{"id":56047,"date":"2010-04-02T05:14:15","date_gmt":"2010-04-02T03:14:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=56047"},"modified":"2010-04-02T10:14:46","modified_gmt":"2010-04-02T08:14:46","slug":"eine-kirche-der-fusswaschung-werden-bischof-algermissen-predigte-am-gruendonnerstag-im-fuldaer-dom","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=56047","title":{"rendered":"\u201eEine Kirche der Fu\u00dfwaschung werden\u201c &#8211; Bischof Algermissen predigte am Gr\u00fcndonnerstag im Fuldaer Dom"},"content":{"rendered":"<p><strong>Fulda. <\/strong>Auf die zentrale Bedeutung der Eucharistie f\u00fcr die Kirche hat Bischof Heinz Josef Algermissen in den Pontifikalgottesdiensten am Gr\u00fcndonnerstag im Fuldaer Dom hingewiesen. In seiner Predigt am Gr\u00fcndonnerstagabend betonte Algermissen, eine Kirche, die Eucharistie feiere und aus ihr lebe, m\u00fcsse von selbst eine \u201eKirche der Fu\u00dfwaschung\u201c werden, in der die Gl\u00e4ubigen tiefer mit Christus verbunden seien. \u201eDer Tod Jesu am Kreuz und die Feier der Hl. Eucharistie und damit Karfreitag und Gr\u00fcndonnerstagabend h\u00e4ngen unl\u00f6sbar zusammen und sind innerlich miteinander eng verbunden\u201c, so der Bischof zu Beginn seiner Predigt.<!--more--><\/p>\n<p>Der Kontrast zwischen beiden k\u00f6nne indes nicht gr\u00f6\u00dfer sein: In der Eucharistie schenke Christus den Menschen seine Liebe und komme ihnen ganz nahe, der Kreuzestod Jesu hingegen sei die brutale Hinrichtung eines Menschen in der grausamsten der von Menschen ersonnenen Arten. Bei einer rein \u00e4u\u00dferlichen Sicht gebe es offensichtlich keinen Zusammenhang, sondern nur Unterschied oder gar Gegensatz zwischen dem Tod Jesu und der Eucharistie.<\/p>\n<p>\u201eDer innere Zusammenhang erschlie\u00dft sich nur, wenn wir dessen innewerden, da\u00df Jesus selbst die erb\u00e4rmliche Gewalttat der Menschen gegen ihn in einen Akt der liebenden Selbsthingabe von innen her verwandelt und da\u00df er diesen Akt der Liebe am Kreuz bereits bei seinem letzten Abendmahl vollzogen hat: wie das Leben Jesu an seinem Kreuz zerbrochen wird, so wird beim letzten Abendmahl Jesu genauso wie in der Feier der Eucharistie heute der Leib Christi gebrochen.\u201c<\/p>\n<p>Die Gl\u00e4ubigen seien eingeladen und herausgefordert, sich in der Eucharistie in diese Hingabe Jesu pers\u00f6nlich hineinnehmen zu lassen und selbst eine \u201elebendige Opfergabe in Christus\u201c zu werden. \u201eWir feiern Eucharistie, damit wir mit Christus und wie Christus selbst Eucharistie werden. Wir feiern Eucharistie, damit unser allt\u00e4gliches Leben selbst, wie der hl. Franziskus von Assisi einmal sehr sch\u00f6n gesagt hat, ein eucharistisches Hochgebet werden kann.\u201c<\/p>\n<p>Erst damit werde laut Algermissen die eigentliche Sto\u00dfrichtung sichtbar, die Jesus im Johannes-Evangelium mit dem Bild vom Weizenkorn anziele. Denn mit diesem Bild deute er nicht nur sein eigenes irdisches Leben, sondern er sehe in diesem Bild auch das Leben der Christen vorgebildet.<\/p>\n<p>\u201eDa\u00df die Teilnahme an der Eucharistie uns selbst zum Abenteuer des Sich-Hingebens motiviert, wird vor allem darin sichtbar, da\u00df der Gr\u00fcndonnerstag als der Tag der Einsetzung der Eucharistie gefeiert wird, aber im Mittelpunkt der Verk\u00fcndigung dieses Abends und der Messe vom Letzten Abendmahl nicht das letzte Abendmahl Jesu steht, sondern die Fu\u00dfwaschung, die er an seinen J\u00fcngern vollzieht\u201c, hob der Oberhirte hervor. Das Mahl stehe gerade nicht im Mittelpunkt des Evangeliums. Es bilde vielmehr nur den \u00e4u\u00dferen Rahmen f\u00fcr den Akt der Fu\u00dfwaschung, der Johannes in seinem Evangelium besonders am Herzen liege.