die durchschnittliche Temperatur l\u00e4ge bei 8 Grad Celsius. Das Klima sei subatlantisch. 52 % w\u00e4ren mit Kiefern bestanden, etwa 16 % mit Fichten, die Buche k\u00e4me nur auf 13% und die Eiche nur auf11 % . F\u00fcr den Kommunalwald gelten die gleichen Ziele wie f\u00fcr den Staatswald. Er diene dem Gemeinwohl, der Naturschutz und die Wasserwirtschaft seien zu ber\u00fccksichtigen. Die biologische Vielfalt sowie die Erholungsfunktion, aber auch die Holzerzeugung l\u00e4gen im Blickfeld. Forstwirtschaftliche Pl\u00e4ne seien f\u00fcr 20 Jahre zu erstellen. Da in der gemeinde der Sandboden vorherrsche, g\u00e4be es gr\u00f6\u00dfere Kiefernbest\u00e4nde. Das Holz wachse langsam, sei dadurch aber besonders wertvoll. Da die Fichte oftmals vom Schneebruch betroffen sei, plane man einen Waldumbau! Die Buche sei die nat\u00fcrliche Baumart der Rh\u00f6n. Deshalb sie das Ziel, Laubmischw\u00e4lder mit einem gro\u00dfen Artenreichtum anzulegen. Das Holz der Buche sei ein wertvolles Brennholz. Als Sachzw\u00e4nge nannte der Referent die Schutzgebietsforderungen, die FFH-Gebiete, den Wegebau, die Wanderwege und die Verkehrssicherungspflicht. Der Bildungsauftrag w\u00fcrde in Burkardroth sehr gut umgesetzt.<br \/>\n<strong><br \/>\nBeispiel Burkardroth<\/strong><\/p>\n<p>B\u00fcrgermeister Waldemar Bug aus Burkardroth spannte den Bogen vom Gestern \u00fcber das heute zum Morgen. Vom herrschaftlichen Wald der kirchlichen und weltlichen Herrscher, die den Wald vorzugsweise zur Jagd nutzten \u00fcber das Heute, in dem dies gottlob anders sei wagte er den Blick in die Zukunft, die allerdings keiner kenne. Ziel m\u00fcsse vorrangig eine nachhaltige Waldbewirtschaftung sein. Dazu bed\u00fcrfe es eigentlich nur eines gesunden Menschenverstandes. Im Mittelalter sei das Holz vorwiegend als Baumaterial eingesetzt worden, aber auch f\u00fcr industrielle Zwecke wie Glasbl\u00e4sereien und Eisenschmelzen. Der Wald sei gerodet worden, deshalb die vielen Ortsnamen, die auf roth endeten. Das Holz sei dann von Kohle Erd\u00f6l, Gas als Energiespender abgel\u00f6st worden. Auch andere Baumaterialien seien auf den Markt gekommen wie Beton, Sein, Aluminium und Kunststoff. Fossile Brennstoffe jedoch seien endlich, sie gingen einmal zur Neige- da die Industrie nachwachsende Rohstoffe verbrauche, m\u00fcsse ein Umdenken erfolgen. Wind, Wasser und Sonne n\u00e4hmen immer mehr Platz in den K\u00f6pfen der verantwortlichen Politiker ein. F\u00fcr die Zukunft forderte er eine Waldflurbereinigung wie einstmals bei der Landwirtschaft. Manche Parzellen der Privatw\u00e4lder seien viel zu klein, um diese sinnvoll zu bewirtschaften. Es m\u00fcssten Forstbetriebsgemeinschaften gegr\u00fcndet werden, welche die L\u00f6sung der Konfliktpotentiale wie z.B. die Verkehrssicherungspflicht oder das Problem der Kernzonen aufarbeiten.