{"id":52416,"date":"2010-02-22T05:50:24","date_gmt":"2010-02-22T04:50:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=52416"},"modified":"2010-02-22T08:50:49","modified_gmt":"2010-02-22T07:50:49","slug":"nicht-jeder-der-viel-am-computer-sitzt-ist-gleich-suechtig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=52416","title":{"rendered":"&#8220;Nicht jeder, der viel am Computer sitzt, ist gleich s\u00fcchtig&#8221;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Vogelsbergkreis.<\/strong> \u201eNicht jeder, der viel am Computer sitzt, ist gleich s\u00fcchtig. Aber die Gefahren sind f\u00fcr manche Jugendlichen sehr gro\u00df.\u201c Dies ist die Einsch\u00e4tzung von Wolfgang Weiser von der Fachstelle f\u00fcr Suchtpr\u00e4vention im Vogelsbergkreis. Im \u201eNetzwerk Kinder- und Jugendarbeit\u201c informierte er vor Kurzem \u00fcber neueste Erkenntnisse, Erfahrungen und m\u00f6gliche Hilfen. Das Netzwerk wird regelm\u00e4\u00dfig von der Stadt Lauterbach veranstaltet und von Harald Finke (Vogelsberg Consult GmbH) moderiert. \u201eNetz mit w@b-Fehlern\u201c hie\u00df Weisers Vortrag und besch\u00e4ftigte sich vorrangig mit dem Suchtpotential von Internet- und Onlinespielen. Die Fachstelle arbeitet in diesem Bereich eng mit der Techniker-Krankenkasse (TKK) und der Hessischen Landesstelle f\u00fcr Suchtfragen zusammen.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Herr der Lage trotz t\u00e4glichem Konsum<\/strong><\/p>\n<p>Fast 100 Prozent aller jungen Menschen zwischen 12 und 30 haben heute einen Internetzugang \u2013 und sie nutzen ihn auch praktisch jeden Tag. Das Medium Internet habe in dieser Altersgruppe bereits das Fernsehen abgeh\u00e4ngt, berichtet Wolfgang Weiser. 90 Prozent der Nutzer sind stets \u201eHerr der Lage\u201c, das hei\u00dft, sie surfen, chatten, spielen in \u00fcberschaubaren Strukturen und vor allem in \u00fcberschaubaren Zeitr\u00e4umen. Ob Spielsucht, Kommunikationssucht oder Sexsucht \u2013 entscheidende Kriterien der Gefahr sind das \u201eNicht-Aufh\u00f6ren-K\u00f6nnen\u201c und das \u201eImmer-mehr-haben-wollen\u201c. Dann wird aus einem PC-Nutzer pl\u00f6tzlich ein Anh\u00e4ngsel des Systems.<\/p>\n<p>Normale Nutzer sind durchschnittlich 18 Stunden pro Woche im Netz. Die Suchtgefahr beginnt, wenn sich diese Anzahl der 30 n\u00e4hert, das trifft auf etwa sieben Prozent der Nutzer zu. Drei Prozent sind bereits als Web-s\u00fcchtig anzusehen; sie konsumieren Bilder, Spiele, Kommunikation in 35 Stunden pro Woche und mehr.<\/p>\n<p>\u201eEs kann nicht um die Verteufelung des neuen Mediums gehen, sondern darum, kompetent und gesteuert damit wie mit einem guten Werkzeug umzugehen\u201c, sagt Wolfgang Weiser. Die \u201eGeneration TV\u201c habe viermal so viel Zeit gehabt, sich an die M\u00f6glichkeiten des Mediums \u201ezu gew\u00f6hnen\u201c wie die \u201eGeneration @\u201c. Neben Suchtgefahren gebe es auch weitere wichtige Probleme, die man nicht gering sch\u00e4tzen sollte: Mobbing, Gewaltverherrlichung, Realit\u00e4tsverlust, Urheberrechtsverletzungen mit schwerwiegenden Strafrechtsfolgen, Viren, W\u00fcrmer und Trojaner, Abzocke im Netz und \u201eEtliches an echter Jugendgef\u00e4hrdung\u201c.<\/p>\n<p><strong>Wie erkenne ich die Suchtgefahr?<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr Eltern, Freunde und Lehrerinnen und Lehrer nennt Wolfgang Weiser wichtige Merkmale, die dazu f\u00fchren sollten, ein Problem zu erkennen:<\/p>\n<p>Das Internet verbraucht immer mehr Stunden des Tages \u2013 ein Kontrollverlust \u00fcber Beginn und Ende der Nutzung ist festzustellen \u2013 um gute Laune zu erreichen, muss immer mehr und immer l\u00e4nger ins Netz gegangen werden \u2013 Entzugserscheinungen zeigen sich k\u00f6rperlich: bei Abstinenz ist Nervosit\u00e4t und Gereiztheit feststellbar bis hin zu einem echten psychischen Verlangen \u2013 der Internet-Nutzer kapselt sich ab, vermeidet reale Kontakte, die Vereinsamung im tats\u00e4chlichen Leben nimmt zu \u2013 es gibt immer mehr \u00c4rger mit Familie, Freunden, Mitsch\u00fclern oder dem Arbeitgeber.<\/p>\n<p>Einen jungen Menschen zu verurteilen, wenn er zuviel am \u201eNetz h\u00e4ngt\u201c, f\u00fchre nicht weiter, so Wolfgang Weiser. Zun\u00e4chst m\u00fcsse erkannt werden, was denn so attraktiv an der ausgedehnten PC-Nutzung sei. Wer aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden kein starkes Selbstwertgef\u00fchl habe, sein Selbstwirksamkeitsgef\u00fchl nicht in der Realit\u00e4t ausbauen k\u00f6nne \u2013 der sei in Gefahr. Denn im Netz gilt: da bin ich wer! Da kann ich Befehle geben! Da erhalte ich Aufmerksamkeit! Da ist wenigstens jemand! Da passiert wenigstens was! Da kann ich zuverl\u00e4ssig abschalten! Da kann ich meine Wut rauslassen! usw. usw.<\/p>\n<p>Was k\u00f6nnen Eltern und Lehrkr\u00e4fte tun? Aufmerksam sein, Symptome wahrnehmen und ansprechen, selbst die Welt des web kennen lernen, um mitreden zu k\u00f6nnen, Medienkompetenz verst\u00e4rken. Nicht zuletzt: Vorbild sein und \u201ebesser etwas bieten (zum Beispiel Sport) als etwas verbieten\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Vogelsbergkreis. \u201eNicht jeder, der viel am Computer sitzt, ist gleich s\u00fcchtig. Aber die Gefahren sind f\u00fcr manche Jugendlichen sehr gro\u00df.\u201c Dies ist die Einsch\u00e4tzung von Wolfgang Weiser von der Fachstelle f\u00fcr Suchtpr\u00e4vention im Vogelsbergkreis. Im \u201eNetzwerk Kinder- und Jugendarbeit\u201c informierte er vor Kurzem \u00fcber neueste Erkenntnisse, Erfahrungen und m\u00f6gliche Hilfen. 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