{"id":5333,"date":"2007-09-19T00:44:12","date_gmt":"2007-09-18T22:44:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=5333"},"modified":"2007-09-19T00:44:48","modified_gmt":"2007-09-18T22:44:48","slug":"serie-palliativ-care-heute-der-schmerz-des-abschieds","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=5333","title":{"rendered":"Serie &#8220;Palliativ Care&#8221; &#8211; heute: &#8220;Der Schmerz des Abschieds&#8221;"},"content":{"rendered":"<p><a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/Werbung\/070429_Fendel.gif\"><img decoding=\"async\" border=\"0\" align=\"left\" src=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/Werbung\/070428_fendel.gif\" hspace=\"5\" alt=\"070428_fendel.gif\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Serie.<\/strong> Anfang Mai hat die Redaktion in Zusammenarbeit mit dem Palliativnetz Osthessen die <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=2885\">Serie<\/a> &#8220;Palliativ Care&#8221; gestartet. Bis Mitte November geben Palliativmediziner Thomas Sitte, Krankenschwester Manuela Straub und weitere Pflegeexperten immer mittwochs Tipps zur Pflege schwerstkranker Patienten geben. Tipps, die nicht nur den pflegenden Angeh\u00f6rige helfen, sondern auch die Lebensqualit\u00e4t der Patienten deutlich verbessern k\u00f6nnen. Heute schreibt Bestattermeister Stefan Schneider \u00fcber den Schmerz des Abschieds.<!--more--><\/p>\n<p>Das Telefon klingelt. Ein Blick auf die Uhr. Es ist 1.45 Uhr. Licht an. Nach dem zweiten Klingeln melde ich mich mit meinem Namen. &#8221; Storch Bestattungen, Schneider.\u201c Hellwach, als h\u00e4tte ich diesen Anruf erwartet. &#8220;Hier ist Frau M. Mein Mann ist zu Hause gestorben. &#8211; Der Arzt hat gesagt, ich m\u00fcsse jetzt ein Bestattungsinstitut anrufen.&#8221; Papier und Kugelschreiber liegen vor mir. Einige Fragen werde ich jetzt stellen m\u00fcssen, die erste Kontaktaufnahme ist f\u00fcr mich immer der wichtigste Schritt um Vertrauen aufzubauen.<\/p>\n<p>\u201eEs gibt zwei M\u00f6glichkeiten, Frau M. &#8211; Wir k\u00f6nnen jetzt gleich kommen, sagen wir in der n\u00e4chsten Stunde und ihren Mann zu uns \u00fcberf\u00fchren. Sie k\u00f6nnen ihren Mann aber auch noch bei sich behalten, und wir \u00fcberf\u00fchren ihn dann am Morgen.\u201c<br \/>\nFrau M ist verunsichert. \u201eDas geht? Ich darf ihn noch bei mir behalten bis zum Morgen?\u201c &#8220;Selbstverst\u00e4ndlich&#8221; antworte ich und frage kurz nach den \u00f6rtlichen Gegebenheiten. &#8220;Schalten sie nur bitte die Heizung aus und decken sie ihren Mann nur mit einer d\u00fcnnen Decke zu. Und wenn sie doch in den n\u00e4chsten Stunden das Gef\u00fchl haben, dass wir kommen sollen, dann rufen sie uns an.&#8221; So verbleiben wir.<\/p>\n<p>Frau M. beh\u00e4lt ihren Mann bis zum n\u00e4chsten Morgen bei sich, und ich habe einen Gespr\u00e4chstermin mit ihr f\u00fcr den sp\u00e4ten Vormittag um alles Weitere, sprich den Ablauf der Bestattung zu regeln und die M\u00f6glichkeit zu haben, eine Annonce in der Fuldaer Zeitung zu schalten, denn dort ist bis um 12 Uhr Annahmeschluss f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag. Als ich dann bei ihr bin, umarmt sie mich und bedankt sich bei mir. Es h\u00e4tte so gut getan, dass sie ihren Mann nicht sofort hergeben musste, sie hat ihn immer wieder ber\u00fchrt, sp\u00fcrte wie langsam die W\u00e4rme seinen K\u00f6rper verlie\u00df. Sie hat \u00fcberhaupt nicht gewusst, dass das m\u00f6glich sei.<\/p>\n<p>Eine bessere Voraussetzung f\u00fcr ein Gespr\u00e4ch kann es f\u00fcr einen Bestatter\/eine Bestatterin kaum geben. Wir sitzen uns gegen\u00fcber, besprechen den Ablauf der Bestattung, gestalten gemeinsam die Familienanzeige und Sterbebilder &#8211; kl\u00e4ren Renten- und Versicherungsangelegenheiten und noch vieles mehr. Und immer wieder ist da auch Raum f\u00fcr Gef\u00fchle. Sie erz\u00e4hlt mir von der kurzen Krankheit, der Angst und auch der Hoffnung, die sie noch Stunden vor seinem Tod hatte. Sie erz\u00e4hlt mir auch von ihrem Schmerz, der nicht den geringsten Raum des K\u00f6rpers und des Gef\u00fchls ausspart. Der<br \/>\nso unendlich weh tut, dass man sich wie eine H\u00fclle vorkommt. Und irgendwie im Moment nicht erkennen kann, dass sich dieser Zustand noch einmal \u00e4ndert.<\/p>\n<p>Und in diesen Stunden und Tagen muss man Entscheidungen treffen, Dinge regeln, Angeh\u00f6rige informieren und noch vieles mehr. Unglaublich, dass ein Mensch dies in dieser Ausnahmesituation kann. Oft wird das vergessen. Und so sehe ich auch meine Aufgabe als Bestatter. In dieser Zeit Berater zu sein. Und immer wieder darauf eingehen, wo die W\u00fcnsche der Angeh\u00f6rigen sind, auch wenn sie es manchmal nicht sofort zum Ausdruck bringen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Es gibt nat\u00fcrlich auch andere Ausdrucksformen des Schmerzes und der Traurigkeit bei Todesf\u00e4llen. Manchmal ist es die Wut, &#8220;warum hat mich dieser Mensch jetzt allein gelassen, warum tut er mir das an&#8221;. &#8211; Manchmal ist der Bestatter\/die Bestatterin dann das Ventil f\u00fcr all das Ungesagte, Vers\u00e4umte, f\u00fcr die Wut und die Hilflosigkeit. Eine andere Art von Schmerz und eine andere Art mit ihm umzugehen. Solche Situationen sind immer schwierig. Manchmal ist es dann auch notwendig, das Gespr\u00e4ch zu einem anderen Zeitpunkt fortzuf\u00fchren. Jeder Mensch hat seine eigene Art zu trauern.