{"id":51984,"date":"2010-02-11T06:01:07","date_gmt":"2010-02-11T05:01:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=51984"},"modified":"2010-02-11T10:02:29","modified_gmt":"2010-02-11T09:02:29","slug":"winterfreud-und-winterleid-auf-hessens-hoechstgelegener-verwaltungsstelle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=51984","title":{"rendered":"Winterfreud\u00e2\u20ac\u2122 und Winterleid auf Hessens h\u00f6chstgelegener Verwaltungsstelle"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/100210_Wasserkuppe.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-51985\" title=\"100210_Wasserkuppe\" src=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/100210_Wasserkuppe.jpg\" alt=\"100210_Wasserkuppe\" width=\"560\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/100210_Wasserkuppe.jpg 592w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2010\/02\/100210_Wasserkuppe-265x176.jpg 265w\" sizes=\"(max-width: 592px) 100vw, 592px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Wasserkuppe. <\/strong>Es ist das H\u00f6chste, was man in der Fuldaer Kreisverwaltung erreichen kann: eine Stelle beim Fachdienst Natur und Landschaft mit der Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr den hessischen Teil des Biosph\u00e4renreservates Rh\u00f6n. Um den Schreibtisch in fast 950 Metern \u00fcber NN auf Hessens h\u00f6chstem Berg, der Wasserkuppe, werden die zw\u00f6lf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Groenhoff Haus beneidet und bemitleidet \u2013 je nach Wetterlage.<!--more--><\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p>Mit dicken Filzschlappen sitzt Ewald Sauer, zust\u00e4ndig f\u00fcr Pflege der Schutzgebiete, Forst- und Jagdangelegenheiten, jetzt im Winter am PC. \u201eMan friert von unten, weil es keinen Keller gibt\u201c, sagt er. Zum Aufr\u00fcsten hat er gef\u00fctterte Stiefel neben sich stehen und eine zweite Jacke im Schrank h\u00e4ngen. Denn in den vergangenen zehn Jahren, seit die Biosph\u00e4renreservatsverwaltung von W\u00fcstensachsen in das ehemalige Bundeswehrgeb\u00e4ude gezogen ist, gab es immer wieder Probleme mit dem alten Heizungssystem.<\/p>\n<p><strong>Wei\u00dfe Pracht drinnen und drau\u00dfen<\/strong><\/p>\n<p>An diesem Morgen ist Sauer jedoch schon einmal t\u00fcchtig ins Schwitzen geraten: Als er um 6.30 Uhr als erster an die Arbeit kam, musste er sich erst einmal den Weg ins Geb\u00e4ude freischaufeln. \u201eDas geh\u00f6rt dazu\u201c, meint er. Doch damit nicht genug: Als er die T\u00fcr \u00f6ffnete, lag innen noch einmal ein halber Meter Schnee, der \u00fcber Nacht durch die T\u00fcrfuge geweht war. Etwa eine halbe Stunde sind die Mitarbeiter der Naturwacht morgens damit besch\u00e4ftigt, den Schnee vom Parkplatz zu r\u00e4umen. \u201eJe h\u00f6her und breiter die Schneehaufen werden, desto kleiner werden die Parkfl\u00e4chen\u201c, berichtet Sachgebietsleiter Martin Kremer.<\/p>\n<p>\u201eWenn der Schnee bis ans Fenster reicht, lugen auch mal spielende Kinder von drau\u00dfen in mein B\u00fcro\u201c, erz\u00e4hlt Sachbearbeiter Joachim Jenrich. Und Ewald Sauer erinnert sich, wie vor drei Jahren sein Fenster komplett zugeweht war. \u201eDa konnte man sich ohne Ablenkung auf die Arbeit konzentrieren\u201c, scherzt er. Der Blick aus dem Fenster kann ansonsten durchaus Feierabendsehnsucht wecken. Vor allem bei Inversionswetterlage, wenn die Sonne strahlt und der Schnee glitzert, f\u00e4llt es nicht nur Ewald Sauer schwer, am Schreibtisch auszuharren. \u201eZum Gl\u00fcck habe ich ein Nordfenster\u201c, flachst Martin Kremer. Seine Langlaufskier m\u00fcssen im Kofferraum bis Dienstschluss warten, bevor er damit eine Runde auf der Loipe ums Flugfeld dreht.