<br \/>\n<strong><br \/>\nPrivatwaldbesitzer<\/strong><\/p>\n<p>\u00dcber die Probleme der Privatwaldbesitzer berichtete Matthias Becker vom Hessischen Waldbesitzerverband. Der B\u00fcdinger Wald mit 100 Quadratkilometern Fl\u00e4che sei der gr\u00f6\u00dfte Wald in Privatbesitz in Hessen. Dort g\u00e4be es 800 km Wege, davon 450 befahrbar. Drei Forstreviere mit 14 Mitarbeitern n\u00e4hmen sich der Fl\u00e4che an. Auch hier gelten die Ziele Schutz, Nutz und Erholung. Der Schutz koste, der Nutz bringe ein und die Erholung koste f\u00fcr Technik zum Entfernen d\u00fcrrer \u00c4ste usw. pro Tag 300 \u00e2\u201a\u00ac. Mit gro\u00dfem Engagement referierte becker \u00fcber die Anspr\u00fcche der Waldbesucher. Sie s\u00e4hen keinen Unterschied zwischen Staatswald und Privatbesitz. Es w\u00fcrde eine gute Wegequalit\u00e4t erwartet mit B\u00e4nken und \u00fcberdachten Sitzgelegenheiten, mit wegger\u00e4umten \u00c4sten usw. Ein sehr gro\u00dfes Problem stelle die Verkehrssicherungspflicht dar. Bei einem Sturz werde nicht nachgefragt, ob das richtige Schuhwerk getragen worden sei, man s\u00e4he die Schuld beim Grundbesitzer. Um Wanderwege in einem Privatwald zu kennzeichnen sei immer erst der Kontakt zum Eigent\u00fcmer zu suchen. Eine Genehmigung sei einzuholen und evtl. ein Gestattungsvertrag zu unterzeichnen. An die Politik wandte sich der Redner mit dem Satz: Die Eigentumsrechte m\u00fcssten gest\u00e4rkt werden.<\/p>\n<p><strong>Podiumsdiskussion<\/strong><\/p>\n<p>Matthias Marbach (Th\u00fcr.), Wolfram Zeller (Bay) und Adalbert Fischer (Hess. stellten sich den Fragen der Teilnehmer. Die 12.000 km Reitwege waren den Rh\u00f6nklublern aus Th\u00fcringen eine Nummer zu gro\u00df. Es habe schon Unf\u00e4lle mit Reitern gegeben. Pr\u00e4sidentin Rinke kl\u00e4rte dahingehend auf, dass die Mitglieder des Rh\u00f6nklubs den Wald niemals in einem unsauberen Zustand verlassen w\u00fcrden. Daf\u00fcr verb\u00fcrge sie sich.<br \/>\n<strong><br \/>\nExkursion am Nachmittag<\/strong><\/p>\n<p>Wolfram Zeller hatte sich verschiedene \u201eWaldbilder\u201c ausgedacht, die er den Teilnehmrn zeigen wollte. Dazu fuhren sie zum \u201eTatoret\u201c von vor 5 Jahren, wo damals vom Rh\u00f6nklub und Alpenverein ca. 9.000 Buchenssetzlinge gepflanzt worden waren. Das Jahr nach der Pflanzung sei sehr trocken gewesen und viele B\u00e4umchen h\u00e4tten dies nicht \u00fcberstanden. Auch ein Sturm habe gro\u00dfen Schaden angerichtet. Das Areal sei eine \u201eKatastrophenfl\u00e4che\u201c, so Wolfram Zeller. Dennoch wurden schon recht ansehnliche Exemplare der Buchen entdeckt. Sie hatten aber noch nicht ausgetrieben. Die n\u00e4chste Station war technischer Art. Hier war Herr Kohl mit seiner Harvester im Einsatz. Diese Maschine kostet ca. 400.000 \u00e2\u201a\u00ac. Die Arbeitsweise dieses Monstrums beeindruckte vor allem die M\u00e4nner. Sie war dabei, sog. R\u00fcckegassen zu schlagen. Diese werden im Abstand von 30 m durch den Wald angelegt zum sp\u00e4teren Abtransport des Holzes. Schlusspinkt der Exkursion war ein Waldst\u00fccj mit 130 Jahre altem Bestand. Hier konnte die nat\u00fcrliche \u201eNachzucht\u201c von Jungholz besichtigt werden. Keiner der B\u00e4umchen war gepflanzt worden. 6 Jahre alte Buchen standen neben denen, die schon 130 Jahre an diesem Standort wachsen und herrliche schlanke St\u00e4mme hatten. Regina Rinke dankte zum Abschluss allen, die zum Gelingen dieser vom ZV Garitz hervorragend vorbereiteten Tagung beigetragen hatten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Wildflecken\/Poppenroth. 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