<\/p>\n<p>Auch wenn man die Phasen der Trauer kennt, ist es doch immer wieder anders. Da ist die Mutter, die um ihren einzigen Sohn trauert, ein Schmerz, der ihr das Herz zerrei\u00dft und wenn sie am offenen Sarg ihres Sohnes steht, ihn ber\u00fchrt, ihn in die Arme nimmt, etwas hochhebt, dann kann man kaum glauben, dass dieser Mensch wirklich tot ist. Da sind die drei<br \/>\nT\u00f6chter, die ihre Mutter selbst anziehen m\u00f6chten, die sie waschen und frisieren, immer wieder schauen, ihr noch etwas Rouge auf die Wangen geben, weil der Mutter dies immer so gut gefiel, die mit diesem Dienst ihrem Schmerz Raum geben und dadurch eine ganz besondere N\u00e4he und Liebe sp\u00fcren.<\/p>\n<p>Da sind die Eltern, die sich so sehr auf ihr Baby gefreut haben und es nun wieder hergeben m\u00fcssen. Die in den Tagen bis zur Beisetzung jeden Tag kommen, ihr Baby sehen, ihm Dinge, Spielsachen mitgeben, sich liebevoll in den Arm nehmen und damit ihren Schmerz begreifen. Da sind die Enkelkinder, die f\u00fcr ihren toten Gro\u00dfvater ein Bild malen, das ich in den<br \/>\nSarg lege, und manchmal ist es auch eine Kastanie, ein Stein oder eine besonders sch\u00f6ne Muschel von einem gemeinsamen Urlaub.<\/p>\n<p>Trauer- Ein Schmerz der unendlich weh tut &#8211; Und alle die ihn erlebt haben, wissen, welches Gef\u00fchl er vermittelt. &#8211; Aber, und das ist auch meine eigene Erfahrung, einmal erlebt wei\u00df man um diesen Schmerz, man erkennt ihn wieder und man wei\u00df &#8230;&#8230;. dieser Schmerz der von mir Besitz ergreift, der kaum noch Raum f\u00fcr andere Dinge l\u00e4sst, er wird vergehen. Nicht heute, nicht morgen. Er hat seinen eigenen Weg. Und dieser Weg hei\u00dft Hoffnung, Geduld und Zuversicht. (Bestattermeister Stefan Schneider,\u00c2\u00a0Storch Bestattungen)<\/p>\n<p>Wer\u00c2\u00a0Fragen hat, kann sich an das Schmerz &amp; PalliativZentrum Fulda unter Telefon 0661 &#8211; 9 01 50 16 wenden oder findet weitere Informationen im Internet unter <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.palliativnetz-osthessen.de\">www.palliativnetz-osthessen.de<\/a><\/p>\n<p>Bislang ver\u00f6ffentlichte Themen der Serie:<br \/>\n<a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=2807\">1. Schmerzlinderung<\/a><br \/>\n<a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=3025\">2. Durchbruchschmerzen<\/a><br \/>\n<a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=3136\">3. Lagerung<\/a><br \/>\n<a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=3248\">4. Mundpflege und Hilfe bei Durstgef\u00fchl<\/a><br \/>\n<a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=3333\">5. Wundliegen &amp; Hautpflege<\/a><br \/>\n<a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=3488\">6. Atemnot<\/a><br \/>\n<a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=3604\">7. \u00c4ngste<\/a><br \/>\n<a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=3726\">8. Unruhe<\/a><br \/>\n<a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=4033#more-4033\">9. Schw\u00e4che<\/a><br \/>\n<a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=3928\">10. M\u00fcdigkeit<\/a><br \/>\n<a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=4145\">11. Hunger<\/a><br \/>\n<a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=4275\">12. Durst<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=4372\">13. Unangenehme Wunden<\/a><br \/>\n<a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=4461\">14. Verstopfung<\/a><br \/>\n<a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=4560\">15. Juckreiz<\/a><br \/>\n<a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=4673\">16. D\u00fcfte\/\u00e4therische \u00d6le<\/a><br \/>\n<a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=4721\">17. Basale Stimulation<\/a><br \/>\n<a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=4925\">18. Lymphdrainage<\/a><br \/>\n<a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=5045\">19. Hilfsmittel<\/a><br \/>\n<a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=5173\">20. Therapiebeschr\u00e4nkung<\/a><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" border=\"0\" src=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/Werbung\/070427_Fendel.gif\" alt=\"070427_Fendel.gif\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Serie. 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