{"id":53512,"date":"2010-03-06T05:34:52","date_gmt":"2010-03-06T04:34:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=53512"},"modified":"2010-03-05T09:35:04","modified_gmt":"2010-03-05T08:35:04","slug":"essen-und-trinken-im-wandel-der-zeit-46-hauptkulturtagung-des-rhoenklub-e-v-mit-100-teilnehmern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=53512","title":{"rendered":"Essen und Trinken im Wandel der Zeit 46. Hauptkulturtagung des Rh\u00f6nklub e.V. mit 100 Teilnehmern"},"content":{"rendered":"<p><strong>Bad Kissingen.<\/strong> Etwa 100 kulturbegeisterte Wander- und Rh\u00f6nfreunde hatten sich im neuen Tagungshaus, dem Heiligenhof bei Bad Kissingen, zur 46. Hauptkulturtagung des Gesamt-Rh\u00f6nklubs eingefunden. Thema war in diesem Jahr die Kulturgeschichte des Essens und Trinkens. Aus\u00c2\u00a0 der Zeit des Mittelalters seien wenige Aussagen \u00fcber die Essensgewohnheiten der Unterschicht, also der einfachen Leute, bekannt, sagte Referentin Dr. Marina Scheinost aus Bamberg. Erst im 18.\/19. Jahrhundert habe sich die Volkskunde mit diesem gro\u00dfen Thema befasst. <!--more--><\/p>\n<p>Im Mittelalter habe es \u201eHerrenspeise\u201c und \u201eBauernspeise\u201c gegeben. Im Allgemeinen seien Nahrungsmittel knapp gewesen und etwa 80 Prozent des Einkommens seien f\u00fcr die Nahrung ausgegeben worden. Ein Problem war die Aufbewahrung von Nahrungsmitteln. Gew\u00fcrze h\u00e4tten manches \u201e\u00fcbert\u00f6nt\u201c. Trinkwasser war knapp, deshalb wurde in der Oberschicht viel Wein getrunken, der allerdings nur einen geringen Alkoholanteil hatte.<\/p>\n<p>Geschlachtet worden sei im Herbst, weil dann dieses Tier nicht mehr \u00fcber den Winter gef\u00fcttert werden musste. Au\u00dferdem war die Verarbeitung des Fleisches in der kalten Jahreszeit einfacher, auch die Aufbewahrung. Interessant waren die Aussagen \u00fcber den Zuckerverbrauch. Im Mittelalter habe ein Haushalt pro Jahr etwa 22 Pfund Zucker verbraucht \u2013 heute liege der Verbrauch bei 35 kg pro Person.<\/p>\n<p>Der Vortrag von Heinrich Hacker vom Freilandmuseum Fladungen befasste sich mit der \u201eErn\u00e4hrung der Rh\u00f6ner nach alten Aufzeichnungen\u201c. Er stellte zun\u00e4chst fest, dass es in vielen D\u00f6rfern und Gemeinden kein Gasthaus mehr gebe. Viel an Althergebrachtem sei mit der Aufgabe der Wirtsh\u00e4user verloren gegangen. In der Vergangenheit habe man nur das verzehrt und zubereitet, was in den G\u00e4rten gewachsen sei. Das Angebot war also von der Jahreszeit abh\u00e4ngig.<\/p>\n<p>Die langen Winter und kurzen Sommer in der Rh\u00f6n und damit die entsprechende Vegetationszeit mussten ber\u00fccksichtigt werden. Hungersn\u00f6te und Missernten seien zu verkraften gewesen. Er konnte Beispiele aus Frankenheim auf der Rh\u00f6n anf\u00fchren, wo die Bewohner bis auf die Knochen abgemagert gewesen seien und sogar Gras essen mussten. Im Jahr 1850 waren die Kartoffeln missraten. Es gab nur Heu und Grummet als Nahrung.<\/p>\n<p>Die Rh\u00f6n sei 1875\/76 in ganz Deutschland bekannt geworden, weil durch eine Hungersnot in Frankenheim 120 Einwohner an einer Typhus-Epidemie erkrankt waren. Viel Kraut sei fr\u00fcher verzehrt worden. In den Waldd\u00f6rfern habe es so genannte Krautl\u00f6cher gegeben, in denen im Garten ganze Krautk\u00f6pfe vergraben worden seien. Fleisch sei nur an Sonn- und Feiertagen auf den Tisch gekommen. Feste wie Taufen und Hochzeiten, auch Tr\u00f6ster, seien dagegen immer gro\u00df gefeiert worden. Der Schnaps habe dabei stets eine gro\u00dfe Rolle gespielt.