<\/p>\n<p>\u201eIm Akt der Fu\u00dfwaschung besteht f\u00fcr Johannes das bleibende Testament Jesu an seine J\u00fcnger und an seine Kirche\u201c, fuhr Bischof Algermissen fort. \u201eWie wichtig f\u00fcr ihn dieses Testament ist, l\u00e4\u00dft sich auch daran ablesen, da\u00df das Zeichen der Fu\u00dfwaschung bei Johannes die Einsetzung der Eucharistie ersetzt.\u201c Dies werde noch deutlicher in dem Satz, den Johannes am Schlu\u00df schreibe, der ganz analog zum eucharistischen Einsetzungsbericht formuliert sei und anordne, dieses Zeichen immer wieder neu zu setzen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend es im eucharistischen Einsetzungsbericht hei\u00dfe: \u201eTut dies zu meinem Ged\u00e4chtnis\u201c, betone Jesus im Blick auf die Fu\u00dfwaschung: \u201eIch habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe\u201c. Diesen engen und inneren Zusammenhang zwischen dem letzten\u00c2\u00a0 Abendmahl Jesu und der Einsetzung der Eucharistie einerseits und dem Zeichen der Fu\u00dfwaschung andererseits wolle der Abend des Gr\u00fcndonnerstags den Gl\u00e4ubigen nahebringen, um ihnen erneut ins Stammbuch zu schreiben, da\u00df \u201eGlauben und Leben, Fr\u00f6mmigkeit und Dienstbereitschaft unl\u00f6sbar zusammengeh\u00f6ren und die Liebest\u00e4tigkeit genauso zum Wesen geh\u00f6rt wie der Dienst der Sakramente und der Verk\u00fcndigung des Evangeliums\u201c.<\/p>\n<p><strong>Eucharistie birgt Geheimnis der Kirche in sich<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDie Eucharistie birgt als Geheimnis der Kirche in sich\u201c, hatte Bischof Algermissen am Gr\u00fcndonnerstagmorgen im Fuldaer Dom betont. In der traditionellen Chrisammesse, in der die heiligen \u00d6le f\u00fcr die Spendung der Sakramente geweiht wurden, hatte der Oberhirte daran erinnert, da\u00df Christus sich nicht nur eucharistisch und leibhaft an die Vielen verteile. Vielmehr geschehe durch diese Verteilung die Einigung, die Vereinigung der Vielen zu einem Leib, zum Leib Christi. \u201eDurch den eucharistischen Leib baut sich der Herr je und je den Leib der Kirche auf.\u201c<\/p>\n<p>Bischof Algermissen hatte zu Beginn seiner Predigt deutlich gemacht, da\u00df jeder der Vertreter des Presbyteriums und Diakoniums des Bistums gewisserma\u00dfen \u201eeine unsichtbare Prozession\u201c in diesen Gottesdienst mit hineinf\u00fchre, n\u00e4mlich die Kinder und Erwachsenen, die im kommenden Jahr bei der Taufe mit dem heiligen \u00d6l gesalbt w\u00fcrden, die Kranken und Sterbenden, denen sie dann mit dem heiligen \u00d6l die Krankensalbung spendeten, die zahlreichen Firmbewerber, die sie in den kommenden Wochen und Monaten auf das Sakrament der Firmung vorbereiteten sowie auch die k\u00fcnftigen Neupriester, die in der Weihe mit dem hl. Chrisam gesalbt w\u00fcrden.<\/p>\n<p>\u201eIn der Salbung der Priesterweihe haben wir Priester unseren gemeinsamen Ursprung. Gemeinsam k\u00f6nnen wir allerdings auch nur die Sendung an diesem St\u00fcck Welt, die unser Bistum ausmacht, erf\u00fcllen\u201c, unterstrich der Oberhirte. Man tue gut daran, sich an diesem Gr\u00fcndonnerstagmorgen bei der Weihe der heiligen \u00d6le dem von Gott geschenkten Mysterium der Einheit im Presbyterium ein wenig zu n\u00e4hern.<\/p>\n<p>\u201eDer Herr identifiziert sich in einer Weise mit uns Priestern, da\u00df wir gar \u00e2\u20ac\u0161in persona Christi\u00e2\u20ac\u2122 handeln d\u00fcrfen, wenn wir sprechen: \u00e2\u20ac\u0161Das ist mein Leib, der f\u00fcr euch hingegeben wird\u00e2\u20ac\u00a6 Das ist mein Blut, das f\u00fcr euch und f\u00fcr alle vergossen wird\u00e2\u20ac\u2122\u201c, fuhr der Bischof fort. Dem Herrn gehe es im Hinblick auf die Priester um eine \u201eTotalidentifikation\u201c. Die Leidenschaft, seine Passion, d\u00fcrfe nicht au\u00dfen vor der eigenen T\u00fcr des Priesters bleiben.