{"id":5556,"date":"2007-09-28T00:39:41","date_gmt":"2007-09-27T22:39:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=5556"},"modified":"2007-09-28T00:39:43","modified_gmt":"2007-09-27T22:39:43","slug":"mehr-als-ein-staatssymbol-die-heilige-elisabeth-im-hessischen-muenzbild","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=5556","title":{"rendered":"Mehr als ein Staatssymbol: Die heilige Elisabeth im hessischen M\u00fcnzbild"},"content":{"rendered":"<p><strong><a rel=\"lightbox[roadtrip]\" target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2007\/09\/070927_ela024.jpg\" title=\"070927_ela024.jpg\"><img decoding=\"async\" align=\"left\" src=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2007\/09\/070927_ela024.thumbnail.jpg\" hspace=\"5\" alt=\"070927_ela024.jpg\" \/><\/a>Sch\u00f6nes aus Fulda.<\/strong> Einen \u201ealten Gast\u201c konnte Gunter Geiger, Leiter des Bonifatiushauses in Fulda, j\u00fcngst anl\u00e4\u00dflich eines Akademie-Abends begr\u00fc\u00dfen. Es war dies Professor Dr. Niklot Kl\u00fc\u00dfendorf aus Am\u00f6neburg, der seit drei\u00dfig Jahren regelm\u00e4\u00dfig mit seinen Kindern und den Schulklassen seiner Frau Wochenendseminare in dem Haus der Weiterbildung des Bistums Fulda besucht. Diesmal kam der Hochschullehrer f\u00fcr Numismatik und Geldgeschichte, um \u00fcber ein besonderes Thema vorzutragen: die weltliche \u201eVerwertung\u201c der heiligen Elisabeth durch das hessische F\u00fcrstenhaus.<!--more--><\/p>\n<p>Erste M\u00fcnzen mit dem Bild der hl. Elisabeth entstanden schon zu ihrer Zeit. Seit Hermann dem Gelehrten erscheint die Heilige von 1376 bis 1513 auf hessischen M\u00fcnzen. Die Mitglieder des Landgrafenhauses betonten gern ihre Abstammung von der Heiligen. Dazu nutzten sie auch M\u00fcnzen, die von Hand zu Hand gingen und so ein bew\u00e4hrtes Mittel der Massenkommunikation waren. Hier wandelte sich die Heilige von der Patronin der F\u00fcrstenfamilie zur Patronin des Landes. Die Marburger Elisabethkirche in der Hand der Heiligen erscheint auf M\u00fcnzen schon 1444 und 1492\/93, ihre Krone um 1376 bis 1390, das erste Ganzportr\u00e4t 1492\/93.<\/p>\n<p>Mit der Devise GLORIA REI PVBLICE, also \u201eRuhm des Staates\u201c, fand die Elisabeth-Darstellung in der M\u00fcnzreform von 1502 von Wilhelm II. (1493\u20131509) ihren H\u00f6hepunkt. Unter Wilhelms unm\u00fcndigem Sohn Philipp dem Gro\u00dfm\u00fctigen (1509\u20131567) wurden nach Hessens Beitritt zum Rheinischen M\u00fcnzverein (1509) Elisabeth-Typen bis 1513 gepr\u00e4gt. Anschlie\u00dfend verschwand die Heilige, 13 Jahre vor der Reformation, von den M\u00fcnzen. Philipp beseitigte seit 1526 als Kirchenreformator den mittelalterlichen Kult um die hl. Elisabeth. Damit steht aber das Verschwinden der Heiligen aus dem M\u00fcnzbild nicht im Zusammenhang, sondern mit Vorgaben der damaligen Rheinischen W\u00e4hrungsunion.<\/p>\n<p>Das Bild der Heiligen auf hessischen Groschen von 1510 bis 1513 stimmt mit der 1524 datierten Plastik von Ludwig Juppe (1465\u20131538) am Rathaus zu Marburg \u00fcberein. Als bedeutendste weltliche Darstellung der hl. Elisabeth spiegelt das Relief in auff\u00e4lliger Weise das Vorbild der \u201eAlbus\u201c Philipps. Sein M\u00fcnzbild schm\u00fcckt, 360fach vergr\u00f6\u00dfert, das Rathaus bis heute \u2013 anfangs als Zeichen seiner Herrschaft \u00fcber die Stadt.