<\/p>\n<p>In seinem Vortrag bedauerte der aus Dettelbach angereiste Dr. Reinhard Worschech, dass kaum noch Tradition gelebt werde. In den Kaufh\u00e4usern beg\u00e4nne Weihnachten gleich kurz nach Ostern. Und der Aschermittwoch, der 1. Fastentag also, beg\u00e4nne bei den Politikern mit riesigen Ma\u00dfkr\u00fcgen. Fr\u00fcher habe es die Krapfen nur an Fastnacht gegeben, heute gebe es sie in jedem B\u00e4ckerladen und Kaufhaus das ganze Jahr \u00fcber. Auch in der Rh\u00f6n habe sich in den letzten 50 Jahren viel ver\u00e4ndert. Wo wird heute noch fr\u00e4nkisch gekocht? Im Fernsehen gebe es Kochshows im \u00dcberfluss. Das Traditionelle aber sei vielfach verloren gegangen. Erhalten habe sich allerdings der Brauch, dass es an Neujahr Sauerkraut und Bratwurst gebe.<\/p>\n<p>Der Sonntag begann mit einem Vortrag von Rh\u00f6nklubpr\u00e4sidentin Regina Rinke zum Thema \u201eGutes aus der Klosterk\u00fcche\u201c. Sie berichtete von den Anf\u00e4ngen des guten Essens in den Kl\u00f6stern des Mittelalters. Sie lagen oftmals an Pilgerwegen, denn das Pilgern zu den Heiligen St\u00e4tten war sehr beliebt. Der Grundstein zu den Klostergr\u00fcndungen war von dem Heiligen Benedikt im 6. Jahrhundert gelegt worden. Er hatte als Gegenpol zu dem ausschweifenden Leben \u201eim alten Rom\u201c zu einem anderen Leben aufgerufen. Maxime war die christliche N\u00e4chstenliebe.<\/p>\n<p>Viele Jahre sp\u00e4ter habe auch der Heilige Franziskus den Orden der geringeren Br\u00fcder gegr\u00fcndet. \u00dcberall sei es zu Klostergr\u00fcndungen gekommen, auch in der Rh\u00f6n. Viele gute Rezepte seien aus den Kl\u00f6stern \u00fcberliefert und sp\u00e4ter in die ersten deutschen Kochb\u00fccher \u00fcbernommen worden. Die Kl\u00f6ster h\u00e4tten eine gro\u00dfe Bedeutung erlangt, denn der Klostergarten habe Kr\u00e4uter gegen Krankheiten und f\u00fcr die K\u00fcche geliefert.<\/p>\n<p>Gleich neben den Kl\u00f6stern seien Apotheken und Spit\u00e4ler gebaut worden. Die Klosterk\u00f6che haben oftmals k\u00f6nigliche G\u00e4ste empfangen und reichlich mit den besten Speisen bedient. Alte Aufzeichnungen liefern interessante Einblicke in derlei Festtage. Nach der S\u00e4kularisation habe es ein Klostersterben gegeben, denn die M\u00f6nche seien vertrieben worden. Kl\u00f6ster seien zu Lazaretten, Lebensmittellagern oder Pferdest\u00e4llen missbraucht worden. Und dennoch h\u00e4tten die Orden \u00fcberlebt und k\u00f6nnten heute noch zahlreich Gutes an Alten und Kranken sowie Gebrechlichen und Hungernden tun. Die Geschichte des \u201eGuten aus der Klosterk\u00fcche\u201c sei noch nicht zu Ende.<\/p>\n<p>J\u00fcrgen Krenzer vom Familiengasthof \u201eZur Krone\u201c in Seiferts\u00c2\u00a0 berichtete ausf\u00fchrlich \u00fcber seinen Werdegang zum \u201ebesonderen\u201c Gastwirt der Rh\u00f6n. \u00dcber den Fortbestand des \u00fcber 100 Jahre alten Gasthofes habe es Auseinandersetzungen mit seiner Mutter gegeben, und deshalb sei er nach Hamburg \u201eausgewandert\u201c. Ein Hilferuf seiner Mutter habe ihn zur\u00fcckgeholt. Gegen Mutter und Oma habe er sich durchgesetzt mit seiner Idee, etwas \u201eaus der Reihe\u00c2\u00a0 zu tanzen\u201c.<\/p>\n<p>Viele Ideen seien ihm gekommen: die Vermarktung des Rh\u00f6n-Schafes als etwas Besonderem, die Verwertung und damit Aufwertung des Rh\u00f6ner Apfels, der Erhalt alter Rezepte aus Omas Kochbuch wie Spatzekl\u00f6\u00df, der Umbau des Hauses unter Verwendung heimischer H\u00f6lzer und Handwerker und die \u00dcbernachtung in einem Sch\u00e4ferkarren. In seiner K\u00fcche w\u00fcrden nicht nur die Filetst\u00fccke des Tieres verwendet \u2013 er bietet Speisen aus jeglichem Fleisch eines Tieres an, auch Gerichte aus Hackfleisch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Bad Kissingen. Etwa 100 kulturbegeisterte Wander- und Rh\u00f6nfreunde hatten sich im neuen Tagungshaus, dem Heiligenhof bei Bad Kissingen, zur 46. Hauptkulturtagung des Gesamt-Rh\u00f6nklubs eingefunden. 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