<\/p>\n<p>Da hat Joachim Walter, einer der f\u00fcnf M\u00e4nner der Naturwacht, es scheinbar besser. Auf Skiern ist er auf den Loipen im Biosph\u00e4renreservat unterwegs um aufzupassen, dass keine Langl\u00e4ufer und Schneeschuhwanderer abseits der Spur Schutzgebiete durchqueren. \u201eNeider weise ich gern darauf hin, dass ich einen Acht-Stunden-Tag habe und selbst Skilaufen irgendwann kein Vergn\u00fcgen mehr ist.\u201c K\u00e4lte stellt f\u00fcr ihn kein Problem dar. \u201eDie Bewegung h\u00e4lt warm.\u201c Alles in allem genie\u00dfe er den Winter.<\/p>\n<p>Der kalten Jahreszeit gar nichts abgewinnen kann dagegen Sekret\u00e4rin Eva Grollmu\u00df. \u201eIch bin kein Freund von Schnee. Hoffentlich kommt bald das Fr\u00fchjahr\u201c, seufzt sie. Sie bedauert, dass sich die Verwaltungsstelle nicht mehr in ihrem Wohnort W\u00fcstensachsen befindet. \u201eAber lieber fahre ich auf die Wasserkuppe als nach Fulda\u201c, meint sie. Angst vor dem Fahren bei winterlichen Stra\u00dfenverh\u00e4ltnissen habe sie aber nicht. Mit ihren beiden Kolleginnen Ruth Happel aus Bischofsheim und Mechtild Winheim aus Brand ist sie sich einig, dass \u201eGeduld, wenn der Schneepflug noch nicht durch war, gute Winterreifen, umsichtige Fahrweise und eine Schippe im Auto\u201c vor gr\u00f6\u00dferen Schwierigkeiten bewahren.<\/p>\n<p><strong>Keiner musste \u00fcbernachten<\/strong><\/p>\n<p>Dabei sei die Hinfahrt auf den Berg, zeitlich nach dem R\u00e4umfahrzeug, oft einfacher als die Heimfahrt, wenn Schneewehen l\u00e4ngst wieder die Stra\u00dfen versperrten. \u201eAnfangs hatte ich sicherheitshalber einen Schlafsack im Auto\u201c, verr\u00e4t der Dirloser Martin Kremer. Aber gebraucht habe er ihn nie. Nicht einmal, als Mitte der vergangenen Woche die Wetterverh\u00e4ltnisse so chaotisch waren, dass die Schulen geschlossen blieben und die Wasserkuppe zeitweise von der Au\u00dfenwelt abgeschnitten war.<\/p>\n<p>\u201eWir haben um 16 Uhr Feierabend gemacht und verst\u00e4ndnislos den Kopf gesch\u00fcttelt \u00fcber die Mitb\u00fcrger, die zu diesem Zeitpunkt trotz Warnungen noch zur Kuppe hochgefahren sind\u201c, berichtet der Leiter der Hessischen Verwaltungsstelle des Biosph\u00e4renreservats, Otto Evers. Als am letzten Donnerstag die Zufahrtsstra\u00dfen zur Wasserkuppe komplett gesperrt waren, trat zum ersten Mal in elf Jahren der Fall ein, dass die Verwaltungsstelle geschlossen bleiben musste.<\/p>\n<p>Da vor kurzem die Heizungsanlage modernisiert worden ist und damit das Arbeiten in dicken Jacken der Vergangenheit angeh\u00f6ren sollte, k\u00f6nnte man meinen, dass sich Hessens h\u00f6chstgelegene Verwaltungsstelle kaum von anderen B\u00fcros unterscheidet. Doch dem widerspricht Evers: \u201eWir haben hier Natur hautnah. Als ich heute morgen aus dem Fenster geschaut habe, dachte ich, die Fichten st\u00fcnden in Flammen. Was f\u00fcr ein traumhafter Sonnenaufgang! Und dann der Blick zum Heidelstein und zum Roten Moor!\u201c, schw\u00e4rmt er.<\/p>\n<p>\u201eHier ist das Wetter entweder gnadenlos sch\u00f6n oder gnadenlos bescheiden\u201c, formuliert Martin Kremer. \u201eAber wenn die Sonne scheint, dann entsch\u00e4digt das f\u00fcr die restlichen 200 Regen- und Nebeltage im Jahr.\u201c Joachim Jenrich hat \u00fcber die Wasserkuppe sogar ein 408 Seiten starkes Buch geschrieben &#8211; eine Liebeserkl\u00e4rung, die zu jeder Jahreszeit und selbst im Arbeitsalltag gilt.<\/p>\n<p>Foto: Limpert<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Wasserkuppe. 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