<\/p>\n<p>Juppes Bruder Georg, ein Goldschmied und Siegelstecher, leitete 1509 als M\u00fcnzk\u00e4mmerer die Ma\u00dfnahmen Hessens zum Eintritt in die M\u00fcnzvertr\u00e4ge der Rheinischen Kurf\u00fcrsten. Zur Bauzeit des Rathauses war er als Sch\u00f6ffe Mitglied im Marburger Rat. Die Umsetzung eines M\u00fcnzbildes in eine Gro\u00dfplastik ist v\u00f6llig ungew\u00f6hnlich. Da\u00df eine M\u00fcnze Philipps die hl. Elisabeth am Rathaus verewigt, ist geradezu eine Ironie der Geschichte, wenn man an das Schicksal der unter diesem Landgrafen ausger\u00e4umten und sp\u00e4ter nicht mehr zusammengebrachten Elisabeth-Reliquien denkt.<\/p>\n<p>In der Baugeschichte des Rathauses spannt sich \u00fcber die hl. Elisabeth eine ideelle Verbindung von der Grundsteinlegung (1512) bis zur Fertigstellung mit der Plastik von 1524. F\u00fcr das Bauopfer legte man einen Goldgulden auf den Grundstein. Vieles, gerade Aktivit\u00e4ten von Georg Juppe, spricht daf\u00fcr, da\u00df dies ein hessischer mit der hl. Elisabeth war. Somit liefern numismatische Quellen f\u00fcr die fr\u00fche Geschichte des Marburger Rathauses und zugleich f\u00fcr das ideelle Nachleben der Heiligen wesentliche Erkenntnisse.<\/p>\n<p>Landgraf Philipps M\u00fcnzverwaltung kommt dabei in ein neues Licht. Lange nach Ende der Pr\u00e4gung mit dem Bild der hl. Elisabeth wurden solche Sorten \u201eunter der Hand\u201c, mit alten Stempeln, falschen Pr\u00e4gejahren, zum Teil unter Mi\u00dfbrauch des Namens von Philipps Vater Wilhelm II. nachgem\u00fcnzt, sogar nach der Reformation. Unter dem Reformer gab es also staatliche Falschm\u00fcnzerei, die wohl, im Sinne der \u201epolitical correctness\u201c, verdecken sollte, da\u00df nach der Reformation noch frisch gepr\u00e4gte M\u00fcnzen Elisabeth als \u201eRuhm des Staates\u201c feierten. Manche dieser M\u00fcnzen d\u00fcrften sogar aus dem Silber aufgel\u00f6ster Kl\u00f6ster entstanden sein.<\/p>\n<p>In diesem Jahr wird in eine deutsche 10-Euro-Gedenkm\u00fcnze die hl. Elisabeth feiern, die eine europ\u00e4ische Heilige ist. Doch wird das Geldst\u00fcck, wie der Referent anmerkte, nur in Deutschland umlaufen d\u00fcrfen. F\u00fcr eine allgemeine Geltung in der Euro-Zone h\u00e4tte man allenfalls die M\u00f6glichkeit gehabt, die Heilige auf ein 2-Euro-St\u00fcck zu setzen.<\/p>\n<p><strong>Zum Foto:<\/strong>\u00c2\u00a0Die letzte regul\u00e4re hessische Elisabeth-M\u00fcnze, ein halber Albus 1513<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Sch\u00f6nes aus Fulda. Einen \u201ealten Gast\u201c konnte Gunter Geiger, Leiter des Bonifatiushauses in Fulda, j\u00fcngst anl\u00e4\u00dflich eines Akademie-Abends begr\u00fc\u00dfen. Es war dies Professor Dr. Niklot Kl\u00fc\u00dfendorf aus Am\u00f6neburg, der seit drei\u00dfig Jahren regelm\u00e4\u00dfig mit seinen Kindern und den Schulklassen seiner Frau Wochenendseminare in dem Haus der Weiterbildung des Bistums Fulda besucht. Diesmal kam der Hochschullehrer &hellip;<\/p>\n<\/div>","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,53,50,44],"tags":[],"class_list":["post-5556","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-startseite","category-bildung","category-kirche","category-kultur"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5556","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5556"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5556\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5556"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5556"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5556"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}