<\/p>\n<p>Sodann stellte Algermissen klar, da\u00df es nicht zwei Leiber Christi gebe. Der eucharistische Leib k\u00f6nne nur wie ein Ferment innerhalb seines kirchlichen Leibes enthalten sein. \u201eDarum gibt es keine Eucharistie ohne Kirche und keine Kirche ohne Eucharistie.\u201c Wer \u00fcber Brot und Wein die Worte spreche: \u201eDas ist mein Leib. Das ist mein Blut\u201c, der k\u00f6nne keineswegs in einer auch nur inneren Distanz zur Kirche stehen.<\/p>\n<p>Zum Zeichen daf\u00fcr nenne der Priester ja auch bei der Feier der Hl. Eucharistie den Namen des Papstes und des Ortsbischofs. \u201eF\u00fcr uns Priester ist die Identifikation mit der Kirche nicht eine Forderung kirchlichen Verbandsgeistes, sondern eine Konsequenz unseres Glaubens\u201c, so der Bischof weiter. \u201eKirche wird zuerst f\u00fcr uns konkret im Presbyterium, das nicht eine Organisationsgr\u00f6\u00dfe ist, sondern buchst\u00e4blich eine K\u00f6rperschaft.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWie sieht aber nun diese unsere Grundbefindlichkeit als Presbyterium leibhaftig aus?\u201c, hinterfragte Algermissen dann. Das Erscheinungsbild des Presbyteriums des Bistums Fulda h\u00e4nge wesentlich von der Antwort auf die Fragen ab, wie man miteinander umgehen, voneinander spreche und denke, welchen Stellenwert man den kranken Mitbr\u00fcdern gebe, wie tief man an der Sorge um geistliche Berufungen mittrage und ob man auch der erste Seelsorger seines Mitbruders sei. \u201eWie wir im Presbyterium miteinander umgehen, so werden wir uns auch in unseren Gemeinden bewegen\u201c, zeigte sich der Oberhirte \u00fcberzeugt. Es gebe einen direkten inneren Zusammenhang zwischen dem Presbyterium und den Gemeinden vor Ort.<\/p>\n<p>Die Kirche gebe daher den Priestern an diesem Tag die heiligen \u00d6le mit auf den Weg. \u201eGesegnet mit einem gro\u00dfen Reichtum d\u00fcrfen wir zu den M\u00fchseligen und Beladenen heimkehren.\u201c Der heilige Chrisam, mit dem bei der Weihe die H\u00e4nde gesalbt worden seien, lasse unter den H\u00e4nden der Priester t\u00e4glich das Wunder der heiligen Wandlung erstehen. \u201eWir nehmen das Katechumenen\u00f6l mit, das wir bei der heiligen Taufe verwenden. Wir d\u00fcrfen mitwirken, da\u00df sterbliche Menschen nicht nur Kinder Gottes hei\u00dfen, sondern Kinder Gottes sind.\u201c Mit dem Kranken\u00f6l d\u00fcrfe man helfen, da\u00df die Kranken und Sterbenden in die N\u00e4he des Kreuzes Christi r\u00fcckten.<\/p>\n<p>Es gehe immer um Christus, der sich den H\u00e4nden der Priester anvertraue. \u201eWenn Christus, und daran glaube ich ganz fest, die letzte Sehnsucht aller menschlichen Sehns\u00fcchte, wenn er die letzte Antwort auf alle menschlichen Fragen ist, dann sollte unser priesterlicher Dienst trotz aller \u00e4u\u00dferen Armseligkeit gesegnet sein vom Glanz seiner ewigen Verhei\u00dfungen\u201c, betonte Algermissen. Dazu gesalbt und gesandt zu sein, sei eine Freude.<\/p>\n<p>Danach dankte Bischof Algermissen den Diakonen sowie den Welt- und Ordenschristen des Bistums. Denn das Priestertum habe nur einen Sinn, wenn man es zugunsten der Schwestern und Br\u00fcder im Glauben aus\u00fcbe. \u201eKeiner von uns ist Priester f\u00fcr sich selbst geworden, sondern f\u00fcr sie. Wir haben ihnen zu danken, da\u00df sie uns nicht an den Alt\u00e4ren allein stehenlassen\u201c, so Bischof Algermissen zum Schlu\u00df. (bpf)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Fulda. Auf die zentrale Bedeutung der Eucharistie f\u00fcr die Kirche hat Bischof Heinz Josef Algermissen in den Pontifikalgottesdiensten am Gr\u00fcndonnerstag im Fuldaer Dom hingewiesen. 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